Grüne wollen in Sachsen zweistellig werden

Die Partei fühlt sich durch den Bundestrend auch für die Landtagswahl gestärkt. Bisher war sie in Sachsen vor allem in den großen Städten verwurzelt.

Dresden.

Lange hieß es bei den sächsischen Grünen, man müsste kommendes Jahr vermutlich um den Wiedereinzug in den Landtag zittern. Nun hat sich die Stimmung in der Partei aber deutlich gebessert. Die Grünen geben sogar ein ehrgeiziges Ziel für die Wahl am 1. September 2019 aus: "Es ist für uns an der Zeit, bei der Landtagswahl erstmals ein zweistelliges Ergebnis in Angriff zu nehmen", sagte der Fraktionsvorsitzende Wolfram Günther der "Freien Presse". 

Zehn Prozent oder mehr haben die Grünen in Sachsen noch nie erzielen können. Bisher sind 6,4 Prozent, die sie bei der Landtagswahl 2009 verzeichneten, ihr bestes Ergebnis. 2014 rutschten sie dann auf 5,7 Prozent ab. Zwischen 1994 und 2004 waren sie gar nicht im Landtag vertreten, weil sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten.

Günther verweist jetzt aber auf die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sowie den Bundestrend. In Bayern erzielten die Grünen 17,5 Prozent, in Hessen 19,8 Prozent. Bei bundesweiten Umfragen kommen sie teilweise deutlich über 20 Prozent. "Der aktuelle Bundestrend zeigt, dass wir Grüne viele Menschen in Zeiten von Hysterie und Ideenlosigkeit mit einer klaren Haltung überzeugen können. Das spüren wir auch in Sachsen", sagte Günther. Die sächsischen Grünen verzeichneten zudem einen deutlichen Zulauf: "In den letzten Monaten sind mehrere hundert Mitglieder eingetreten, weil sie für demokratisches, ökologisches und soziales Sachsen streiten wollen. Mit diesem massiven Mitgliederwachstum kommen wir jetzt in Augenhöhe zu den Blockparteien, die 1990 ganze Mitgliederbestände mit tausenden Mitgliedern übernommen haben."

Bei zurückliegenden Landtagswahlen hatten die Grünen vor allem Schwierigkeiten im ländlichen Raum. Das Statistische Landesamt weist ihr Ergebnis in den Flächen-Wahlkreisen meist nicht einmal gesondert aus, weil sie zu wenig Stimmen erhielten. Es waren vor allem die großen Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz, die das Rückgrat für ihren Wiedereinzug in den Landtag bildeten. Dort kamen sie in Wahlkreisen mitunter auf 15 Prozent und mehr. 

Die Grünen wollen sich bei der anstehenden Sachsen-Wahl vor allem als Alternative zur CDU präsentieren. Die sächsische Union haben sie zum Hauptgegner ausgerufen. "Unser Ziel ist es daher, die Macht der CDU bei der nächsten Landtagswahl zu brechen", beschlossen sie Anfang September bei einem Parteitag. Auch Günther betont dies nun noch einmal: Die Errungenschaften der Friedlichen Revolution würden aktuell "massiv angegriffen": "Das entscheidende Problem, das wir gerade in Sachsen erleben, ist die fehlende Haltung in der CDU und ihre Anbiederung an Feinde unseres Grundgesetzes." 

Gesprächen mit der CDU, die in Sachsen seit 28 Jahren ununterbrochen regiert, will man sich nach der Wahl dennoch nicht verschließen. Das hatte der Fraktionschef beim Landesparteitag deutlich gemacht: "Wir sind in einer Demokratie. Wir stehen dafür ein, dass alle demokratischen Kräfte miteinander reden müssen und miteinander zusammenarbeiten müssen."

Günther wird vermutlich als Spitzenkandidat für die Grünen bei der Landtagswahl antreten. Er gilt als Favorit für den Posten. Den weiblichen Part des Duos könnte seine Fraktionskollegin Katja Meier übernehmen. Sie hat ihre Kandidatur angekündigt.

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7Kommentare
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  • 2
    3
    Interessierte
    vor 9 Stunden

    Das glaube ich kaum , dass die das in Sachsen schaffen ...

  • 3
    3
    Steuerzahler
    11.11.2018

    @cn3boj00: Wie Sie zu Ihrem Kommentar gekommen sind wird Ihr Geheimnis bleiben. Das, was Sie so schön demagogisch unterstellen, habe ich weder gesagt noch geschrieben. Von daher frage ich mich, wie Sie darauf kommen und ob Sie Ihre Ansichten lediglich provokativ-aggressiv verbreiten wollen. Ich habe nichts gegen einen langfristigen und vor allem sinnvollen Kohleausstieg. Weil mir aber im Gegensatz zu manch Anderem, ob Politiker, Mitläufer oder militanten links-grünen Extremisten, die Menschen, die davon betroffen sind, nicht gleichgültig sind, habe ich entschieden etwas gegen Leute, die Exkremente auf Polizisten werfen, das Eigentum anderer Leute missachten indem sie frisch bestellte Felder zertrampeln oder gar schlimmer wie bei G20 das Leben anderer gefährden. Diese Leute als grüne oder linke „Aktivisten“ zu bezeichnen ist nichts als politisches Kalkül und die Hoffnung, die „Linke“ als Helfer gegen „Rechts“ zu nutzen und dafür diese Probleme zu verniedlichen.

  • 2
    7
    Blackadder
    10.11.2018

    @ tauchsieder: Zum Thema Braunkohletagebau empfehle ich ihnen mal Gerhard Gundermann anzuhören oder sich den Film im Kino anzusehen. Der hat die Zwiespalt zwischen Natur und Heimat zerstören und Arbeitsplätze erhalten schon kurz nach der Wende großartig thematisiert. Er hat schließlich selbst auf dem Bagger gesessen. Aber er hat auch erkannt, dass der Mensch nicht weiter Raubbau an der Natur betreiben kann und hat zum Tischler umgeschult.

  • 6
    3
    Tauchsieder
    10.11.2018

    Na aber hallo "cn3.....", Urban kennt doch jeder. Ein ehemaliger Vorsitzender eines der größten Naturschutzverbände in Sachsen. Hatte sich vehement für die Naturschutzbelange hier in Sachsen und darüber hinaus eingesetzt. Und was ihre Animositäten bezüglich des Braunkohlendrecks und der plattgemachten Dörfer belangt, die unmittelbar Betroffenen sehen dies völlig anders. Oder hören sie da irgendwelchen großen Protest der betroffenen Bevölkerung, abgesehen von den angereisten Berufsdemonstranten?

  • 5
    7
    cn3boj00
    09.11.2018

    @Steuerzahler: Es ist Ihre Sache, wenn sie es gut finden, dass für Braunkohledreck weiterhin ganze Dörfer und geschützte Wälder plattgemacht werden und menschen wie Bäume entwurzelt werden. Solche Leute soll es noch geben.
    Es zeugt aber von geistiger Untiefe, wenn man auf der einen Seite behauptet, die AfD habe nichts mit Nazis zu tun, und dann die Grünen mit "Aktivisten" gleichsetzt.
    @osgar: Gegenfrage - wer kennt Herrn Urban? Und was an den Worten erinnert bitte an die Linken? "Demokratisches, ökologisches, soziales Sachsen" - was ist daran so furchtbar?
    Ich hoffe, dass noch viele Menschen in Sachsen erkennen, dass wir nicht nur EIN Problem haben.

  • 5
    2
    Tauchsieder
    09.11.2018

    ..... und wie soll das gehen?

  • 10
    2
    Freigeist14
    09.11.2018

    Wer wolle bestreiten,daß die Grünen in Sachsen gern zweistellig werden möchten . Nur sollten sie nicht dem Trugschluss erlegen,daß Nichtwähler der Grünen mit Ökologie , Nachhaltigkeit und Solidargemeinschaft nicht viel am Hut haben .

  • 9
    7
    osgar
    09.11.2018

    Frage in die Runde, wer kennt den Herrn Günther?
    Hier tut er sich mit markigen Worten hervor, die eher an einen Linken erinnern. Wenn man man schon mit den Grünen sympathisieren will, geht das in Sachsen nicht. Weil die hier die „konsequenteren“ Linken sind. Hoffentlich bleibt uns dieser Verein im Landtag erspart.

  • 11
    5
    Steuerzahler
    09.11.2018

    Gott behüte uns, wenn die „Aktivisten“ nach Macht gieren! Der Hambacher Forst lässt grüßen und zeigt dem wahren Charakter!



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