Grünes Gewölbe: Verwirrung um gestohlenen Schmuck

Der israelischen Sicherheitsfirma CGI sollen Teile des Diebesgutes für neun Millionen Euro angeboten worden sein. In Sachsen zeigen sich Ermittler und Museum überrascht.

Dresden.

Die Lage um die gestohlenen Juwelenensembles aus dem Grünen Gewölbe wird immer verworrener. Der israelischen Sicherheitsfirma CGI, die nach eigenen Angaben nach dem Raub in dem Fall ermittelte, sollen Teile der entwendeten Schmuckstücke in einem verschlüsselten Teil des Internets von Unbekannten angeboten worden sein. Allerdings will in Sachsen niemand das Unternehmen mit seinen Nachforschungen beauftragt haben.

CGI-Geschäftsführer Zvika Nave betonte, dass sie über eine Anwaltsfirma von Vorstandsmitgliedern des Museums mit der Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Grünen Gewölbe sowie mit der Untersuchung des Einbruchs betraut worden seien. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), zu denen auch das Grüne Gewölbe zählt, zeigten sich davon regelrecht überrascht. Die SKD hätten keinen Auftrag erteilt, hieß es. SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann habe "mitnichten" im Kontakt mit der Firma gestanden, sagte Sprecher Stephan Adam. "Frau Ackermann kannte die Firma nicht einmal."

Die sächsische Kunstministerin Barbara Klepsch (CDU), die Dresdner Polizei und die Staatsanwaltschaft dementierten ebenso. Auch die Kunstfreunde der Staatlichen Sammlungen - ein Förderverein - wollen mit der Angelegenheit nichts zu tun haben: Man sei "in keinerlei Art und Weise in diesen Vorfall involviert", ließ Geschäftsführerin Maria Krusche wissen.

Die israelischen Privatermittler hatten am Freitag einen Bericht der "Bild" bestätigt, wonach Unbekannte ihnen per E-Mail für neun Millionen Euro für den "Sächsischen Weißen" Diamanten und den Bruststern des Polnischen Weißen Adlerordens angeboten hätten. Das Geld sollte in der digitalen Währung Bitcoin gezahlt werden. Inwieweit das Angebot authentisch ist, blieb unklar. "Hinweise darauf, dass im Grünen Gewölbe gestohlener Schmuck der Firma zum Kauf angeboten wurde, liegen den Ermittlungsbehörden nicht vor", teilten Dresdner Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagnachmittag mit. "Seitens der Firma wurden keine Erkenntnisse an die Dresdner Staatsanwaltschaft oder die Polizei übermittelt." Die israelische Firma behauptet das Gegenteil: "Alle Informationen wurden in Echtzeit an die Dresdner Staatsanwaltschaft übergeben", wurde CGI-Geschäftsführer Zvika Nave zitiert.

Aus dem Grünen Gewölbe waren am 25. November 2019 in den frühen Morgenstunden Teile dreier Juwelengarnituren gestohlen worden. Innerhalb weniger Minuten verschafften sich die unbekannten Täter durch ein Fenster Zugang zu den Räumlichkeiten, wo sie mit einer Axt eine Vitrine zerstörten. Anschließend flüchteten sie mit einem Auto, das die Polizei ausgebrannt in Dresden fand. Die Ermittler gehen von insgesamt vier Tätern aus. Sie haben möglicherweise auch Hilfe von einem Museumsmitarbeiter erhalten. Die israelische Firma soll entsprechende Hinweise haben, berichtete die "Bild" bereits in der vergangenen Woche. Handy- und Kameradaten belegten dies.

Aufgrund des Diebstahls wird derzeit das Sicherheitskonzept für das Dresdner Residenzschloss, in dem sich das Grüne Gewölbe befindet, überprüft. Das Landeskriminalamt Sachsen ist dabei nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen beratend tätig. Zu Einzelheiten des Sicherheitskonzeptes gibt das Museum keine detaillierte Auskunft. Auffällig ist aber, dass mittlerweile Minibusse einer Sicherheitsfirma vor dem Schloss Position bezogen haben. Das Sicherheitspersonal sei zudem aufgestockt worden, teilten die SKD weiter mit. Das Historische Grüne Gewölbe ist nach wie vor für Besucher geschlossen.

6Kommentare
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  • 7
    5
    Auriga
    10.01.2020

    Hätten die Diebe die Schmuckstücke heimlich still und leise durch gute Nachbildungen ausgetauscht … Ich wette, es wäre keinem Besucher je aufgefallen!

    Sollten die Originale nicht alsbald auftauchen, wären gute Nachbildungen die wirtschaftlichste Art der "Wiederbeschaffung". Darüber hinaus sehe ich nicht ein der Steuerverschwendung August des Starken noch mehr Steuergelder hinterherzuwerfen.

  • 15
    14
    Höseldet
    10.01.2020

    Wenn dann wäre ich dafür ... KEIN RÜCKKAUF .... !
    Dazu sollte man die Sachsen befragen.
    Das geforderte Geld sollte man dann für wichtige Dinge investieren.
    Schulen ... Freibäder .. oder was ALLES so am verfallen ist.
    Auf keinem Fall sollte man Diebstahl fördern! Wir bzw die Verantwortlichen können die Schätze eh nicht schützen!
    Dies wurde ja nun schon mehrmals bewiesen! !!

  • 8
    10
    Interessierte
    10.01.2020

    Nun , da ist es doch wieder da , wenn auch wo anders …

  • 13
    14
    ralf66
    10.01.2020

    Habe erst die künstlerische Leitung des Museums Günes Gewölbe so gesehen, daß Sie ja in sicherheitstechnischen Fragen nicht alles wissen können und sich auf die, die dafür das Wissen haben verlassen müssen, aber wenn ich das hier so lese, die haben ja außer ihres anstudierten Fachwissen in Sachen Kunst rund ums Museum, um die Organisation, über Zusammenhänge wer was wo macht fast gar keine Ahnung.

  • 42
    34
    Malleo
    10.01.2020

    Suppenfrosch
    Weil in diesem Land Fachkompetenz, wohin man auch schaut, keine Rolle mehr spielt.
    Mundwerker können es aber nicht.
    Beispiel?
    Glauben Sie ernsthaft, dass eine Punkerin linken Extremismus bekämpft?

  • 40
    2
    Suppenfrosch
    10.01.2020

    Eine rein sachliche Frage, die sich mir stellt -ohne jegliche Wertung! Es verwundert mich nur! Kann ja aber durchaus fachliche, sinnvolle Gründe haben.

    Warum ist eine israelische Firma aus TelAviv mit der Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen betraut? Haben wir hierzulande keine Spezialisten für sowas? Und wieso hat man dann solche weltweiten Spezialisten erst jetzt und nicht schon bei Installation der Anlagen zu Rate gezogen?!



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