Grünen-Bildungsexpertin Claudia Maicher fordert mit ihrer Fraktion eine Ausweitung des Promotionsrechts für Hochschulen der Angewandten Wissenschaften. (Archivbild)
Grünen-Bildungsexpertin Claudia Maicher fordert mit ihrer Fraktion eine Ausweitung des Promotionsrechts für Hochschulen der Angewandten Wissenschaften. (Archivbild) Bild: Sebastian Kahnert/dpa
Sachsen
Grüne fordern Ausweitung des Promotionsrechts

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Bislang dürfen in Sachsen im Wesentlichen nur Universitäten eigenständig Promotionsverfahren durchführen. Die Grünen fordern eine Änderung der Praxis.

Dresden.

Die Grünen im sächsischen Landtag fordern ein eigenständiges Promotionsrecht für Hochschulen der Angewandten Wissenschaften. Ohne eine solche Möglichkeit drohe der Freistaat im bundesweiten Wettbewerb um Forschung, Innovation und Fachkräfte zurückzufallen, begründete die Landtagsfraktion ihr Anliegen. In einem Antrag im Parlament wird die Regierung aufgefordert, konkrete Modelle zu prüfen. 

Grüne: Sachsen entwickelt sich zunehmend zum Nachzügler

"Sachsen entwickelt sich zunehmend zum Nachzügler in der Wissenschaft. Während inzwischen alle anderen Bundesländer ihren Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ein eigenständiges Promotionsrecht ermöglicht haben oder dessen Einführung auf den Weg bringen, verharrt das Wissenschaftsministerium bei Lösungen der Vergangenheit", monierte Bildungsexpertin Claudia Maicher. 

Absolventen jeder Hochschulart können in Sachsen promovieren

In der sächsischen Hochschullandschaft gibt es Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW), Kunsthochschulen und die Duale Hochschule. Jede dieser Hochschularten hat ein besonderes Aufgabenprofil. Sachsen hat den Universitäten ein eigenes Promotionsrecht zugewiesen. Nach dem sächsischen Hochschulgesetz haben zudem die Kunsthochschulen das Recht zur Promotion in Fachgebieten mit wissenschaftlicher Ausrichtung. Grundsätzlich kann aber ein Absolvent jeder Hochschulart promovieren. Konkret besteht die Möglichkeit der sogenannten Kooptation - die zeitweise Aufnahme von HAW-Professoren für Promotionsverfahren. Das Promotionsverfahren wird somit stets auf universitärem Niveau vollzogen, argumentiert das Ministerium. 

Grüne empfinden Kooptationsmodell als Beschränkung

Nach Einschätzung der Grünen vergibt Sachsen mit der Beschränkung auf das Kooptationsmodell die Chance, die Forschungsleistungen von HAW für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Sachsen voll zu nutzen. Maicher forderte Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) auf, die veränderten bundesweiten Wettbewerbsbedingungen anzuerkennen und Sachsen strategisch gut für die Zukunft aufzustellen. "Andere Länder machen es vor. Verschiedene Modelle zeigen, wie dabei die unterschiedlichen Aufgabenprofile der sächsischen Hochschulen beachtet werden können."

"Wir Bündnisgrüne wollen mit dem eigenständigen Promotionsrecht für besonders forschungsstarke Bereiche der HAW deren Attraktivität für wissenschaftlichen Nachwuchs steigern und mehr hochqualifizierte Fachkräfte für Sachsen gewinnen", so Maicher. Mit diesem Schritt ermögliche man mehr regionalen Unternehmen etwa eine Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung, bessere Voraussetzungen für Technologietransfer und Ausgründungen und Ansiedlung von Unternehmen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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