Den Abwerbungsversuchen von Sachsens Bob-Star Francesco Friedrich hat er noch widerstanden. Doch jetzt geht Anschieber Georg Fleischhauer trotzdem fremd: Seit Kurzem präsentiert er sich auf OnlyFans.
Im vergangenen Sommer hatten fast alle deutschen Bob-Piloten dem ehemaligen Top-Hürden-Sprinter Georg Fleischhauer Avancen gemacht, allen voran der sächsische Rekord-Weltmeister Francesco Friedrich. Doch Fleischhauer blieb Johannes Lochner treu. Das Ziel war klar: Gold bei den Olympischen Spielen in Italien gewinnen. Am heutigen Dienstagabend könnte dieser Traum wahr werden. Doch vom Erfolg allein kann und will Fleischhauer nicht mehr leben. Um sich seinen Leistungssport auch leisten zu können, geht der gebürtige Halberstädter seit Kurzem neue Wege: Während viele Sportlerinnen die Plattform OnlyFans bereits für sich entdeckt haben und dort ihre Reize zeigen, ist der 1,95-Meter-Mann der erste deutsche Winter-Spitzensportler, der dort seine Haut vermarktet.
Fleischhauer: Ich bin kein Porno-Star
Der 37-jährige Fleischhauer betont aber: „Ich bin kein Porno-Star. Mein Ruf als Sportler ist mir wichtig, und alles, was ich hier teile, bleibt hier.“ Zugleich erklärt er: „Für mich ist die Plattform eine Chance, Einblicke in den harten Alltag eines Spitzensportlers zu gewähren. Mein Körper kann bei Olympia über Hundertstel-Sekunden ausmachen. Das ist maximale Muskelkraft, Sprintleistung und Explosivität.“ Fleischhauer ist seit 2019 im Bobsport aktiv und gilt im Zweier- und im Viererbob als einer der besten Anschieber weltweit.
20 Jahre in den Körper investiert
Auf seinem OnlyFans-Account will Fleischhauer, der nebenbei auch als Wirtschaftsprüfer arbeitet, besonders während Olympia einiges an Content präsentieren. Doch ganz anders, als man es auf der Erotikplattform gewohnt ist. „Der Weg zum Erfolg ist nicht nur körperlich, sondern auch mental so extrem und besteht eben nicht nur aus Hochglanzbildern und Medaillen.“ 19,99 US-Dollar (knapp 17 Euro) verlangt Fleischhauer für einen Monatszugang. „Ich habe 20 Jahre trainiert und in den Körper investiert“, erklärt er. „Ich mache eigentlich keine Übungen, um irgendwie auszusehen, sondern das hat alles eine Funktion.“ Alles gehe nur darum, dass er schnell sei. Dass er aussehe, wie er aussehe, sei eben ein schöner Nebeneffekt.
Lisa Buckwitz: Nur mit der Goldmedaille interessiert sich keiner für mich
Auch Teamkollegin Lisa Buckwitz, die am Montag die olympischen Medaillen im Monobob-Wettbewerb nur knapp verpasst hat, ist seit einiger Zeit auf OnlyFans unterwegs. Es sei „ein bisschen traurig“, sagt die gebürtige Berlinerin, „dass ich nicht einfach nur meinen Leistungssport machen kann“. Sie müsse sich parallel auch vermarkten - selbst nach Olympia-Gold 2018 als damalige Anschieberin. „Klar, ich bin eine Olympiasiegerin. Aber nur mit der Goldmedaille interessiert sich keiner für Lisa Buckwitz. Das ist leider die Schattenseite der Medaille“, sagt Buckwitz in der ZDF-Doku „OnlyBob - Mein Körper. Mein Kapital“.
Spitzensportler zeigen nicht alles
Lisa Buckwitz zeigt gern, was sie hat - nur eben nicht alles. Die Athletin sorgt - mal im Sport-BH, mal im Bikini, mal im knallengen Bobanzug - aber auf der Plattform beständig für Content und kommuniziert auch mit ihren Fans. Diese zahlen schließlich 24,99 US-Dollar pro Monat und erwarten eine gewisse Nähe zur Sportlerin. „Eine Belastung ist es nicht, eher was Positives“, sagt die 31-Jährige. Sie betont aber auch: „Ich werde mich auf keinen Fall nackt zeigen.“
Buckwitz selbst bezeichnet OnlyFans als einen „Glücksfall für mich, da ich so mein Team finanzieren kann“. Die vor einem Jahr begonnene Zusammenarbeit mit der Plattform sei „das Beste, was mir hätte passieren können“. Die Weltmeisterin rechnet vor, dass eine Bob-Saison mit Trainingslager, Flugtickets, Materialaufwand und Prämien für ihre Anschieberinnen rund 50.000 Euro verschlingt. Geld, das sie auch durch ihre Bilder, Videos und Aktivitäten bei der Erotikplattform reinholt. „Für mich ist es ein Sponsor, der mir neben der Bundeswehr den Sport ermöglicht. Also was ganz Normales“, sagt Buckwitz. Doch sie gibt zu, dass das Sexuelle „natürlich ein Thema“ sei.
Auch diese Athleten zeigen nackte Haut
Auch andere Athleten gehen immer öfter den Weg über OnlyFans, um sich den Leistungssport auch leisten zu können: Dazu zählen der dänische Eisschnellläufer Viktor Thorup, US-Rodler Zachary DiGregorio und der Belgier Bart Swings, der 2022 den olympischen Massenstart gewonnen hat. Crowdfunding, Akt-Kalender, Tiktok-Content: Die Gelder von der Sporthilfe, aus öffentlichen Töpfen und von lokalen Sponsoren reichen allein oft nicht aus. Dabei gab es auch schon Kritik: So verteidigte der offen schwule frühere Olympia-Goldmedaillengewinner Matthew Mitcham aus Australien 2023 seine Aktivitäten: „Ich habe viel Zeit und viele Anstrengungen in meinen Body investiert“, erklärte Mitcham damals. „Wenn die Leute das sehen wollen, wäre ich blöd, das umsonst zu präsentieren“
All diese Aktionen seien „absolut legitim“, sagt Biathlet Danilo Riethmüller. Er und die meisten seiner Teamkollegen müssen nicht darauf zurückgreifen, weil es im Biathlonsport vergleichsweise gut dotierte Sponsorenverträge und Prämien gibt. Außerdem sind die meisten bei der Polizei, Bundeswehr oder dem Zoll angestellt. Doch diese Bedingungen haben längst nicht alle Leistungssportler - sie müssen kreativ sein. „Ich stelle da keinen an den Pranger, weil er sich da ein bisschen nackig macht oder irgendwas“, sagt Riethmüller.
Erfurter Eisschnellläufer posieren für Kalender
Haut zeigten auch sechs Eisschnellläufer aus Erfurt. Hendrik Dombek, Max Strübe, Stefan Emele, Felix Maly, Konstantin Götze und Sophie Warmuth standen für den Akt-Kalender „Eis, Eis, Baby 2026“ Modell. Mit einer ähnlichen Aktion hatte das Sextett im Vorjahr etwa 3.500 Euro eingenommen. Damit konnte eine Finanzierungslücke bei den Sportlern geschlossen werden.
Paarläufer Hocke und Kunkel: TikTok-Stars
Die Paarläufer Annika Hocke und Robert Kunkel verdienen sich unter anderem über Social Media etwas dazu, ihr Tiktok-Account hat mehr als 148.000 Follower. „Wir haben für uns eine gute Mittellösung gefunden - teilweise eigenfinanziert, teilweise durch den Verband, teilweise durch Shows und auch Preisgelder“, sagt Kunkel. Seine Eiskunstlauf-Partnerin Hocke erinnert daran, dass das Duo 2023 finanziell gefühlt „im Minus“ gestartet sei und kreative Lösungen unumgänglich seien: „Es ist fast wie ein zusätzlicher Job.“
Crowdfunding rettete Dreifach-Olympiasieger von Allmen die Karriere
Nicht wenige Athleten sind auch schon mit dem Crowdfunding in Berührung gekommen. Dabei wird über das Internet für einen bestimmten Zweck Geld gesammelt. Die Schwarmfinanzierung rettete einst auch die Karriere des Schweizer Ski-Rennfahrers Franjo von Allmen, als dieser im Alter von 17 Jahren durch den Tod seines Vaters auch finanziell getroffen wurde. Fans spendeten so viel Geld, dass von Allmen sich eine weitere Saison finanzieren konnte. (juerg/dpa)





