Heilmittel Radon: Millionen-Projekt in Bad Brambach

Der Gesundheitsmarkt boomt, auch in Sachsen locken Kurbäder zunehmend Gäste an. Im südlichsten Kurort des Freistaates setzt man auf Radon - und investiert Millionen.

Bad Brambach (dpa/sn) - Der vogtländische Kurort Bad Brambach will sich stärker auf das Edelgas Radon als natürliches Heilmittel spezialisieren - und investiert dafür zehn Millionen Euro. Das Sächsische Staatsbad soll mit seinen fünf Radon-Quellen an die Spitze der Radon-Standorte in Europa kommen, sagte Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU) bei der Vorstellung des geplanten Radon-Therapiezentrums am Freitag in Bad Brambach. Rund 10 000 Radonanwendungen pro Jahr waren bisher in Bad Brambach möglich - in Form von Bädern und Trinkkuren. Nach der Erweiterung 2020 hoffe man auf eine Verdopplung der Kapazität. Nur Bad Brambach und Bad Schlema (Erzgebirgskreis) können von insgesamt 15 sächsischen Kurorten eine Radon-Behandlung anbieten.

Die sächsischen Kurbäder verzeichneten im vergangenen Jahr einen Besucherzuwachs. Investitionen sicherten die Attraktivität am Markt, sagte Helfried Böhme vom Sächsischen Heilbäderverband in Dresden. Mit insgesamt 3,3 Millionen Übernachtungen und 700 000 Ankünften - einer Steigerung von 4,5 Prozent zu 2017 - liegen sie hinter den bekannten Besuchermagneten Dresden und Leipzig. Spitzenreiter bei den Kurorten ist das vogtländische Bad Elster mit 588 000 Übernachtungen, gefolgt von Oberwiesenthal im Erzgebirgskreis mit 560 000. Bad Brambach konnte im letzten Jahr 130 000 Übernachtungen vorweisen.

Kreativität sei gefragt, um mehr privat zahlende Gäste anzulocken, betonte Böhme. In allen Radon-Kurorten in Deutschland und Österreich seien die Behandlungszahlen an Radonbädern gestiegen, erklärte der Verein Europäische Radonheilbäder in Bad Schlema. Aber von Radon als einem neuen Heilmittel-Trend will Kathrin Bösecke-Spapens als Geschäftsführerin der Kurgesellschaft in Bad Schlema nicht sprechen: «Es wird bei uns seit über hundert Jahren angewendet. Aber wir erleben einen Trend hin zu natürlichen Heilmitteln.» Auch Bad Schlema plane eine umfassende Modernisierung seines Radon-Angebotes, voraussichtlich ab nächstem Jahr - mit neuen Wannen und Therapiebecken.

Laut Böhme habe die positive Resonanz vieler Kurgäste jahrelange Vorbehalte gegen Radon leiser werden lassen. Das radioaktive Edelgas wird über Quellen gewonnen und für die Heilbehandlungen weiter aufbereitet. Angewendet wird es hauptsächlich in der Schmerztherapie. Laut Gernot Ressler, Geschäftsführer der Sächsischen Staatsbäder, stünden den 30 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland mit Radon ein wirksames, wissenschaftlich bewiesenes, natürliches Heilmittel zur Verfügung.

Böhme betonte den Wandel im Kurbetrieb: «Die Zahl der ambulanten, von Krankenkassen getragenen Kuren nehmen ständig ab. Sie waren das Hauptstandbein der Kurorte - mittlerweile kann keiner allein durch sie überleben.» Der Wellness-Markt mit privat zahlenden Gästen hingegen wachse. Ein Beispiel dafür sei auch die neu eröffnete Kältekammer im Heilbad Warmbad (Erzgebirgskreis).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...