Institut: Ostdeutschland braucht mehr Zuwanderer

Dresden (dpa) - Ostdeutschland braucht aus Sicht des Ökonomen Joachim Ragnitz mehr Zuwanderer aus Drittstaaten, um wirtschaftlich aufzuholen. «In einzelnen ostdeutschen Regionen wird die Zahl der Erwerbsfähigen bis 2030 um rund ein Drittel zurückgehen», sagte der Vize-Chef des ifo-Institutes Dresden am Donnerstag. Rückkehrer aus dem Westen könnten die Lücke nicht schließen. Auch das Potenzial von Arbeitskräften aus anderen EU-Ländern sei beschränkt.

«Wenn die Stellen nicht besetzt werden, sind negative Wachstumswirkungen zu erwarten», sagte Ragnitz. «Da das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz nun verabschiedet ist, sind die rechtlichen Hindernisse für eine gezielte Anwerbung von gut qualifizierten Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern beseitigt.»

Nun sei es nötig, aktiv um Zuwanderer zu werben. Die für den Osten typischen kleinen und mittleren Unternehmen könnten aber kaum eine eigenständige Suche im Ausland unternehmen: «Sie brauchen staatliche Unterstützung, um gezielt Arbeitskräfte anzuwerben.»

Um die Attraktivität der ostdeutschen Länder für ausländische Arbeitnehmer zu steigern, müssten die Löhne steigen und die allgemeine Infrastruktur verbessert werden», erklärte Ragnitz weiter: «Wichtig wäre es auch, die Bereitschaft der Unternehmen zu erhöhen, Fachkräfte aus anderen Ländern zu beschäftigen, was im Moment oft an Vorbehalten in der ostdeutschen Bevölkerung scheitert.»

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
12Kommentare
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    Nixnuzz
    15.06.2019

    Vor mehr als 100 Jahren haben die Stahlbarone des Ruhrgebietes ihre polnischen Arbeiter aufgefordert, polnisch-sprechende Gewerkschaften zwecks Verhandlungspartnerschaft zu bilden. Diese Gewerkschaften als auch die Fabriken gibt es nicht mehr - aber die Ur-Enkel der damaligen eingewanderten Arbeitssuchenden. Die Not in Polen war der Wanderungs-Impuls - für ein besseres Leben! Also warum dürfen Neu-Bundesbürger sich nicht für ein besseres Leben räumlich umorientieren? Unser "Ausfluß" in andere Staaten weltweit findet ja auch aus den alten "Besatzungsländern" statt - auch weil ein besseres - freieres - Leben erhofft/erwartet wird!

  • 2
    2
    ralf66
    15.06.2019

    @WolfgangPetry, komischerweise haben die vielen jungen tschechischen, slowakischen, russischen Ärzte, die in den sächsischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen arbeiten keinen Problem mit einem Rechtsruck, den Sie hier beklagen, die arbeiten nämlich hier, weil sie noch und auf dem noch liegt die Betonung besser verdienen, wie in ihren Herkunftsländern.
    Die jungen deutschen Ärzte, gehen nicht nur aus Sachsen sondern auch aus NRW, nämlich aus ganz Deutschland weg, wegen den allgemeinen schlechten Arbeitsbedingungen und Löhnen, nicht wegen des Rechtsruckes und wenn die Löhne in Tschechien zum Beispiel weiter steigen, sind diese Ärzte, bei den Industriearbeitern und Handwerkern fängt dieser Trend schon an, auch bald wieder weg. Der Personalmangel, der bei den Arbeitsplätzen immer mehr entstehen wird, ist mit den zu geringen Geburtenzahlen seit 1970 zu begründen und mit den Pendlern, die von Sachsen massenweise wegen besserer Löhne in den Westen arbeiten gehen. Um den Spargel brauchen Sie sich keine Gedanken zumachen, der wurde schon viele Jahre lang zum überwiegenden Teil von ausländischen Gastarbeitern, die wenig verdient haben geerntet und dann sehr teuer an den Endverbraucher verkauft. Die Anspielung auf den Nationalstolz finde ich unpassend, denn den haben viele Menschen in allen anderen Ländern der Erde auch.

  • 5
    4
    WolfgangPetry
    14.06.2019

    Es hilft alles nichts. Erst wenn die letzte Ärztin vor dem Rechtsruck in die alten Bundesländer geflohen ist, das letzte Altenheim aus Personalmangel geschlossen ist, niemand mehr da ist der Krankenwagen fährt, Kinder hütet, Spargel erntet oder
    Äpfel, dann werdet ihr merken, dass man Nationalstolz nicht essen kann.

  • 7
    0
    sunhiller
    14.06.2019

    "Um die Attraktivität der ostdeutschen Länder für ausländische Arbeitnehmer zu steigern, müssten die Löhne steigen....."
    Ja das ist richtig, nur brauche ich dann keine ausländischen Arbeitskräfte mehr, da dann ja viele sächsische Pendler wieder in Sachsen arbeiten würden !
    Aber da ist ja wieder das Problem mit den ostdeutschen Arbeitgebern, Jammern auf höchstem Niveau !

  • 7
    1
    Zeitungss
    14.06.2019

    @ralf66: Auch von mir grün!

  • 8
    4
    ralf66
    14.06.2019

    @Maleo, bin ganz bei Ihnen und möchte gerne dazu ein Beispiel bringen, es wird leider lang, aber es geht nicht kürzer. Wir hatten in Deutschland so ca. vor 6-15 Jahren in dieser Zeitspanne etwa, ständig eine Diskussion in den Medien, auch angeheizt durch die Ergebnisse der Pisa-Studien, dass einheimische Schulabgänger und deren Wissen oftmals nicht den Anforderungen der berufsausbildenden Unternehmen genügen würden, man hatte fast schon übertrieben gesagt den Eindruck, die Schulen produzieren nur noch Analphabeten. Als im Verlauf der Flüchtlingskrise 2015 viele Menschen zu uns kamen, wurden sogar Ökonomen wie der ehemalige Chef des ifo-Institutes Prof. Dr. Werner Sinn äußerst skeptisch und haben durch Studien eindeutig nachgewiesen, dass diese Menschen die da zu uns kommen, zum sehr großen Teil nach ihrer Bildung nicht den Anforderungen des Industriestandortes Deutschland genügen würden, sie erst kostspielig ausgebildet werden müssten, mit zu geringen Erfolgschancen auf dem hochindustrialisierten deutschen Arbeitsmarkt eingesetzt zu werden und wenn doch, dann nur im Billiglohnsektor, wo sie in Konkurrenz mit den vielen einheimischen Arbeitskräften treten würden, durch die Billiglöhne und den zu späten Eintritt in das Arbeitsleben, sie müssen ja erst einige Jahre Schul- und Berufsausbildung absolvieren, würden diese 2015 eingewanderten Menschen zu wenig Steuern erwirtschaften, um den Sozialstaat zu stützen, um sich selber die nötigen Ansprüche auf Rente und den anderen Sozialleistungen im ausreichenden Maße zu erwirtschaften, zu verdienen und zu sichern, die vielen Menschen die hingegen gar keine Arbeit bekommen würden, eben wegen fehlender Ausbildung, würden dauerhafte Nutzer des Sozialstaates werden, kurz, Sinn sah in dieser Einwanderung keinen Nutzen für das Land und hatte in seinen Vorträgen eher Nachteile herausgestellt und davor gewarnt, diese Einwanderung so fortzuführen. Jetzt kommt der Widerspruch, hochrangige Vertreter der deutschen Industrie und des Handwerkes, die Jahre zuvor die angeblich zu mangelhafte Ausbildung der deutschen Schulabgänger kritisiert hatten, sie wären zu wenig gebildet auf dem deutschen Arbeitsmarkt richtig Fuß zu fassen, waren jetzt ganz nach der Kanzlerin Proklamation der Ansicht, diese 2015 in der Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommenen Menschen, wären ein Gewinn für den Industriestandort Deutschland. Was soll man dazu sagen??? Jetzt zu @Distelblüte, eine Fachkräfteeinwanderung oder eine Einwanderung nach wirtschaftlichen Bedarf findet in Deutschland seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr statt, es wurden in Deutschland seit dieser Zeit meistens immer wieder Ausländer aus humanitären-politischen Gründen aufgenommen, die oft es nicht geschafft haben, den deutschen Arbeitsmarkt zu bereichern, die Sozialsysteme zu stützen, sich im Land zu integrieren, sonder mussten immer wieder aus den sozialen Systemen versorgt werden, da wird auch die Flüchtlingszuwanderung ab dem Jahr 2015 keine Ausnahme machen. Vollständige Integration in jeder Hinsicht ist aber wichtig, dass alle im Land davon profitieren, nämlich die die da sind und die die kommen. Ich glaube auch, wenn wir die Einwanderungspolitik der Länder USA, Kanada, Australien, Schweiz sogar vom kleine Land Tschechien übernehmen würden, wo man nach einem halben Jahr nachweisen muss, ohne staatliche Hilfe selbständig seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, um bleiben zu dürfen, hätten wir das erreicht, was dem Land Deutschland und den Migranten dienen würde, alles andere ist Unsinn!

  • 6
    1
    Malleo
    14.06.2019

    Einspruch
    Richtig.
    Pendler aus dem abgehängten Osten fahren und arbeiten im Westen, bauen Eigenheime, montieren Brücken für die Infrastruktur, stellen fest, dass 80% der Arbeiter pendeln, hören sich abfällige Bemerkungen der Auftraggeber an und freuen sich auf das Wiedersehen mit der Familie.
    Erfunden?
    Nein, ein rein zufälliges Gespräch auf dem Neiße- Radweg mit einem Monteur aus Forst, der mit seinem Jungen auch mal gemeinsame Zeit verbringen konnte!!

  • 6
    1
    Einspruch
    13.06.2019

    @Distelblüte: Die Autobahnen sind zu Wochenanfang und zum Wochenende hin verstopft, durch Pendler. Die fahren nicht aus Spaß. Und die sind Qualifiziert, meist mehr als ein Beruf. Diese Institute kommen regelmäßig mit dem Mangel an Fachkräften und verschweigen die näheren Umstände. Die bis jetzt drei Roten dürfen gerne mal praktische Erfahrungen beim Pendeln und mit vielen sogenannten Fachkräften auf großen Baustellen sammeln, dann wüssten die Bescheid.

  • 4
    7
    Malleo
    13.06.2019

    distel..
    Dann bauen Sie(!) mit drei "Fachkräften", allesamt der deutschen Sprache nicht mächtig und Analphabeten dazu bei einer Familie in deren Haus eine Heizung ein.
    Sie sind nicht von dieser Welt.
    Bei Ihnen ist eine techniche Zeichnung auch ein Schnittmusterbogen.
    Ihren Beruf würde ich ganz gern mal wissen!

  • 5
    4
    Einspruch
    13.06.2019

    Erstens sollte es wohl heißen, dass mehr billige Fachkräfte gesucht werden. Zweitens ist der Begriff Fachkräfte in vielen Fällen nicht zutreffend.

  • 4
    8
    Distelblüte
    13.06.2019

    «Wichtig wäre es auch, die Bereitschaft der Unternehmen zu erhöhen, Fachkräfte aus anderen Ländern zu beschäftigen, was im Moment oft an Vorbehalten in der ostdeutschen Bevölkerung scheitert.»
    Ähnliches las ich in einem Bericht aus Bautzen; ein Unternehmer würde gerne Migranten einstellen, aber "dann verliere ich Kunden, die keine Migranten hier wollen".

    Keine weiteren Fragen.

  • 7
    4
    BlackSheep
    13.06.2019

    Die Jugend von hier wurde in den Westen gezogen und jetzt sollen es Zuwanderer richten? Zu geringer Ausländeranteil hier oder was?



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