Kliniken entlassen erste ausländische Covid-19-Patienten

Es war eine Geste der Solidarität, und sie fand auch im Ausland große Beachtung. Insgesamt 14 Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich hat Sachsen aufgenommen. Die ersten konnten nun wieder nach Hause.

Dresden (dpa/sn) - Die ersten ausländischen Covid-19-Patienten sind aus sächsischen Krankenhäusern entlassen worden. Nachdem bereits am Dienstag zwei Italiener aus dem Klinikum Chemnitz die Heimreise antraten, folgte am Mittwoch ein 52 Jahre alter Franzose, den das Universitätsklinikum Dresden betreute. Der Mann aus dem Elsass war die ersten 16 Tage seines Aufenthaltes in Dresden in ein künstliches Koma versetzt worden und konnte die Klinik nach insgesamt 20 Tagen verlassen, berichtete Intensivmediziner Peter Markus Spieth. Dem Patienten gehe es soweit ganz gut.

«Wir konnten ihn von der Beatmung komplett entwöhnen», sagte der Mediziner. Mit einer ganz milden Sauerstoffunterstützung über eine Nasenbrille könne er nun nach Hause. «Er hat sich sehr über seine Entlassung gefreut.» Der Rücktransport sei eine Woche lang vorbereitet worden. Anfangs habe der Patient akutes Lungenversagen gehabt: «Wir konnten ihn dann mit differenzierter Beatmungstherapie soweit stabilisieren.» Sein französischer Zimmernachbar wäre am Mittwoch am liebsten gleich mitgegangen: «Der hat aber leider noch einen kleinen Weg vor sich.» Er sei zwar wach, müsse aber noch beatmet werden. Man hoffe aber, seinen Rücktransport in ein, zwei Wochen organisieren zu können.

Spieth berichtete, dass die Mediziner mit jeder Behandlung eines Covid-19-Patienten dazulernten. «Auf der anderen Seite sind wir hier in Dresden ein spezialisiertes Zentrum für Patienten mit akutem Lungenversagen. Insofern konnten wir mit unserer ganzen Expertise unterstützen in einer Art und Weise, wie sie in Frankreiche in der jetzigen Situation wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.» Man habe erfahren müssen, dass es bei Covid-19-Patienten einen sehr langwierigen Krankheitsverlauf gebe. Bei Lungenentzündungen gebe es dagegen normalerweise eine schnelle Besserung.

Mit der Verlegung nach Frankreich sei die Behandlung noch nicht abgeschlossen, sagte Spieth. Ganz wichtig seien jetzt Rehabilitationsmaßnahmen. Der Patient müsse nun viel Physiotherapie und Atemtherapie machen. Es gehe darum, die Lungensituation zu stabilisieren. Er habe noch einen langen Weg vor sich. Die Reha-Phase werde sicher zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen.

Spieth zufolge kann derzeit noch nicht mit völliger Gewissheit gesagt werden, ob Covid-19-Patienten wieder komplett gesund werden können. Dazu müsse man erst Langzeitfolgen abwarten. Man gehe aber davon aus, dass sie es mit möglichst wenigen Spätfolgen schaffen könnten. Abgesehen von Problemen der Lunge gebe es auch typische Spätfolgen der Intensivtherapie, etwa chronische Schädigungen der Muskulatur und Nerven oder Nierenversagen.

Die Verständigung mit den Patienten sein kein großes Problem gewesen, sagte der Mediziner. Einige der Dresdner Kollegen hätten gut französisch gesprochen und geholfen. Auch mit Unterstützung von Smartphones und Apps habe man die kleinen Dinge des Lebens regeln können.

Der Chefarzt der Klinik für Pneumologie in Chemnitz, Stefan Hammerschmidt, hatte zu der Entlassung der beiden dortigen italienischen Patienten gesagt: «Wir sind sehr froh, dass wir die beiden Patienten, die gemeinsam zur Behandlung zu uns gekommen sind, auch gemeinsam wieder entlassen konnten.»

Sachsen hatte insgesamt 14 Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen. Zwei Italiener starben.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sicherte am Mittwoch im täglichen Videobriefing der Regierung auch den Nachbarländern Polen und Tschechien bei Bedarf Hilfe zu. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe zugesagt, dass die Kostenübernahme für die Behandlung von ausländischen Patienten in Deutschland bis Ende September gelte: «Wenn die Notwendigkeit besteht, stehen die Krankenhäuser zur Verfügung - soweit unsere Kapazitäten das hergeben. Zurzeit wäre das der Fall», so Kretschmer.


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