Kramp-Karrenbauer: "Da rappelt's auch manchmal"

Wahl 2019: Wie die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer in Weißwasser für Ministerpräsident Kretschmer wirbt.

Weißwasser.

Ob sie im schönsten Wahlkreis Sachsens sei? So einfach beipflichten will Annegret Kramp-Karrenbau der örtlichen CDU lieber nicht. Einer der schönsten Wahlkreise sei es "auf jeden Fall", sagt sie salomonisch. Aber "ob es der Allerschönste ist, hab ich noch nicht ganz herausgefunden, weil ich noch nicht in allen Teilen Sachsens war".

Die 57-Jährige hat bei diesem Wahlkampftermin am Samstagmittag vor dem Eisstadion von Weißwasser ein Heimspiel - obwohl auch die auf mittlerweile etwa 16.000 Einwohner geschrumpfte Stadt in Ostsachsen für ihre Partei längst zur Problemzone geworden ist. Sowohl vor zwei Jahren zur Bundestagswahl (25,5 Prozent) als auch vor drei Monaten zur Europawahl (21,5 Prozent) und zur Kommunalwahl (13 Prozent) fuhr die CDU in Weißwasser herbe Verluste ein und schnitt jeweils schlechter ab als die AfD.

Was auf größere Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen schließen lässt, bekommt Kramp-Karrenbauer bei ihrem einstündigen Gastspiel nicht zu spüren. Gegendemonstranten gibt es nicht, dafür Wurst und Bier. Etwa 100 Menschen haben sich eingefunden, die meisten hören an Biertischen im Sitzen zu, was die CDU-Vorsitzende zu erzählen hat.

Als Erstes übermittelt sie Grüße vom CDU-Spitzenkandidaten Michael Kretschmer, der zur gleichen Zeit an der Amtseinführung des Görlitzer Oberbürgermeisters teilnimmt. Bei der Landtagswahl am 1. September gehe es vor allem darum, was in den nächsten Jahren in Sachsen passiere - und darum, ob Ministerpräsident Kretschmer seine Arbeit fortsetzen könne. Dass er das Vertrauen der Sachsen verdient hat, daran lässt sie keinen Zweifel. Sie sei heute "gar nicht so sehr als CDU-Bundesvorsitzende oder als Verteidigungsministerin hier, sondern vor allen Dingen als eine ehemalige Ministerpräsidentin und als jemand, der mit Michael Kretschmer wirklich eng und gut befreundet ist".

An der einen oder anderen Stelle gebe es zwischen beiden auch Streit: "Er hat ein gutes Temperament, ich hab ein gutes Temperament, deswegen rappelt's da auch manchmal." Er sei "kein angenehmer Gesprächspartner, wenn er mit Wünschen und Vorstellungen kommt und merkt, das Gegenüber hat vielleicht eine andere Idee". Dies sei aber auch richtig so: Wenn er "beim ersten Widerstand gleich einknickt", wäre er nicht der richtige Mann für Sachsen.

Die Ex-Ministerpräsidentin des Saarlandes spricht das besondere Problem der inneren Sicherheit in Grenzregionen an, danach über ihre Erfahrungen mit dem dort stein- statt braunkohlebedingten Strukturwandel. "Ich komme aus einer Bergmannsfamilie", sagt sie. "Das ist ein sehr stolzer Beruf." Der Strukturwandel müsse "so vorangetrieben werden, dass er funktioniert", fügt sie hinzu - und erntet Applaus. Wer einen schnelleren Kohleausstieg als den bis Ende 2038 vereinbaren wolle, der müsse dafür sorgen, dass auch die neuen Arbeitsplätze schneller entstünden: "Das ist der Gradmesser." Es dürfe keine fristlosen Entlassungen geben. Im Steinkohlebergbau sei dies gelungen - und zwar "mit viel Geld". Dies könne bei der Braunkohle nicht anders sein. Nachdem sie Fragen zum Strukturwandel, zur Grundrente und zum nahegelegenen Truppenübungsplatz beantwortet, kündigt sie noch an, dass sie vielleicht schneller wieder Weißwasser besuchen werde als gedacht.

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