Kretschmers Versprechen an die Sorben

Der Ministerpräsident macht der Minderheit Hoffnung auf mehr Unterstützung. Einer Idee versagt er seine Zustimmung.

Bautzen.

Es ist das einzige "Sachsengespräch" der Landesregierung in den Sommerferien: Am Mittwochabend gastierte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), dieses Mal vorwiegend mit Staatssekretären im Schlepptau, im Bautzener "Haus der Sorben".

Eingeladen hatte ihn mit der Domowina der sorbische Dachverband. Etwa 120 Besucher sind gekommen, anmelden musste sich keiner. "Dieser Abend ist für Fragen des sorbischen Volkes", sagt Verbandschef David Statnik. Er ist 35, Kretschmer 43, man duzt sich auf offener Bühne. Statnik wird Kretschmer am ganzen Abend nicht von der Seite weichen. Am Ende, nach zweieinhalb Stunden, spricht der Regierungschef von zwei Alternativen für die den Sorben auch in der sächsischen Landesverfassung garantierte Bewahrung der Identität und Pflege von Sprache und Kultur: "Wir müssen uns miteinander entscheiden, ob wir die Glut erhalten wollen", sagt Kretschmer, "oder ob wir die Kraft aufbringen wollen, ein Feuer zu entfachen". Und dann: "Ich bin ja immer für ein loderndes Feuer." Dafür müsse man aber eben auch "Dinge neu denken".

Auf das Problem, dass es zu wenig Sorbisch sprechende Lehrer gebe, reagiert Kretschmer mit der Idee, "jedem, der Sorbisch im Studium noch nebenbei lernt", ein Stipendium des Freistaats zukommen zu lassen - und zwar nicht nur Lehramtsstudenten. Auch als Mediziner oder in der Verwaltung würde Sorbisch sprechendes Personal gebraucht: "Warum sollten wir nicht solche Dinge mal ausprobieren?"

Auch der zuvor angesprochenen Idee eines "Sorbischen Nationalmuseums" will sich Kretschmer nicht gänzlich verschließen. "Lassen Sie sich da nicht gleich sagen, was alles nicht geht!" Er sei für alle Anregungen offen und würde sich beispielsweise auch über ein "sorbisches Digital Lab" freuen, worunter Kretschmer eine Institution versteht, an der "jungen Leuten" neueste Technologien beigebracht würden und "diejenigen, die nicht Sorbisch sprechen, sich die Augen reiben und sich wünschten, sie könnten das tun".

Weniger begeistert zeigt sich der Regierungschef bei einer anderen Idee, die nach jahrelangen Debatten inzwischen vor der Umsetzung steht - die Bildung eines eigenen Parlaments. Ein "Serbski Sejm", so argumentieren dessen Befürworter, könnte die Interessen des sorbischen Volkes viel wirkungsvoller wahrnehmen als die Domowina. Bis zum 27. Oktober können sich Sorben ins Wählerverzeichnis eintragen lassen, am 3. November sollen die maximal 24 Abgeordneten - bis zu zwölf Nieder- und bis zu zwölf Obersorben - dann feststehen.

Als Kretschmer gefragt wird, was er davon hält, sagt er, dass ihm eigentlich als Nichtsorbe kein Urteil zustehe. Als "Meinung" oder "Rat" lasse sich aber schon sagen, dass er "den Mehrwert" eines sorbischen Parlamentes nicht erkenne: "Ich bin mit der jetzigen Struktur sehr einverstanden." Die Sorben hätten ihre Interessen in der Vergangenheit sehr stark, aber nie konfrontativ vorgebracht. Aus dieser "großen Gemeinsamkeit" resultiere auch "der Erfolg der letzten Jahrzehnte". Auch Domowina-Chef Statnik macht aus seinen Vorbehalten gegen die neue Konkurrenz keinen Hehl. Dabei liegt der Reformbedarf auf der Hand. Im Landtag wies SPD-Rechtspolitiker Harald Baumann-Hasske kürzlich darauf hin, dass die Domowina eben nicht berechtigt sei, Rechte aus dem Sorbengesetz oder der Verfassung gerichtlich geltend zu machen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...