Im Osten leben nur noch so viele Menschen wie schon im Jahr 1905

Bei der Bevölkerungsentwicklung driften West- und Ostdeutschland trotz der Wiedervereinigung immer stärker auseinander - mit ungeahnten Folgen, wie eine Studie offenbart.

Dresden.

Im Jahr 1905 lebten in Ostdeutschland 13,6 Millionen Menschen - und damit in etwa genauso viele wie heute. Zugleich ist die Anzahl der Einwohner auf westdeutschem Gebiet auf 68 Millionen angestiegen und damit so hoch wie nie zuvor. Anfang des Jahrhunderts waren es noch 32,6 Millionen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Dresdner Niederlassung des Münchner Ifo-Instituts hervor.

Hauptursache für diese unterschiedliche Entwicklung ist demnach die deutsche Teilung. Von 1949 bis zum Mauerbau 1961 hätten zahlreiche gut ausgebildete Menschen den Osten verlassen, so das Ifo-Institut. In der DDR stagnierten dann die Einwohnerzahlen, während der Westen auch durch Zuwanderung dazugewann. Der nächste große Einschnitt im Osten folgte schließlich durch die Abwanderung nach 1989.

Insbesondere der ländliche Raum im Osten sei infolge der deutschen Teilung "regelrecht ausgeblutet", sagte Studienautor Felix Rösel. In einigen Regionen habe die Bevölkerungszahl inzwischen den Stand von Mitte des 19. Jahrhunderts erreicht. Diese Entwicklung werde aber häufig übersehen. Dabei könne sie möglicherweise ursächlich sein für die steigende Unzufriedenheit im Osten und die sich dort verändernde politische Landschaft - trotz der gegenwärtig niedrigen Arbeitslosenzahlen und trotz des Anstiegs der Einkommen. Es wäre daher auch falsch, öffentliche Fördermittel vor allem an die Großstädte zu überweisen, wie es der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle kürzlich gefordert hatte. "Wir brauchen genau das Gegenteil", erklärte Rösel.

Die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft warnt ebenfalls vor einer Abkehr der Förderung des ländlichen Raumes. Schließlich seien vier von fünf Industriebetrieben in den Landkreisen ansässig, so Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner. Nötig sei dort deshalb der Ausbau der Infrastruktur. Dazu gehörten unter anderem flächendeckend schnelles Internet, wohnortnahe Kindergärten und Schulen, ein leistungsfähiger ÖPNV und eine gute Bahn- und Autobahnanbindung.

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6Kommentare
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  • 1
    0
    Malleo
    15.06.2019

    black…
    Ich fasse es nicht, Sie denken mit!

  • 3
    1
    Blackadder
    15.06.2019

    @Malleo: Und mehr Platz für Wölfe.

  • 2
    1
    Malleo
    15.06.2019

    Gewinnen wir diesem "weniger" auch einmal etwas Positives ab.
    Weniger Menschen heißt auch weniger CO2 Emission!

  • 1
    2
    alibaba75
    15.06.2019

    Habe schon lange keinen derartig verbogenen Kommentar zur Entwicklung zwischen "Ost und West" gelesen. Bezeichnend sind schon Auftraggeber und Ausführende dieser "Info-Kampagne". Hier wird ein Bild gemalt, was schon an der Statistik krankt. Die wahren Zusammenhänge, die Rolle der Treuhand bei der Zerstörung der ostdeutschen Wirtschaft, beginnend mit der Ermordung von Detlef Karsten Rohwedder, ein Fall, der bis heute ungeklärt ist, werden geflissentlich verschwiegen.
    Wenn hier keiner noch was zu diesem Thema sagt, dann liegt das an der aufsteigenden Übelkeit in dieser Frage.

  • 3
    2
    OlafF
    13.06.2019

    Es gibt bereits genug, welche alles schlecht reden, die Ursachen auf politische Entwicklungen und Veränderungen schieben, auf Lösungen von oben hoffen und völlig blauäugig den goldenen Westen als Heiland verehren. Dabei gibt es dort auch Probleme: Wohnungsnot, steigende Grundstückspreise und Fachkräftemangel , vor allen Dingen in sozialen Berufen sind einige von ihnen.

    Jahrelang gab es kaum Jobs, geschweige denn Ausbildungsplätze im Osten, wo gingen diese hin? Nun sind die menschlichen Ressourcen aufgebraucht, zu viele sind dort geblieben.
    Der Westen der Republik konnte bisher seine Löcher stopfen. Auf wessen Kosten? Aber in den Köpfen steckt noch immer das alte Denken:
    Unbegrenztes Wachstum = Wohlstand - Falsch! Wohlstand= Lebensqualität!
    Dennoch der Stagnation auf dem Land steht eine unheimlich spannende Entwicklung in den Ballungsräumen gegenüber. Leuchttürme wie Leipzig und DD machen es vor und selbst in Chemnitz steckt viel Potenzial, nicht unbedingt als Stadt mit den meisten Altersheimen, aber bei Wissenschaft und Innovation zum Start in das Zeitalter der KI . Die ländlichen Regionen dürfen dabei nicht gänzlich außen vor gelassen werden. Ökologische Landwirtschaft, sanfter Tourismus und eine dezentrale Energiewirtschaft möglichst ohne "Verspargelung" der Landschaft können den Rückgang der Bevölkerung zumindest verlangsamen. Rekultivierung von Tagebaulandschaften und Vergrößerung des Naturraumes für Schutzgebiete sind auch Lebensqualität.

  • 5
    4
    cn3boj00
    13.06.2019

    Der Westen hat 7 Mio dazugewonnen, der Osten 3 Mio verloren. Die Zahlen sprechen für sich. Nimmt man nun noch die Statistik der Altersentwicklung, sieht man: es sind die jungen Menschen, die weggehen. Nun wäre es mal an der zeit, sich Gedanken zu machen, wie man den Osten vor allem für junge Menschen attraktiv machen kann. Doch die Politiker hier haben wichtigere Themen, z.B. den Wolf, ein lebenswichtiges Thema für 5 Schafe. Ich kenne auch 2 Jugendliche, die Sachsen zur Ausbilödung den Rücken kehren. Und in fast allen Familien meiner Freunde und Bekannten sind Jugendliche gegangen, sogar ins Ausland, und haben Familien irgendwo anders gegründet. Woran das liegt, weiß ich nicht. Rentenerhöhungen jedenfalls lockn keine jungen Leute an. Ich habe gefragt, die Antworten sind nicht sehr konkret, aber der Tenor ist: Es gefällt uns hier nicht. Da sind die Ausbildungsgehälter, die sich dann auch später fortsetzen. In manchen Regionen sind sie doppelt so hoch wie hier, und trotzdem jammern die Ostbetriebe, wenn man einen Mindestlohn für Azubis diskutiert. Jungendliche merken diese Stimmung. Die Infrastruktur ist schlecht, etwa was Radwege betrifft, und die Politiker reden, aber tun nichts. Bis etwas passiert sind die jungen Leute alt. Für das Breitbandinternet gilt das gleiche. Überhaupt fehlt es an Dynamik, dass nur geredet wird ohne die Ärmel hochzukrempeln merken sie auch. Der Solidarzuschlag wurde nicht in Zukunft investiert, und nun soll er abgeschafft werden. Die Stimmung wird von der Generation 50+ bestimmt. Viele junge Leute haben ein Problem mit dem Altparteienmief, aber so etwas wie ein grüner Aufschwung fehlt und wird von den älteren madig gemacht. Ein Teil der Jugend wendet sich daher auch rechtem Gedankengut zu, man merkt es an den sozialen Medien, wo rechte Stimmungsmache schon an Schulen anfängt. Und viele sind davon genervt, doch es fehlt an Alternativen. Auf Volksfesten spielt Alte-Männer-Musik, das Kulturangebot für Jugendliche ist bescheiden. Lediglich in den Großstädten ist "noch etwas los", aber mangels Infrastruktur für die Jugend vom Land meist nicht erreichbar. Und man komme jetzt nicht damit, dass die Jugendlichen eben einfach null Bock hätten. FFF hat gezeigt, dass auch hier Jugend motovierbar ist. Doch auch da haben die Alten ihre Ablehnung raushängen lassen und übers Schulschwänzen statt über das eigentliche Problem diskutiert. Das alles mag zwar keine vollständige Erklärung sein, aber es gibt wohl ein Stimmungsbild wieder, welches in "weg hier" gipfelt.



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