Kommunen in Sachsen verzichten zunehmend auf Glyphosat & Co.

177 Städte und Gemeinden im Freistaat rücken dem Unkraut mit anderen Mitteln zu Leibe. Doch die Suche nach Alternativen ist nicht immer einfach.

Chemnitz.

Der Einsatz von Pestiziden zur Unkrautbekämpfung wird in der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Viele Kommunen in Sachsen reagieren inzwischen darauf und verzichten auf entsprechende chemische Mittel, deren bekanntestes Glyphosat ist. Eine Umfrage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unter allen 421 Städten und Gemeinden im Freistaat ergab, dass bereits 177 Kommunen ganz oder zumindest teilweise pestizidfrei arbeiten. Davon bezeichnen sich laut der Erhebung 32 als bereits komplett pestizidfrei, die übrigen Städte und Gemeinden setzen auf ihren kommunalen Flächen keine derartigen Spritzmittel ein, sie haben jedoch keine Absprachen mit Pächtern getroffen oder es liegen keine Informationen über diese Pachtflächen vor. Zu solchen kommunalen Flächen gehören Garagen, Kleingärten, Wälder und landwirtschaftliche genutzte Areale.

In der Regel, so heißt es in der Studie, entscheiden die Bürgermeister oder das zuständige Amt über das Vorgehen. Fünf Städte jedoch sind einen Schritt weitergegangen - sie haben einen offiziellen Beschluss über einen kompletten beziehungsweise schrittweisen Verzicht von Pestiziden gefasst. Dazu gehören Treuen im Vogtland, Werdau im Landkreis Zwickau, Leipzig, Chemnitz und Görlitz. In Chemnitz wird demnach seit einem Jahr in Pachtverträgen die Verwendung untersagt, in Treuen verzichtet man seit Mai 2018 auf Glyphosat.

Der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ist bundesweit ein Thema, wie Deliane Bungard, Referatsleiterin beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, bestätigte. Das werde querbeet von kleinen bis zu großen Kommunen diskutiert. Seit einigen Monaten habe das Thema jedoch an Fahrt aufgenommen - nachdem 2018 die Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld zum Insektensterben bekannt wurde. Und auch beim BUND spricht man von einer neuen Dynamik. Die Öffentlichkeit sei sensibilisiert, es werde Druck gemacht, hieß es.

Wie viele Städte und Dörfer bundesweit Glyphosat & Co. inzwischen abgeschworen haben, konnte Bungard allerdings nicht sagen. Der BUND dokumentiert seit gut zwei Jahren solche Kommunen auf einer interaktiven Karte im Internet. Danach sind es derzeit mehr als 460 und damit fünfmal so viele als vor einem Jahr. Wahrscheinlich liegt die Zahl aber noch höher, da davon auszugehen ist, dass sich nicht alle Orte bei dem Umweltverband gemeldet haben. Als Alternative setzen viele Städte auf mechanische Maßnahmen. Dazu zählen laut BUND Geräte wie die Wildkrautbürste oder Kehrmaschinen. Bei den thermischen Verfahren überwiegen das Abflammen und Heißwassergeräte.

In Glauchau etwa, wo seit Mitte Mai 2018 kein Glyphosat mehr durch den Bauhof ausgebracht wurde, setzt man auf die Kombination von Wildkrautbürsten und Heißwassergerät. Das habe sich nach Tests als wirtschaftlichste Variante erwiesen. Die neuen Verfahren erforderten jedoch mehr Zeit und würden mehr Personal binden, so die Stadtverwaltung. "Personalmangel und die vermeintlich zusätzlichen Kosten sind für viele Kommunen ein großes Hindernis", heißt es denn auch in der BUND-Studie. In Görlitz, wo der Stadtrat 2018 einen Grundsatzbeschluss zum Glyphosat-Verzicht gefasst hat, hat man die Mehrkosten ausgerechnet: Kostete die Pflege von 75.000 Quadratmetern Fläche bisher 15.000 Euro, so müssten ohne Glyphosat 135.000 Euro eingeplant werden. Hinzu komme die Anschaffung neuer Technik für rund 140.000 Euro, so die Stadt.

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