Keine großen Krawalle bei Neonaziaufmarsch in Leipzig

Schweres Gerät und Tausende Beamte - die Polizei hat Kraftanstrengungen unternommen, um befürchtete Ausschreitungen in Leipzig zu verhindern. Es hat wohl gewirkt.

Leipzig. Die bei einem Aufmarsch und einer Kundgebung von Rechtsextremisten in Leipzig befürchteten schweren Krawalle sind am Samstag ausgeblieben. Kundgebungen von Gegendemonstranten seien aber von einigen Übergriffen überschattet gewesen, teilte die Polizei am Samstag mit. So flogen aus der linken Szene Steine auf Polizeibeamte, Mülltonnen wurden in Brand gesetzt und Barrikaden errichtet. Die Polizei sprach am Abend von 20 Straftaten. Unter anderem wurde einen rechter Provokateur festgenommen, welcher direkt neben den Gegendemonstrationen den Hitlergruß gezeigt hat. Zu größeren Ausschreitungen kam es aber nicht. «Wir können bislang ein überwiegend positives Fazit ziehen», sagte ein Polizeisprecher nach Beendigung der Neonazidemo.

Nach Behördenangaben lag die Beteiligung bei den Rechtsextremisten unter den angemeldeten 300 bis 400 Demonstranten. An den Gegenprotesten beteiligten sich etwa 1000 Menschen.

Insgesamt elf Bündnisse hatten gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten demonstriert. Um Krawalle zu verhindern, war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zur Verstärkung waren Beamte aus anderen Bundesländern hinzugezogen worden. Sie standen mit schwerem Gerät bereit, unter anderem mit Wasserwerfern und gepanzerten Räumfahrzeugen. Auch berittene Polizei war unterwegs.

Die Zwischenfälle am Samstag seien auf keinen Fall vergleichbar mit den Gewaltexzessen bei der Neonazi-Demonstration im Dezember 2015, sagte eine Polizeisprecherin. Damals war es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Vermummte aus der linksradikalen Szene hatten Sicherheitskräfte mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern geworfen. Die Beamten gingen daraufhin mit Wasserwerfern und Reizgas vor. 69 Polizisten wurden verletzt.

Ursprünglich sollte die Route der Rechtsextremisten durch den linksalternativen Stadtteil Connewitz führen. Weil Krawalle befürchtet wurden, lehnte die Stadt dies ab und legte eine neue Route fest. Mit ihrer Beschwerde dagegen scheiterten die Rechtsextremisten sowohl vor dem Verwaltungsgericht als auch dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Dietmar Rauch, ein 57-jähriger Ladenbesitzer vor Ort, begrüßte die Entscheidung: "Sehr gut, dass die Stadt den rechten Demonstranten verboten hat, diese Strecke zu nehmen."

Auch der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) meldete sich bei der ersten Zwischenkundgebung zu Wort: "Vielen Dank an all jene, die sich die letzten Monate gegen Rassismus und Pegida eingesetzt haben." Anna Luca, Vorstand einer Jugendgruppe, ergänzte: "Es ist wichtig, dass sich Jugendliche zusammenschließen, um gegen einen Rechtsruck zu kämpfen."

Unter den Gegendemonstranten befand sich auch Lukas, Vater zweier Kinder. Sie sitzen vorn und hinten auf dem Rad. Auf die Frage, ob er denn keine Angst hätte wegen angekündigten Ausschreitungen, antwortete er nur, das sei momentan der Trend in Europa und der Welt. "Es ist wichtig, seinen Kindern das zu zeigen, weil sie nicht in so einer Welt aufwachsen sollen." Der 64-jährige Rentner Winfried Güldner betonte ebenfalls, friedliche Protestbewegungen zu befürworten. Er möchte nach eigener Aussage den jungen Leuten den Rücken stärken und ihre Zivilcourage unterstützen. (dpa/eu)

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