Konkurrenz für Murmeltier Phil: Erzgebirger sind auf die Katze gekommen

Die Amerikaner haben ihr Murmeltier, in Voigtsdorf haben sie ihre Katze. Die soll morgen prophezeien, wie der Winter wird. Je fetter die Katze, desto rauer das Wetter.

Voigtsdorf. Jens Lommatzsch kann vieles. Besonders gut kann er als Frontmann der Band Wunderbuntd Lieder singen. Am liebsten die von Rio Reiser. Morgen wird Jens Lommatzsch allerdings in eine für ihn völlig neue Rolle schlüpfen: Er wird zum Katzenwieger von Voigtsdorf (Landkreis Mittelsachsen). Womit er gemeinsam mit weiteren Einwohnern des Erzgebirgsdorfes eine alte und scheinbar vergessene Tradition wieder zum Leben erweckt.

Dass sich Katzen vor dem Winter ein wenig Speck auf die Hüften futtern, ist bekannt. Neu für Jens Lommatzsch war jedoch, dass man in Voigtsdorf anhand der Gewichtsannahme der Katze festgestellt haben soll, wie hart der kommende Winter tatsächlich wird. "Man erzählt sich, dass diese Tradition im 17. Jahrhundert ihren Anfang nahm und besonders im vergangenen Jahrhundert immer mehr in Vergessenheit geriet", erklärt er augenzwinkernd.

Katze kommt am Samstag auf die Waage

Lommatzsch selbst wird am Samstag im Rahmen des Voigtsdorfer Weihnachtsmarktes an der Alten Schule die Ehre zuteil, die Katze auf eine historische Waage zu setzen. "Sie ist eine Diva, wie sich bei den Proben herausgestellt hat. Aber ich denke, sie kann mit ihrer verantwortungsvollen Aufgabe umgehen und wird sich ruhig verhalten", sagt der Katzenwieger von Voigtsdorf, der das Fressverhalten des Tieres seit dem Sommer beobachten konnte. "Denn die Katze lebt bei uns", sagt er. "Auf den Grad der Gewichtszunahme kann ich deshalb aber nicht schließen." Auch bei der Generalprobe sei die Waage nicht geeicht gewesen. Erst am Ersten Advent darf die Katze offiziell gewogen werden. "So will es die Tradition", sagt Lommatzsch.

Worauf alle Voigtsdorfer und ihre Gäste morgen gespannt warten, ist die Differenz zwischen dem Sommer- und dem Wintergewicht des Tieres. Hat es sich 20 Prozent mehr Gewicht angefressen, wird es ein milder Winter. Bei 30 Prozent wird es schon haarig, wie Lommatzsch sagt. "Und bei 40 Prozent mehr Gewicht gnade uns Gott. Dann wird der Winter eisig und lang."

Murmeltiertag in USA nur Kopie?

Parallelen zum Murmeltiertag in den USA und Kanada seien wohl nicht ganz zufällig, vermuten die Voigtsdorfer. Dort wird jedes Jahr am 2. Februar der Groundhog Day, der Murmeltiertag, gefeiert. Dabei werden Waldmurmeltiere zum ersten Mal aus ihrem Bau gelockt. Wenn das Tier dann seinen Schatten sieht, also wenn die Sonne scheint, dauert der Winter noch sechs Wochen an. "Die haben damit erst im 19. Jahrhundert angefangen", sagt Jens Lommatzsch. "Wir vermuten fast, dass da jemand die Voigtsdorfer Tradition nachgeahmt hat."

Service: Das Katzenwiegen findet morgen ab 15.30 Uhr auf dem Weihnachtsmarkt an der Alten Schule in Voigtsdorf statt.

 

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