Kita-Beiträge für Eltern in Sachsen klaffen auseinander

Die Kinderbetreuung wird Jahr für Jahr teurer. Eltern müssen trotzdem nicht überall mehr zahlen - und auch nicht gleichviel.

Dresden.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bundesweit zu verbessern, haben CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vom Februar neben einer "Steigerung der Qualität in der Kinderbetreuung" auch die "Entlastung von Eltern bei den Gebühren bis hin zur Gebührenfreiheit" versprochen. Die Praxis sieht in Sachsen indes anders aus.

Wie Kultusminister Christian Piwarz (CDU) in einer Antwort auf Anfrage der Landtagsabgeordneten Andrea Kersten (Blaue Partei) mitteilt, waren im Landesdurchschnitt 2016 für einen Krippenplatz (neunstündige Betreuung, ohne Ermäßigung für Alleinerziehende oder Geschwisterkind) jeden Monat 190 Euro zu zahlen. Im Kindergarten (ebenfalls neun Stunden) waren es 116 Euro, im Hort (sechs Stunden) 68 Euro. Allerdings sagt der Landesdurchschnitt kaum etwas über die tatsächliche Belastung der Eltern aus - weil sich die Höhe in den 421 Gemeinden stark unterscheidet. In der Krippe lag der niedrigste Betrag ohne Ermäßigungen laut Piwarz bei 133 Euro, der höchste hingegen bei 227 Euro - also fast doppelt so hoch. Im Hort wird die Spanne mit 45 bis 82 Euro angegeben, im Kindergarten waren es 81 bis 139 Euro.

Bestätigt wird dieser Befund auch durch eine "Freie Presse"-Umfrage (siehe Grafik). Ein Grund ist der gesetzliche Spielraum, wonach die Elternbeiträge zwischen 20 und 30 Prozent der Kita-Betriebskosten abdecken sollen, die sich wiederum von Ort zu Ort stark unterscheiden.

Nicht überall werden die Elternbeiträge so wie in Dresden und Freiberg (zum 1. September), Plauen (seit 1. Januar) oder Limbach-Oberfrohna (seit 1. Juli) jährlich an die Betriebskosten angepasst. In Meerane wurden sie seit 2009 nicht mehr erhöht. In Chemnitz sind sie seit Mai 2010 konstant - obwohl sie inzwischen in der Krippe um monatlich 1,60 Euro unter der gesetzlichen Mindestvorgabe von 20 Prozent liegen. Zur Begründung hieß es aus dem Rathaus, dass es "fraglich" sei, ob die entsprechende Erhöhung im Stadtrat eine Mehrheit fände. In Zwickau wurde eine Erhöhung letztmals zum 1. Februar 2015 wirksam. Dafür wurde nun trotz gestiegener Betriebskosten die Wiedereinführung des beitragsfreien Vorschuljahres beschlossen - eine Ausnahme in Sachsen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    1
    cn3boj00
    10.07.2018

    Dass L-O zu den teuersten Pflastern in Sachsen gehört stimmt nachdenklich. Hier sollte sich Herr Dr. Vogel mal Gedanken machen, wenn er Junge menschen hierher holen will.
    @vomdorf: mal wieder bisschen Stimmung machen?
    Auch Kindern mit "Migrationshintergrund" steht ein Kita-Platz zu, wenn sie ihren Wohnsitz in Deutschland haben und die Eltern (bzw. Elternteil bei dem das Kind lebt) hier einer Arbeit nachgehen oder arbeitssuchend gemeldet sind. Und wer einen Kinderbetreuungszuschuss erhält hängt allein von Einkommen und Belastungsgrenze ab, nicht von der Herkunft. Und keine Angst, Sie werden dadurch nichts von Ihrem Wohlstand einbüßen.

  • 1
    3
    vomdorf
    10.07.2018

    Müssen Familien mit Migrationshintergrund eigentlich auch Kindergarten und Hort bezahlen, oder übernimmt das der Staat?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...