Knapp 30.000 Sachsen besitzen eine Schusswaffe

Der private Waffenbesitz im Freistaat nimmt zu. Die Regierung hält das für normal. Die Linke warnt hingegen vor einem Trend zur Aufrüstung.

Dresden.

Die Anzahl privater Besitzer scharfer Schusswaffen hat in Sachsen einen neuen Höchststand erreicht. Laut Nationalem Waffenregister gab es bis Mai 29.217 Inhaber von zusammen 148.533 Waffen, deren Besitz nur bei Nachweis eines entsprechenden Bedürfnisses erlaubt ist. Beides sind Rekordwerte: Ende Mai 2017 hatte das Register noch 1347 Besitzer und 5408 Waffen weniger ausgewiesen.

Nicht erfasst sind hierbei Schreckschusspistolen und Reizstoffsprühgeräte, deren Erwerb auch ohne Erlaubnis möglich ist. Nur für ihr Mitführen ist auch der "Kleine Waffenschein" nötig, den in Sachsen inzwischen 18.200 Menschen haben - fast 2000 mehr als noch Ende 2017. In diesem Zuwachs sieht auch Sachsens Innenministerium "ein Indiz für ein sinkendes Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung" - nicht aber im Anstieg der Besitzer scharfer Schusswaffen.

Dieser lasse sich vor allem mit der Zunahme von Sportschützen, Mitgliedern historischer Vereine und Jägern erklären, hieß es gestern auf Anfrage. Tatsächlich steigerte der Sächsische Schützenbund - dessen Präsident CDU-Fraktionschef Frank Kupfer ist - seine Basis zuletzt auf mehr als 16.000 Mitglieder.

Allein 18.059 der Besitzer scharfer Schusswaffen (62 Prozent) sind laut Ministerium als Sportschützen registriert und 11.427 (39 Prozent) als Jäger - einige Menschen sind beides zugleich. Andere Kategorien wie Erben oder Sammler würden hingegen kaum ins Gewicht fallen.

Wer berechtigt sei, lege sich im Lauf der Zeit mehrere Schusswaffen zu, hieß es weiter. Dabei ist den Sportschützen gesetzlich die Anschaffung von maximal zwei Waffen innerhalb eines halben Jahres gestattet. "Im bundesweiten Durchschnitt kommen im Jahr 2017 auf 100.000 Einwohner etwa 1150 Schusswaffenbesitzer, im Freistaat waren es nur etwa 700", sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie führte dafür "historische Gründe" an. Perspektivisch sei für Sachsen ein "Angleichungsprozess mit einem Anwachsen" zu erwarten.

Dagegen sprach der Landtagsabgeordnete Enrico Stange (Linke), der die Landesregierung seit geraumer Zeit zur Waffenstatistik befragt, von einer besorgniserregenden Entwicklung. Dazu verwies er auf den ansteigenden Trend gerade bei den gefährlichen Repetier- oder halbautomatischen Feuerwaffen der sogenannten EU-Kategorien B und C, von denen zusammen bis Ende Juni 130.000 in Sachsen registriert waren. 2017 waren es knapp 126.000, 2016 weniger als 115.000 und 2015 sogar nur rund 108.000.

"Hier scheinen sich irrationale Ängste und Verrohung in der Gesellschaft niederzuschlagen", sagte Stange. Er kritisierte, dass die Waffenbehörden der Kommunen, denen etwa die Kontrollen der Waffen oder der Zuverlässigkeit ihrer Besitzer obliegt, mit knapp 34 Stellen in Sachsen deutlich unterbesetzt seien.

Zuständig für die Personalplanung seien Landkreise und kreisfreie Städte, entgegnete das Innenministerium. Es verwies darauf, dass nach Hinweisen des Verfassungsschutzes in 55 Fällen die waffenrechtliche Erlaubnis für Reichsbürger zurückgegeben oder widerrufen worden sei. Allerdings waren zuletzt 84 Personen, die der rechtsextremen Szene zugeordnet wurden, weiter im Besitz einer solchen Erlaubnis.

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3Kommentare
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    0
    Täglichleser
    02.08.2018

    Vielen Dank kantracer für die Aufklärung.
    Ganz beruhigt mich das noch nicht mit
    den Jägern und Sportschützen. Die meisten, Jäger ohnehin, haben ihre Waffen zu Hause im vorgeschriebenen Waffenschrank unter Verschluss. Da gibt es schon Gefahren. Aber ich lass mich gern weiter aufklären. So genau steht das nicht in dem Artikel.

  • 2
    1
    kartracer
    02.08.2018

    @Täglichleser, etwas daneben, denn "Waffenscheine" für echte Waffen sind in Deutschland eher selten, was Sie meinen, sind "Waffenbesitzkarten" und die berechtigen nicht zum "Führen" dieser Waffen, das heißt, nur zum Transport zum Schießstand, nicht zugriffsbereit und nicht schussbereit.
    "Führen" bedeutet, diese Waffen geladen und zugriffsbereit am Körper auch in der Öffentlichkeit zu tragen, da liegt der Unterschied!
    Hat schon mal jemand nach der unbegreiflichen Dummheit gefragt, warum völlig Unsachkundige, täuschend echt aussehende Schreckschusswaffen, in der Öffentlichkeit "Führen" dürfen, denn da kann auch mal eine illegale Echte dabei sein.
    Hier hätte ich einen Aufschrei der Polizei erwartet, denn wie reagiert man, wenn jemand plötzlich diese Waffe in der Hand hat, das erkennt nicht mal ein Profi, ob die nun echt ist oder nicht.
    Also bitte nicht gleich mit dem Amis vergleichen, denn der "Kleine Waffenschein" entspringt etwa diesem Niveau!

  • 4
    3
    Täglichleser
    02.08.2018

    Feuer frei. USA ist schon einen Schritt weiter. In die falsche Richtung.
    Man kommt auch in Deutschland zu schnell an Waffen. Wenn ich die Federhüte
    der Schützenvereinskameraden sehe, da kommt mir das kalte Grausen.
    Da gehen doch tatsächlich welche in die
    Schützenvereine, um nur an Waffen zu kommen. Nach einem Jahr haben sie dann
    den Waffenschein! Überwachung dürftig!



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