In Sachsens Kliniken werden wichtige Medikamente knapp

Vor allem bei Krebsmitteln und Antibiotika gibt es Engpässe. Doch wie reagieren die Krankenhäuser auf die Lieferprobleme?

Berlin/Chemnitz.

Moderne Arzneimittel ermöglichen eine immer erfolgreichere Behandlung von Krebs oder schweren Infektionen. Doch es gibt ein Problem: In den Krankenhäusern sind Medikamente oft nicht verfügbar. Eine Studie der AOK Baden-Württemberg über die Arzneimittelversorgung durch Krankenhausapotheken zeigt Engpässe bei 280 verschiedenen Wirkstoffen, 30 davon werden als besonders kritisch eingestuft. Die Untersuchung wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Sie belegt, dass die Versorgungslage mit wichtigen Arzneimitteln wesentlich angespannter ist als bislang vermutet. Betroffen sind Arzneimittel, die nur für Kliniken hergestellt werden, darunter Antibiotika, Krebsmedikamente und Narkosemittel.

Rudolf Bernard vom Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker findet deutliche Worte: "Es fehlen für die klinische Versorgung wichtigste Arzneimittel, es wird von den Verantwortlichen nicht transparent gemacht und das Ganze hat keinerlei Konsequenz für die Hersteller." Damit spielt Bernard auf den Umstand an, dass die Hersteller lediglich bei acht der betroffenen 30 Wirkstoffe den Mangel an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet hätten.

Professor Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, unterstützt den Apotheker-Protest. "Die Zahlen verdeutlichen, dass die Arzneimittelhersteller das Prinzip der Freiwilligkeit bei der Meldung von Versorgungsengpässen ausnutzen, um ihre Lieferfähigkeit zu beschönigen."

Die Folgen bekommen auch Krankenhäuser in Sachsen zu spüren. "Es ist für uns ein täglicher Kampf, um die Behandlung unserer Patienten sicherzustellen", so eine Sprecherin der Klinikapotheke der Uniklinik Dresden. Als sehr brisant bezeichnet sie vor allem die Versorgung mit Krebsmedikamenten und Reserveantibiotika. Gerade die Behandlung mit Reserveantibiotika sei lebenswichtig, weil Patienten auf die gängigen Mittel nicht mehr ansprechen. Wegen nicht vorhandener Krebsmedikamente mussten in Dresden auch schon Behandlungen verschoben werden.

Die Zentralapotheke des Klinikums Chemnitz hat bereits auf die Lieferprobleme reagiert: "Wir haben unsere Lagerbestände erhöht. Statt wie gesetzlich gefordert für nur zwei Wochen, haben wir für vier bis sechs Wochen Medikamente vorrätig", sagte die Leiterin Katrin Oelmann. Das verursache erhebliche Kosten für die Klinik, die keine Krankenkasse gegenfinanziere. "Es ist eine Entscheidung für unsere Patienten", sagt sie. Zudem sei der Personalbedarf höher, wenn täglich nach Medikamenten telefoniert werden müsse. Auch die belasteten die Klinik.

Die Ursache für diese Versorgungsprobleme sieht die Krankenhausapothekerin einerseits im enormen Preisdruck auf die Hersteller: "Die Firmen in Europa wollen die Wirkstoffe immer günstiger einkaufen. Oft versorgt ein Hersteller in Indien oder China die ganze Welt. Havarien haben dann gravierende Folgen." Andererseits gebe es bei den Pharmaherstellern keine Lagerhaltung mehr, um Kosten zu sparen.

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, sieht dringenden Handlungsbedarf der Politik. Der erste Schritt sei eine Meldepflicht der Hersteller über Lieferengpässe. Das soll noch in dieser Woche beschlossen werden. Doch die Versorgungsprobleme löse diese Festlegung nicht, weiß auch er.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    Tohuwabohu
    09.03.2017

    "...dringender Handlungsbedarf in der Politik..." Haahaaahaaaa!!! Der war gut!



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