Corona-Krise bremst Handwerk aus: Sorge um Holzknappheit

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Eigentlich zieht im Frühjahr die Konjunktur an. In diesem Jahr drückt die Corona-Krise auf die Stimmung bei den Handwerksbetrieben in Ostsachsen. Sorgen bereiten zudem rasant gestiegene Holzpreise und Materialknappheit. Forderungen an die Politik werden laut.

Dresden (dpa/sn) - Die Corona-Krise und die wirtschaftlichen Folgen drücken die Stimmung im ostsächsischen Handwerk. «Der sonst in dieser Jahreszeit übliche Aufschwung bleibt in diesem Frühjahr aus», sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Andreas Brzezinski, am Mittwoch bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturanalyse. Betriebsschließungen, Auftrags- und Umsatzrückgänge sowie Materialengpässe hätten quer durch alle Branchen zu einer Eintrübung des Geschäftsklimas geführt. Mit 115 Punkten liegt der Index unter dem Wert der Vorjahre. Für die Konjunkturanalyse wurden 3866 Mitgliedsbetriebe befragt. Von den Auswirkungen der Corona-Krise sind demnach vor allem Friseure, Kosmetiker und Kunsthandwerker betroffen.

Das Bau- und Ausbaugewerbe steht laut Umfrage zwar vergleichsweise gut da - mehr als 90 Prozent der Betriebe klagen allerdings über deutlich gestiegene Preise für Baumaterial wie Holz, Stahl oder Wärmedämmung. Es bestehe die Gefahr, dass die Betriebe ihre kalkulierten Angebote nicht halten können - oder gar kein Material mehr bekämen. Betriebe müssten trotz guter Auftragslage Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, vielen drohe eine wirtschaftliche Schieflage, so Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich. Teilweise lägen die Preissteigerungen, etwa bei Holz, bei über 100 Prozent. Das könne kein kleiner Handwerksbetrieb puffern. «Die Situation ist dramatisch geworden in den letzten Wochen.»

Die Dresdner Handwerkskammer forderte die Politik auf, Zulieferwege zu sichern und die Exportmengen von sächsischem Holz ins Ausland zu überprüfen. «Wir brauchen dieses Holz jetzt in Sachsen», betonte Dittrich. Umwelt- und Wirtschaftsministerium müssten sich für das Thema stark machen, mit der Sägeindustrie ins Gespräch kommen und regionale Wertschöpfungsketten stärken. Man müsse zudem über eine Preisanpassungsklausel im Vergaberecht nachdenken, um bei öffentlichen Aufträgen einen Teil der Preissteigerungen weiterzugeben.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wird das Holz aus dem Staatswald nur in geringer Menge exportiert. Jährlich werden bis zu 1,4 Millionen Kubikmeter vom Staatsbetrieb Sachsenforst geschlagen, in den vergangenen Jahren wurden lediglich zwischen 60 000 und 85 000 Kubikmeter exportiert. Im Vorjahr sank die Menge sogar auf 27 500 Kubimeter. Geliefert wurde den Angaben zufolge vor allem nach Österreich, Polen und Tschechien. Geliefert wird das heimische Holz vor allem in Sägewerke nach Kodersdorf und Torgau.

Die Situation auf dem Rohstoffmarkt sei dramatisch, bestätigte Wirtschaftsminister Martin Dulig. Die gestiegene Nachfrage sei vor allem auf einen Bauboom in Asien und den USA zurückzuführen. Preise für Holz festzulegen, sei allerdings nicht Aufgabe des Staates, betonte der SPD-Politiker. Zugleich wolle er prüfen, ob in ein neues Vergabegesetz eine entsprechende «Stoffpreisgleitklausel» aufgenommen werden könne. Dann könnten Handwerksbetriebe unter bestimmten Bedingungen gestiegene Kosten bei Aufträgen für die öffentliche Hand umlegen.

Insgesamt ist das Handwerk in Ostsachsen nach Einschätzung der Kammer noch weit vom Vorkrisen-Niveau entfernt. «Wir sind noch im Tunnel und müssen das Licht suchen», erklärte Dittrich. Eine Corona-Sonderumfrage von Anfang April habe gezeigt, dass die Krise mittlerweile in jeder Branche des ostsächsischen Handwerks angekommen sei. 84 Prozent der befragten Betriebe gaben an, mit wirtschaftlichen Krisenfolgen zu kämpfen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) berichten von Umsatzeinbrüchen - mehr als doppelt so viele wie noch Anfang Januar in der ersten Corona-Sonderumfrage.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.