Jetzt soll Merkel die Fichtelbergwarte retten

In einem offenen Brief wird die Bundeskanzlerin gebeten, die Sparpläne des Deutschen Wetterdienstes zu stoppen. Überzeugen die Argumente?

Oberwiesenthal.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gerade ein Einschreiben aus Breitenbrunn im Erzgebirge erhalten. Unterzeichnet haben den offenen Brief sieben Grünen-Politiker sowie drei namhafte Meteorologen und Klimaforscher. Sie treibt die Sorge um, dass die Sparpläne des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu erheblichen Qualitätsverlusten in den langjährigen Beobachtungsreihen führen. Der DWD will bis 2020/21 alle meteorologischen Stationen in Deutschland auf automatischen Betrieb umstellen. Bis Ende 2018 sollen auch die sechs Meteorologen der Wetterwarte auf dem Fichtelberg ihre Arbeitsplätze räumen. Damit würden sämtliche Augenbeobachtungen zum Beispiel zu Wolkenart, Sichtweiten, Niederschlagsart, aber auch die manuelle Datenerfassung eingestellt.

Die Briefunterzeichner bitten Merkel zu veranlassen, dass zumindest die zwölf Klimareferenzstationen in Deutschland in ihrem Fortbestand gesichert werden, damit sie durch geschulte Fachkräfte weiterhin zuverlässige Wetterdaten liefern können. "Um den Klimawandel eindeutig dokumentieren zu können, brauchen wir lange, homogene Messreihen, die gerade auch Bergstationen wie der Fichtelberg oder Brocken liefern können", heißt es in dem Schreiben. "Wir plädieren deshalb dafür, die jüngste Messnetzkonzeption des DWD zu überdenken. Alles andere würde auch die weit über 100-jährige exakte und mühevolle Arbeit aller Wetterbeobachter ad absurdum führen. Ihnen ist es zu verdanken, dass wir die umfangreichen klimatischen Veränderungen vom Ende der sogenannten kleinen Eiszeit in unsere jetzige Warmphase nachvollziehen können." Man sollte alles daran setzen, diesen einmaligen wissenschaftlichen Schatz für spätere Generationen fortzuschreiben, fordern die Absender.

Dass vollautomatisierte Messstationen fehlerhafte Daten liefern, zeigte sich an frühen Märztagen dieses Jahres. Da maß die Station in Carlsfeld im Erzgebirge eine Schneehöhe von Null Zentimetern, obwohl die Webcam des Ortes eine geschlossene Schneedecke mit zahlreichen Wintersportlern zeigte. Der Große Arber im Bayerischen Wald vermeldete letzten Winter keine Schneehöhen, vermutlich wegen Geräteausfalls. In Zinnwald konnte der automatische Schneemesser nach einer Schneehöhe von unglaubwürdigen über zwei Metern am Folgetag nur noch 37 Zentimeter vermelden, obwohl es kein Tauwetter gab.

Zu den Unterzeichnern gehört auch Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Mitbegründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Er sieht in Zukunft erhebliche Qualitätsverluste in den Wetterbeobachtungsreihen mit gravierenden Folgen für die Dokumentation des Klimawandels. Der Meteorologe Donald Bäcker, ebenfalls Mitverfasser des Briefes, wirft den Entscheidern beim DWD vor, "keine Ahnung von konkreter Datenerfassung" zu haben. "Sie bevorzugen die Homogenisierung der Messreihen, wo nach Belieben Werte ergänzt und der Trend in die gewünschte Richtung gebracht werden kann."

Bereits im Juni erreichte den Petitionsausschuss des Bundestages eine Eingabe mit 6500 Unterschriften aus dem Erzgebirge. Darin fordern die Unterzeichner den personellen Weiterbetrieb der Wetterwarte auf dem Dach Sachsens.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Freigeist14
    25.08.2017

    Vielleicht macht die Kanzlerin einen "Gipfel" auf dem Gipfel.



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