Kleingärten dienen als Treffpunkte für Rechtsextreme

Gartenparzellen sind Orte der Erholung, der Blumenbeete und des Grillens. Doch neben Tomaten und Äpfeln gedeihen hier und da auch rechtsextreme Ideen in Sachsens Kleingartenanlagen. Der Verfassungsschutz wirft ein Auge auf sie.

Leipzig/Dresden (dpa/sn) - Sachsens Gartenparzellen sind mancherorts Anlaufstellen der rechten Szene. Rechtsextreme treffen sich «gelegentlich» in Kleingartenanlagen, wie das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen auf Nachfrage mitteilte. Im Vorjahr seien 17 Fälle rechtsextremistischer Aktivitäten in sächsischen Kleingartenanlagen bekannt geworden. Das geht aus der Antwort des sächsischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann (Grüne) hervor.

Demnach trafen sich Rechte im Vorjahr acht Mal in der Stadt Leipzig, fünf Mal im Landkreis Zwickau sowie je ein Mal im Landkreis Nordsachsen, im Landkreis Leipzig, im Landkreis Mittelsachsen und in Chemnitz. Es handle sich um «Mitgliedertreffen, Schulungen sowie Zeitzeugenvorträge», heißt es in der Antwort vom März diesen Jahres. Die Veranstaltungen hätten überwiegend in Vereinslokalen der Kleingartenanlagen stattgefunden. Zwischen 2014 und 2017 dokumentierte der Verfassungsschutz insgesamt 44 Fälle. Meist gehörten die Gärten nicht den Mitgliedern der rechtsextremen Szene selbst, sondern Angehörigen, sagte eine Sprecherin.

Diese Beobachtung bestätigte auch Lothar Fritzsch vom sächsischen Landesverband der Kleingärtner. Häufig brächten etwa Enkel als Anhänger der rechten Szene ihre Freunde in den Gartenverein der Großeltern mit. Durch Medienberichte war der Landesverband auf Treffen von Rechtsextremen in Leipzig und Dresden aufmerksam geworden, zuvor habe der Verband von den «Kameradschaftsabenden», wie Fritzsch sie nennt, nichts gewusst.

Daraufhin hätten sich Vertreter des Kleingärtner-Verbands beim Verfassungsschutz beschwert. Erst danach habe es Gespräche gegeben, sagte Fritzsch. Der sächsische Verfassungsschutz weist die Vorwürfe zurück: Er informiere die Öffentlichkeit über extremistische Bestrebungen, damit Gegenstrategien entwickelt werden können.

Mit Informationsmaterialien und speziellen Schulungen sollen die Verantwortlichen von Kleingartenvereinen nun darüber aufgeklärt werden, wie sie Anhänger der rechten Szene erkennen und wie sie ihnen begegnen können. Erste Veranstaltungen seien im Mai geplant, sagte Fritzsch.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    4
    BlackSheep
    01.05.2019

    Das Kirchenasyl wollte ich nicht in lächerliche ziehen, sondern die krampfhaften Bemühungen überall Rechte zu sehen und zu finden.

  • 5
    7
    Freigeist14
    30.04.2019

    Blacksheep@ ihre ganz bösen Rechten verstehen sich eh` als Heiden und Anhänger Odins . Die verzichten freiwillig auf Kirchenasyl ,was Sie hier in unverschämter Weise ins lächerliche ziehen wollen .

  • 6
    6
    BlackSheep
    30.04.2019

    Der politische Kampf findet wohl am Radischenbeet statt? Irgendwie denke ich das nächste was kommt ist das ganz böse Rechte irgendwo Kirchenasyl wollen um vom Staat nicht verfolgt zu werden.

  • 5
    5
    Malleo
    30.04.2019

    Auch hier hat der Kulturbund offensichtlich ganz tief unten rechts gegraben und ist wie bei Heimatvereinen fündig geworden.
    (Der erste Kommentar blieb im Meinungsfilter hängen.)

  • 5
    9
    Distelblüte
    30.04.2019

    @Tauchsieder: Das Rechtsextreme die Kleingartenvereinsheime als Gelgenheit nutzen, um unter dem Radar zu bleiben, stört Sie offensichtlich nicht.

  • 14
    4
    Tauchsieder
    30.04.2019

    Verfassungsschutz in Kleingärten, dass macht doch Sinn. Da gewinnt der Begriff Maulwurfstätigkeit gleich an Bedeutung.



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