"Kiezmiliz" droht Investoren in Leipzig

Unbekannte Täter überfallen die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma zu Hause. Auch die Landesregierung reagiert schockiert.

Wenn ein Oberbürgermeister einen "politischen Mord" in seiner Stadt für denkbar hält, muss einiges vorgefallen sein. Zu solch einer drastischen Wortwahl greift ein Stadtoberhaupt normalerweise nicht. Doch in Leipzig - diesen Eindruck hat OB Burkhard Jung (SPD) anscheinend gewonnen - kommt etwas ins Rutschen. "Erst brennen Barrikaden und Mülltonnen, dann werden Wehrlose angegriffen", ließ er am Montag verlautbaren, "der Weg zum politischen Mord ist nicht mehr weit, wenn der Rechtsstaat nicht mit allen Mitteln und aller Konsequenz eingreift." Eine Grenze sei "überschritten".

Auslöser war die jüngste Tat, mit der sich die linksextreme Szene in der Stadt bereits am Sonntagabend im Internet gerühmt und über die zunächst der MDR berichtet hatte. Am Sonntagabend waren zwei vermummte Unbekannte in die Wohnung einer 34-Jährigen in Leipzig eingedrungen, die als Prokuristin für eine Immobilienfirma arbeitet. Das bestätigte die Polizei. Mehrmals schlugen die Täter der Frau mit der Faust ins Gesicht. Das Opfer musste ambulant behandelt werden.

Die selbsterklärte "Kiezmiliz", die das Feuer auf einer Baustelle im Leipziger Stadtteil Connewitz am vorvergangenen Wochenende für sich reklamierte, wollte mit der Attacke augenscheinlich "ein Exempel statuieren". Sie lehnt konkret einen Wohnkomplex ab, den die Immobilienfirma in Connewitz errichten möchte. Das geht aus dem online veröffentlichten Bekennschreiben hervor. Da brennende Bagger "nur symbolischen Charakter" hätten, habe man sich "entschieden, die Verantwortliche für den Bau eines problematischen Projekts im Leipziger Süden da zu treffen, wo es ihr auch wirklich weh tut: in ihrem Gesicht".

Doch nicht nur die Immobilienfirma nimmt die "Kiezmiliz" ins Visier. Sie droht allen Personen, die ins besagte Immobilienprojekt investieren oder dort wohnen wollen: "Selbigen muss klar sein, dass sie sich an einem Angriff auf einen Raum der radikalen Linken beteiligen und dass dieser Angriff beantwortet werden wird." Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum hat die Arbeit übernommen.

Auch die Landesregierung reagierte. "Ein Angriff auf eine Frau in der eigenen Wohnung, wegen ihrer beruflichen Tätigkeit, ist an Perfidie kaum zu überbieten", sagte Innenminister Roland Wöller (CDU). "Es ist unfassbar, mit welch widerwärtiger Gewaltbereitschaft inzwischen offensichtlich politisch motivierte Straftäter versuchen, ihre Interessen durchzusetzen."

Am kommenden Freitag will der Innenminister mit Oberbürgermeister Jung und der Leipziger Polizeiführung über das weitere Vorgehen in Sachsen Linksextremismus in Dresden beraten. In der vergangenen Woche hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) der Messestadt Unterstützung zugesagt: "Wir sind uns einig, dass wir gemeinsam gegen Gewalt vorgehen."

13Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    3
    Inke
    05.11.2019

    @AliceAndreas: Ich lege mich fest, Sie wollen das nicht verstehen und fangen mal wieder an wild zu spekulieren und zu relativieren. Die Bank wurde kurz darauf auch nur durch einen kleinen Zwischenfall aus Versehen von einem Passanten demoliert. Ist schon klar. Egal von welcher Seite Extremismus kommt, wir dürfen das doch nicht akzeptieren. Bei Mord schon erst recht nicht.

  • 9
    4
    franzudo2013
    05.11.2019

    Dann wäre ja klar, dass linksextrem und rechtsextrem Brüder im Geiste sind. Guter Punkt : Kiezmiliz = Buergerwehr. Wehret den Anfängen. Der Staat hat das Gewaltmonopol.

  • 10
    4
    Hinterfragt
    05.11.2019

    "Kiezmiliz" welch Verniedlichung ...
    Warum nennt man es nicht auch Bürgerwehr?

  • 11
    0
    saxon1965
    05.11.2019

    LINKS extrem oder RECHTS extrem, deren Zunahme spiegelt letztlich wieder, dass etwas nicht stimmen kann, mit der s. g. Volksvertretung.
    Da finden sich etliche Bürger/innen nicht mehr wieder, im eigenen Staat. Klar wird es diese immer auch geben. Nur sollte man deren Beweggründe nicht einfach so wegwischen, nur weil sie eine Minderheit am Rande der Gesellschaft sind.
    Da prangern die Einen an, dass das eigene Sozialsystem durch Nichtberechtigte geplündert wird und die Anderen prangern an, dass Reichtumvermehrung einen höheren Wert hat, als das Allgemeinwohl (sozialer Wohnungsbau).
    Vielleicht ist es doch falsch und undemokratisch, dass so Wenige über die Geschicke von Sovielen bestimmen können?

  • 12
    9
    AliceAndreas
    05.11.2019

    @Imke

    Vielleicht hat auch nur ein 14 jähriger Bengel nach der Disko gedacht, heute bin ich mal cool.

    Oder ein Linker wollte mal einen Aufschrei gegen rechts hervorrufen.

    Ich weiß es nicht, Sie wahrscheinlich auch nicht.

    Leipzig ist aber real und passiert jetzt gerade.

  • 26
    2
    KTreppil
    05.11.2019

    Soviel dazu, dass in Leipzig doch nur Mülleimer brennen...
    So wird das, wenn Extreme unterschätzt und herunter gespielt werden. Dann traut man sich nach und nach mehr.
    Wehret den Anfängen und haltet beide Augen offen.
    ...und nun bitte nicht schon wieder gegenseitig mit aufrechnen anfangen.

  • 10
    8
    Inke
    04.11.2019

    Es ist sehr schlimm was da in Leipzig passiert. Assozial, hochkriminell. Aber: @AliceAndreas, Sie verstehen offenbar überhaupt nicht was in Zwickau passiert ist. Es ist nicht einfach nur ein Baum (und eine Bank) "kaputt gegangen". Dahinter steckt eine menschenverachtende, rassistische Botschaft, die die Opfer in höchstem Maße verhöhnt und erniedrigt: Wir lassen die Trauer für und das Gedenken an diese Menschen nicht zu. Das steckt hinter diesen Taten. Es sind 10 unschuldige Menschen zufällig ausgewählt und kaltblütig ERMORDET worden! Ist das wirklich so schwer für Sie zu verstehen?

  • 11
    9
    gelöschter Nutzer
    04.11.2019

    Jetzt reagiert man "geschockt". Jahrelang war man auf dem linken Auge blind.

  • 12
    10
    gelöschter Nutzer
    04.11.2019

    @hinterfragt: Ich verstehe den Zusammenhang zum Thema nicht und die Moderation sah ihn vermutlich auch nicht.

  • 8
    11
    Hinterfragt
    04.11.2019

    Die Moderatoren sollten mal die Nachrichten hören/ lesen, bevor sie sperren!

    "Deutsche Sicherheitsbehörden nehmen offenbar verstärkt sogenannte Bürgerwehren in den Blick. Die Bundesregierung sieht in ihnen "Ansätze für rechtsterroristische Potenziale"."
    Quelle:
    https://www.tagesschau.de/inland/buergerwehr-rechtsextremismus-101.html

  • 15
    12
    Distelblüte
    04.11.2019

    Die selbst ernannte Kiezmiliz vertritt keine linken Positionen mehr. Hier verschmelzen extremradikale Verrohtheit und Lust an körperlicher Gewalt. Da gibt es auch keinen Unterschied zur Extremen Rechten. Beides kann weg.

  • 5
    1
    Hinterfragt
    04.11.2019

    Warum nennt man es nicht auch Bügerwehr?
    Ach, ja. Laut Bundesregierung sind die ja alles Rechte ...

    Und @Blackadder, dass es hir bisher keine Toten gab, ist immer nur dem Glück des Umstandes geschuldet ...

  • 16
    13
    AliceAndreas
    04.11.2019

    "Kiezmiliz droht Investoren" - starke Überschrift wenn Linksradikale Frauen zu Hause überfallen und zusammen schlagen!!!
    Aber wenn in Z ein Baum kaputt geht, dann gibt es kein halten mehr!



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