Landesschülerratschef über Klimakonferenz: "Keine Laber-Veranstaltung"

Landesschülerratschef Noah Wehn über die gemeinsam mit der Regierung geplante Klimakonferenz am 22. Juni

Dresden.

Auch am Freitag sind Sachsens Schüler zum Klimastreik aufgerufen. Auf die Proteste reagierte die Regierung mit der Einladung zu einer Klimakonferenz. Mitveranstalter ist der Landesschülerrat (LSR). Mit dessen Chef Noah Wehn sprach Tino Moritz.

Freie Presse: "Fridays for Future" ruft auch diesen Freitag zum Klimastreik auf. Sind Sie dabei?

Noah Wehn: Ich bin dabei, zumindest die ersten 60 Minuten. Dann muss ich weiter ins Erzgebirge, dort findet unsere 49. Landesdelegiertenkonferenz statt. Bei der Demonstration in Leipzig wollen wir Flyer verteilen und für die Klimakonferenz werben.

Mit wie vielen Schülern rechnen Sie denn am 22. Juni zur Klimakonferenz, zu der Sie gemeinsam mit der Staatskanzlei einladen?

Wir haben Platz für bis zu 1000 Schüler. Wenn so viele kommen, wäre das die größte Schülerveranstaltung, die es je in Sachsen gegeben hat - wenn man Demonstrationen mal ausklammert.

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei?

Die Initiative ging von Michael Kretschmer aus. Ihn hat es eben beschäftigt, dass tausende Schüler - auch in Sachsen - immer wieder auf die Straße gehen. Ich bekam dann plötzlich einen Anruf aus der Staatskanzlei und wurde gefragt, ob wir uns so eine Konferenz vorstellen können. Es musste alles sehr schnell gehen.

Keine Angst vor Instrumentalisierung?

Wir haben uns vergewissert, dass wir nicht nur als Aushängeschild dienen. Wir wissen, dass Klima bei den Schülern gerade ein riesengroßes Thema ist. Es kann ja nicht verkehrt sein, ihnen die Möglichkeit zu geben, darüber auch mit zuständigen Politikern und anderen Verantwortungsträgern zu diskutieren. Die Staatsregierung hat finanzielle Ressourcen, die der Landesschülerrat einfach nicht hat. Deswegen haben wir gesagt, wir machen da gern mit, wenn wir inhaltlich den Ton angeben können - und das können wir. Wir wurden da nicht in ein schon bestehendes Konzept reingepresst.

Was erwartet die Teilnehmer?

Wir werden sechs große Themenblöcke haben, etwa zur Mobilität oder zur Energiewende. Das Konkrete liegt an den Teilnehmern. Sie sollen ohne Denkverbote das aussprechen können, was sie bewegt.

Welchen Einfluss gab es bei der Auswahl der Referenten?

Wir haben vor allem Wissenschaftler von "Scientists for Future" benannt, die wir unbedingt haben wollten. Die können die Probleme schülerfreundlich erklären. Wir hatten da alle Freiheiten. Auch das Umweltministerium hat Experten benannt und die Staatskanzlei dann die Einladungen verschickt. Wenn einer nicht kommt, liegt das vor allem an seinem vollen Terminkalender. Unter Wissenschaftlern besteht ja weitgehend Konsens, dass die Klimapolitik sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene noch lange nicht ausreichend ist.

Sind Sie sicher, dass Michael Kretschmer das auch so sieht?

Er erweckt den Eindruck, dass er sehr tatkräftig ist. Ob das für die Klimapolitik gilt, weiß ich noch nicht. Mir ist aber klar, dass er als Ministerpräsident von ganz Sachsen beispielsweise auch für die Lausitz spricht. Man darf die einen Menschen nicht gegen die anderen ausspielen.

Hört sich ja schon so wie ein Politiker an. Rechnen Sie in Leipzig wirklich mit konkreten Lösungsvorschlägen oder dann, gut zwei Monate vor der Landtagswahl, eher mit Regierungsvertretern im Wahlkampfmodus?

Es wird keine Laber-Veranstaltung werden, sondern konkrete Ergebnisse geben, an deren Umsetzung sich die Regierenden nach der Wahl werden messen lassen müssen. Mit einem Lob für das große Schülerengagement werden wir uns nicht abspeisen lassen. Gesprächsbereitschaft bringt nur etwas, wenn auch die Umsetzungsbereitschaft da ist. Ich erwarte von der Staatsregierung, dass sich danach etwas tut. Das geht natürlich nicht gleich drei Minuten nach der Konferenz, dazu gehören ja auch demokratische Prozesse. Dass gehandelt werden muss, ist Kretschmer nicht nur der Konferenz, sondern auch der Jugend schuldig.

Ausgerechnet am 22. Juni gibt es auch Landesparteitage der CDU-Konkurrenz SPD und Linke. Reiner Zufall?

Am selben Tag findet in Aachen auch eine Großdemonstration von "Fridays for Future" statt. Aber es war der einzige Termin, der beim Abgleich der Kalender von Kretschmer, seinen Ministern und von uns noch in Ansätzen hinhaute. Zumal nicht nur Vertreter der CDU/SPD-Koalition kommen können, sondern alle Fraktionen des Landtags zu der Konferenz eingeladen werden.

Hat Greta Thunberg auch Zeit?

Die haben wir nicht eingeladen. Sie fährt nur mit dem Zug, das wäre eine lange Fahrt nach Leipzig geworden, die wollten wir ihr nicht zumuten.

Was ist beim Klimaschutz im LSR bisher Beschlusslage?

Wir fordern eine Verringerung des Papierbedarfs an Schulen und nach Möglichkeit den Einsatz von recycelbarem Papier. Das Schulessen sollte nicht quer durch das ganze Land angekarrt werden müssen und natürlich auch vegane und vegetarische Angebote enthalten, da sehen wir großen Handlungsbedarf. Beim Bau neuer Schulen muss Energieeffizienz eine viel größere Rolle spielen als bisher. Schon seit längerem treten wir für ein sachsenweit und auch am Wochenende gültiges Bildungsticket für maximal 20 Euro pro Monat ein - sonst können sich das viele nicht leisten. Zudem muss sich nachhaltige Entwicklung stärker im Lehrplan widerspiegeln.

Noah Wehn 

Der 18-Jährige ist seit 2017 Sprecher des Landesschülerrates. Am Leipziger Schiller-Gymnasium legt der Zwölftklässler gerade sein Abitur ab. Zum Studium will er nach Schottland gehen. Seine Amtszeit läuft im November aus. Der Landesschülerrat vertritt die Interessen von 325.000 Schülern weiterführender Schulen. (tz)

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4Kommentare
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  • 4
    1
    Nixnuzz
    24.05.2019

    @Distelblüte: Video: Tu es!

  • 6
    4
    Distelblüte
    24.05.2019

    @575042: Noah Wehn arbeitet daran mit, dass die FFF-Demos zu praktischen Ergebnissen führen. Was ja auch der Sinn der Sache ist.
    Und Rezo wird mit sachlicher Kritik gut klarkommen.
    Ich hab sein Video ehrlicherweise noch nicht gesehen, deshalb kann ich mich nicht dazu äußern.

  • 6
    5
    575042
    24.05.2019

    Distelblüte, hier irren Sie. Mutmachend ist Rezo. Ansonsten empfehle ich den Artikel auf Seite 4 der FP vom 24.05.19. Dort wird der aktuelle Schülersprecher wie folgt zitiert: "Die persönliche Meinung von Noah Wehn, zugleich Vorsitzender des Landesschülerrates, ist indes kritischer. Rezo stelle „augenscheinlich logische Zusammenhänge her, die jedoch grob vereinfacht und nicht zwingend zutreffend sind“, sagt Wehn. Bei der jüngeren Zielgruppe setzten sich solche Sichtweisen jedoch fest, warnt er. " Regierungssprecher Seibert hätte nicht besser reden können ...

  • 6
    7
    Distelblüte
    24.05.2019

    Das ist mutmachendes Engagement. Ich hoffe, dass Schüler und Wissenschaftler nicht nur auf offene Ohren stoßen, sondern dass aus den Impulsen, die hier gegeben werden, zumindest mittelfristig wirkliche Veränderungen werden mit politischer Unterstützung durch die Regierung.



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