Karneval in Sachsen: Keine Lust auf Weltpolitik

Zehntausende Sachsen feiern am Wochenende auf unterschiedliche Art Fasching. Die Sicherheit spielt eine große Rolle.

Chemnitz.

Am Wochenende erreicht das närrische Treiben im Freistaat seinen Höhepunkt. Trotz medial dauerpräsentem US-Präsident Donald Trump und der Flüchtlingsthematik ist "der Karneval in Sachsen nicht politischer als sonst", sagt Günter Bührichen, Präsident des Verbandes Sächsischer Carneval.

Die Faschingsvereine seien vorsichtiger geworden. "Für das Thema Flüchtlinge haben wir in den vergangenen zwei Jahren massive Kritik geerntet und wurden in die rechte Ecke gestellt, in die wir nicht gehören", erklärt er. Anders als in westdeutschen Hochburgen werde in Sachsen hauptsächlich das lokale politische Geschehen aufs Korn genommen, auch wenn Spitzen auf die Weltpolitik nicht auszuschließen seien. Schließlich kommt gerade bei kleinen Vereinen das Publikum eher aus der Umgebung.

Sachsenweit stehen bis zum Rosenmontag über ein Dutzend Umzüge an. Alle Vereine, die einen Festumzug organisieren, müssen den Ordnungsbehörden ihr Sicherheitskonzept vorlegen. Das sei oft einen Zacken schärfer als die Jahre zuvor, so Bührichen. Für die Vereine sei es nicht immer leicht, mehr Geld etwa für Sicherheitspersonal auszugeben.

Zu einer Faschingshochburg hat sich Plauen mit seinem Straßenkarneval gemausert. Nachdem vor 24 Jahren der erste Umzug durch die Spitzenstadt mit zehn Wagen stattfand, werden am Sonntag bis zu 80 Wagen erwartet, sagt Joachim Kriester, Präsident der Vereins Vogtländischer Carnevalisten, zu dem elf Vereine gehören. Im vergangenen Jahr kamen 30.000 Besucher. "Es geht darum, die Gäste zu unterhalten und fröhlich zu stimmen." Kamellen locken ebenso wie Quietscheenten, die von den Wagen ins Publikum fliegen werden. Oder die Flaschen der Sternquell-Brauerei - die aber natürlich nicht geworfen, sondern verteilt würden. Damit die Gäste beim Erhaschen der Präsente nicht unter die Wagenräder geraten, läuft an jedem einzelnen Reifen ein sogenannter Radengel mit, ein Vereinsmitglied, das aufpasst. Insgesamt 282 Ordner aus den Vereinen werden bereitstehen. "Wir hatten zuletzt eine ganze Reihe Probleme mit der Stadt wegen wildem Pinkeln am Topfmarkt", sagt Kriester. Um dies zu unterbinden, unterstützen die Ordner Polizei und Ordnungsamt.

Beim Skifasching in Oberwiesenthal sind die Auflagen des Ordnungsamtes in diesem Jahr verschärft worden. Das Amt genehmigte für den Umzug am Sonntag nur zwei Pferdewagen statt der sonst fünf, sagt Präsidentin Hannelore Fischer. Sie vermutet als Grund die Unfälle mit Pferdekutschen, die sich im vergangenen Jahr zum Beispiel im erzgebirgischen Schönfeld ereignet haben. Am Sonntag wird am Fichtelberg zugleich traditionell angebadet: Ohne oder mit Badehose und Bikini fahren Karnevalisten den Skihang hinunter und springen - unten angekommen - in ein extra aufgestelltes Wasserbassin. Zum Festumzug ab 12 Uhr erwartet Fischer 400 Teilnehmer aus ganz Sachsen. Unter dem Motto "So etwas gab es noch nie - 100 Jahre Karneval auf Ski" kramte der Verband in seinem Fundus und zauberte auch eine alte Kamelfigur hervor, die restauriert und auf Rädern neben einem riesigen Elefanten vorfahren wird. Über 100 Oberwiesenthaler folgten dem Aufruf, für das Jubiläum aus dem Kostümfundus des Vereins zum Beispiel Cancan-Kleider und Clownsrequisiten auszuwählen.

Zum Verband Sächsischer Carneval gehören 180 Vereine. Damit rangiert er auf Platz neun von insgesamt 35 Regionalverbänden, die zum Bund Deutscher Karneval gehören. Der sächsische Verband zähltrecht konstant 20.000 Mitglieder, so Bührichen. (mit dpa)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    1
    gelöschter Nutzer
    25.02.2017

    guggsdu: http://tinyurl.com/c2an87t

  • 1
    0
    Freigeist14
    25.02.2017

    Besser: Keine Lust auf Karneval.Wird der Frohsinn auf Knopfdruck nicht Fasching genannt in unseren Breiten?



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