Krisengewinner Gebhardt

Für zunächst nur ein Jahr wurde der 56-Jährige in seinem Amt bestätigt - obwohl oder gerade weil Sachsens Linke zur Wahl so schlecht abschnitt?

Dresden.

Als Rico Gebhardt 2012 erstmals zum Linksfraktionschef im sächsischen Landtag gewählt wurde, gab es noch 29 Abgeordnete. Nach der zwei Jahre später stattgefundenen Landtagswahl, bei der Gebhardt seine Partei erstmals als Spitzenkandidat anführte, waren es noch 27. Seit der Wahl vor zweieinhalb Wochen sind es 14.

Die Linke stürzte um 8,5 Punkte auf 10,4 Prozent ab. Noch am Wahlabend sprach Gebhardt von einer "Katastrophe". Trotzdem habe er sich nach Fürsprache aus Partei und von Wählern "entschieden, nicht zurückzutreten, sondern die Verantwortung dahingehend zu übernehmen, dass ich jetzt erst mal die Fraktion weiterführe". So sagte es der 56-Jährige am Dienstag nach seiner vierten Wahl zum Fraktionschef.

Das Ergebnis war allerdings wenig berauschend. Obwohl es keinen Gegenkandidaten gegeben hatte, erhielt Gebhardt außer neun Mal Ja bei einer Enthaltung auch vier Gegenstimmen - gut ein Drittel der Fraktion traut ihm offenkundig nicht den Weg aus der Misere zu.

Dabei war die Amtszeit des neu gewählten Vorstands wohlweislich schon auf ein Jahr begrenzt worden. Üblich waren bisher zweieinhalb Jahre. Nun stehen sowohl 2020 als auch 2022 neue Vorstandswahlen an. Gebhardt sprach zwar einerseits von einer "gewissen Kontinuität" und davon, nun "den Übergang zu organisieren". Andererseits ließ er ausdrücklich offen, ob er nächstes Jahr nicht doch wieder antritt.

Ebenfalls zunächst nur für ein Jahr gewählt wurden die drei anderen Vorstandsmitglieder. Davon wurden mit der Parlamentarischen Geschäftsführerin Sarah Buddeberg (12 Ja, 2 Nein) und der Chemnitzerin Susanne Schaper (9 Ja, 3 Nein) als Fraktionsvize zwei in ihren bisherigen Ämtern bestätigt. Neu im Vorstand dabei ist mit Marika Tändler-Walenta (8 Ja, 5 Nein) die Kreisvorsitzende der Linken in Mittelsachsen. Die 35-Jährige ist eine von drei neuen Frauen in der Linksfraktion.

Die Zahl der Fraktionsvize wurde von vier auf zwei halbiert. Von den bisherigen Stellvertretern hatte Luise Neuhaus-Wartenberg dieses Mal nicht kandidiert, während der Leipziger Marco Böhme zwar ursprünglich eine Bewerbung abgegeben hatte, aber kurzfristig verzichtete.

Gebhardt, der schon im Wahlkampf im "Kernteam" von vier Frauen - zu denen noch Landeschefin Antje Feiks gehörte - umgeben war, freute sich ausdrücklich über seine drei Mitstreiterinnen im Vorstand. Vor allem den "Männerhorden" der AfD - zu deren 38 Abgeordneten nur 4 Frauen zählen, während es unter den 14 Linken 9 sind - solle "weibliche Kompetenz" entgegengesetzt werden. Gebhardt kündigte zudem ein sachliches, aber "rebellisches" Auftreten der Linken an. Worauf genau sich Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) gefasst machen kann, wollte er aber noch nicht verraten, "schon gar nicht via Presse".

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...