Jeder dritte Schulanfänger hat Probleme beim Sprechen

Eine Initiative der Landesregierung soll nun Abhilfe schaffen. Jedoch haben viele angehende Erstklässler noch mit weiteren Hindernissen zu kämpfen.

Jeder dritte Schulanfänger hat Probleme beim Sprechen

Von Joseph Wenzel

Es sind alarmierende Zahlen kurz vor Beginn des neuen Schuljahres: Weniger als ein Fünftel aller Schulanfänger in Sachsen ist altersgerecht entwickelt. Zu diesem Schluss kommt das sächsische Sozialministerium nach der Auswertung der Ergebnisse der jährlichen Einschulungsuntersuchung unter den angehenden Erstklässlern.

Besonders große Defizite gibt es unter den Fünf- bis Siebenjährigen demnach in der Sprachentwicklung und beim Sprechen. 34 Prozent der Kinder besitzen einen unterentwickelten Wortschatz oder können sich nur unzureichend artikulieren. Jungen (38 Prozent) sind laut der Statistik des Sozialministeriums häufiger betroffen als Mädchen (30Prozent). Als Negativbeispiele sticht der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit knapp 43 Prozent hervor, wohingegen im Vogtlandkreis mit rund 28 Prozent die wenigsten Erstklässler von Sprachstörungen betroffen sind.

Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sieht die Ursache für die Defizite bei den Eltern. Viel zu oft würden die Kinder vor den Fernseher gesetzt oder mit dem Smartphone beschäftigt, beklagt Kahl. Die Folgen seien für die weitere Entwicklung der Kinder und ihr Fortkommen in der Schule schwerwiegend. Schüler, die aufgrund von Sprachproblemen den Anschluss im Unterricht verlieren, würden oftmals mit Angst reagieren oder eine erhöhte Aggressionsbereitschaft entwickeln.

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) appelliert deshalb an die Eltern, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen und "ein gutes Sprachvorbild zu sein". Um die sprachliche Entwicklung von Kindern in den Tageseinrichtungen besser zu fördern, sollen Sachsens Kita-Fachkräfte künftig Verstärkung erhalten, kündigt zudem Kultusminister Christian Piwarz (CDU) an. Zur Unterstützung der Erzieherinnen sollen noch im August 16 Fachberaterinnen durch das Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung geschult werden.

Kritik an der Landesregierungs-Initiative kommt indes von der Opposition im Sächsischen Landtag. So fordert die bildungspolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Cornelia Falken, die Gruppengröße in den Kitas zu reduzieren, damit dem einzelnen Kind mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden kann. Die Gruppen in der Kinderkrippe sollen demnach lediglich drei, im Kindergarten sieben Kinder umfassen.

"Die Rückstände in der frühkindlichen Entwicklung unserer Kinder allein mit einem Appell an die Eltern abzutun, ist wenig hilfreich", sagt auch die stellvertretende Landesvorsitzende der FDP, Anja Jonas. Stattdessen fordert sie einen Sprachtest für Vierjährige, um frühzeitig Defizite erkennen zu können.

Jedoch sind es nicht nur Sprachprobleme, die vielen Kindern den Schulstart erschweren. Mehr als jedes fünfte Kind hat Probleme mit der Visuomotorik, also dem Zusammenhang von Bewegung und Wahrnehmung. Darunter fällt auch die für das Schreiben wichtige Auge-Hand-Koordination. Aus den Ergebnissen der Untersuchung geht ebenfalls hervor, dass jeder fünfte angehende Erstklässler schlecht sieht, jeder vierte nur über unzureichende Zahlenkenntnisse verfügt und jeder zehnte stark übergewichtig ist. Sozialministerin Klepsch fordert deshalb, eine gesunde Ernährung sowie Spiel und Sport wieder in den Fokus des Alltags der Kinder zu rücken.

6Kommentare
👍1👎0 aussaugerges 10.08.2018 Ich kann nur sagen unsere Kinder und Mitschüler hatten keine Probleme.
Im Kindergarten hat doch heute bei dem Mangel keiner mehr Zeit.
Deswegen hatte der Westen so ein Intresse an den Facharbeitern.
👍6👎0 vomdorf 09.08.2018 In der bösen DDR hatten die Kinder in der vierten Klasse 14 ( in Worten: vierzehn )
Stunden Deutsch (einschl. Heimatkunde), heute 10 Stunden ( 7/D, 3/SU) und ab kommendem Schuljahr nur noch 6 Stunden Deutsch.... nur mal als ein Beispiel.
Insgesamt hatten Kinder der vierten Klasse 29 Stunden, heute 26.

Wie war das doch gleich? Ich halte sie dumm, Du hälst sie arm.....
👍3👎1 voigtsberger 09.08.2018 Natürlich ist es auch der Digitalisierung geschuldet, doch am Ende sind die Eltern " des Glückes Schmied" ihrer Kinder.
Aber man kann nicht alles auf die Digitalisierung des Lebens schieben, denn wenn ich in meinen Umfeld sehe, wie Kinder im Vorschulalter von Spätaussiedlern der Zweiten und Dritten Generation, fast nur russisch sprechen und verstehen, da frag ich mich was werden wir da noch alles für Probleme in den Schulen bekommen, wenn die von den Toleranten integrierten Gäste ihre Kinder in die Schule schicken und wie weit sind diese Kinder dann für ein Leben in unserer Gesellschaft sozialisiert, wenn die Kitas von vielen Muslimen gemieden werden?
👍6👎0 Steuerzahler 09.08.2018 Mit Ausfallstunden werden die Defizite mit Sicherheit nicht behoben und mit weniger Sportunterricht werden die Probleme auch nicht besser. Noch schlimmer ist, wie die Anforderungen den Unzulänglichkeiten angepasst werden. Im Endeffekt ist Industrie und Handwerk allein gelassen, weil sie keine fähigen Lehrlinge bekommen, die es noch dazu gelernt haben, kontinuierlich und konzentriert zu arbeiten und dabei Qualität zu liefern. Ein Blick in heutige Schulhefte spricht Bände! Früher gab es Form-Noten, und das nicht ohne Grund!
👍10👎0 kartracer 09.08.2018 Die Werte dieser Gesellschaft werden der Strafe nicht entgehen, die von Ignoranz und Dummheit hervorgerufen wird! Welche (hauptsächlich) Mütter beschäftigen sich noch mit ihrem Nachwuchs, wenn sie den Kinderwagen vor sich herschieben, ohne dem Inhalt Beachtung zu schenken, das Handy ist doch so unabkömmlich.Wenn die Kids dann etwas älter sind wird das nicht anders, denn die Spielekonsole ersetzt dann den achtlosen Kinderwagen!
Was wird denn von einer sochen Entwicklung bitte erwartet, das stumme Professoren, mit eckigen Augen, daraus hervorgehen???
Dummheit wurde eigentlich schon immer bestraft, aber dazu muß man erst mal den Begriff "Dummheit" verstehen, denn selbst das Schreiben würde man ja gerne abschaffen.
👍12👎1 interessierterleser 09.08.2018 Willkommen in der Smartphone-Generation. Viel Tippen, wenig Sprechen
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