Gute Pilzsaison sorgt für starken Anstieg bei Pilzvergiftungen

Die Notrufzentrale in Erfurt meldet für Sachsen einen Rekordwert. Eine Art macht derzeit besonders häufig Probleme.

Chemnitz.

Die außergewöhnlich gute Pilzsaison hat in diesem Herbst zu einem starken Anstieg der Zahl der Pilzvergiftungen geführt. Das Giftinformationszentrum in Erfurt, das für vier ostdeutsche Bundesländer eine Notrufzentrale betreibt, meldet allein für Sachsen in diesem Jahr bereits 221 Fälle. Das ist der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. 50 Personen mussten nach einer Vergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Das sind fünfmal so viele wie im Vorjahr.

Betroffene, die sich beim Giftnotruf melden, klagen meist über Magen-Darm-Beschwerden, wie die Humantoxikologin Dagmar Prasa als Leiterin der Einrichtung berichtet. Es könne aber auch zur Schädigung von Nieren und Leber kommen, etwa durch den stark giftigen Grünen Knollenblätterpilz, bei dem aus Sachsen 2019 bisher drei Fälle von Verzehr bestätigt wurden. Dann erfolge eine Behandlung mit einem Gegengift auf der Intensivstation. Todesfälle gab es bisher nicht.

Die Leiterin des Giftinformationszentrums sagt: "Bei Röhrenpilzen gibt es keine so stark giftigen, deren Verzehr zum Tode führt." Bei Lamellenpilzen sei das anders. "Wenn die im Spiel sind, muss in jedem Fall ein Sachverständiger ran."

Besonders häufig verwechselten Pilzsammler den Wiesenchampignon mit dem giftigen Karbolchampignon. In Erfurt sind dazu bisher 27 Fälle aus Sachsen dokumentiert. Der Chemnitzer Pilzsachverständige Peter Welt bestätigt diesen Trend. Der Karbolchampignon komme eigentlich selten vor, in diesem Jahr sei das anders. "Aus dem Krankenhaus in Chemnitz bekam ich mehrere Anrufe", erzählt er. In zwei Fällen habe sich bei der Analyse der Pilzreste herausgestellt: Die Sammler glaubten, essbare Perlpilze im Korb zu haben. Tatsächlich waren es giftige Pantherpilze. Der Experte meint: "Hände weg von Pilz-Apps!"

Im Erzgebirge ist die Lage anders. Nach Auskunft des Breitenbrunner Pilzberaters Berthold Viehweg wird dort vor allem der Braune Fliegenpilz, der Höhen über 500 Meter bevorzugt, mit dem Perlpilz verwechselt. Im Erzgebirgsklinikum in Annaberg-Buchholz wurden 2019 bisher sieben Patienten wegen einer Pilzvergiftung behandelt. Trotz des guten Pilzjahres sei das aber nicht mehr als sonst, sagt der leitende Notarzt Stefan Spindler. "Die Erzgebirger kennen sich eben aus."

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