Kultusminister empfiehlt Sachsens Schulen "Handyknigge"

Frankreich verschärft nach den Sommerferien sein Verbot von Smartphones an Schulen. Folgt im Freistaat bald ähnliches?

Dresden.

Nach der Entscheidung Frankreichs für ein strikteres Handyverbot an Schulen ist in Sachsen eine Diskussion zum Umgang mit Smartphones entbrannt. Zwar lehnt Kultusminister Christian Piwarz (CDU) "zentralistische Vorgaben" ab, befürwortet aber klare Regeln an jeder Schule. Dazu empfiehlt er Schülern, Lehrern und Eltern "eine Art gemeinsam erarbeiteten Handyknigge", der pädagogische Konzepte, Selbstlernzeiten, die Raum- und die IT-Infrastruktur berücksichtigt.

Das französische Parlament hatte zu Wochenbeginn ein sehr weitgehendes Handyverbot für Schulen beschlossen. War die Nutzung bisher nur im Unterricht untersagt, ist sie nun auch in den Pausen nicht mehr gestattet. Davon betroffen sind die Grundschulen und die Sekundarstufe I. Ab Klassenstufe 10 dürfen die Schulleiter intern entscheiden. Mit dem Votum wurde ein Wahlversprechen von Präsident Emmanuel Macron umgesetzt.

In Deutschland ist Bildung Ländersache, eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Am weitesten preschte Bayern vor, wo Mobiltelefone derzeit nur zu Unterrichtszwecken erlaubt sind. Aber schon im kommenden Schuljahr lässt das CSU-geführte Kultusministerium mögliche Neuregelungen für eine private Handynutzung testen.

Sachsen zählt zu den Ländern, die die Entscheidung den Schulen überlassen. "Die Schulkonferenz sollte gemeinsam die pädagogischen Aspekte der Nutzung sowie den räumlichen und zeitlichen Verzicht auf Handys klar bestimmen", so Piwarz. Seine Empfehlung: "Im Unterricht könnte beispielsweise das Benutzen der Smartphones durch die Lehrkraft für bestimmte Zwecke freigegeben werden, während sie in der Regel tabu sind." Im Speiseraum und in der Frühstückspause sollten Telefone in der Tasche bleiben. Ein Handyverbot in der Hofpause hält Piwarz für schwer durchsetzbar und realitätsfern.

Sein Parteifreund Alexander Krauß würde es indes begrüßen, wenn Sachsen die französische Lösung noch überträfe: "Das Verbot sollte für alle Schüler und auch alle Lehreinrichtungen gelten", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Es müsse weiter möglich sein, als Schüler sechs oder sieben Stunden ohne Handy auszukommen. Auch für den Unterricht, in dem seit Jahren Computer oder Tablets zum Einsatz kämen, seien private Handys nicht nötig. "In den Pausen ist Bewegung für die Kinder eine sinnvollere Beschäftigung als das Daddeln am Handy."

Dagegen lehnt der Landesschülerrat ein generelles Handyverbot ab. "Die Pausen gehören zur Freizeit der Schüler", sagt Geschäftsführer Erik Bußmann. In Sachsen gebe es gute und schlechte Beispiele beim Umgang von Schulleitungen mit dem Handyproblem: "Manche sind offen für Schülerwünsche, manche lassen gar nicht mit sich reden."

Am Gymnasium Olbernhau können Handys in den Pausen genutzt werden. Vor allem jüngeren Schülern falle der vernünftige Umgang schwer, sagt Schulleiterin Verona Fuchs: "Aufgrund der Spielmöglichkeiten bleibt die Kommunikation mit den Mitschülern mitunter auf der Strecke." Ihre Plauener Kolleginnen Simone Heilmann (Hufeland-Oberschule) und Petra Engelhardt (Diesterweg-Gymnasium) berichten derweil über gute Erfahrungen mit Handyverboten, die Ausnahmen zulassen. An beiden Schulen würden die Schüler nun wieder mehr miteinander reden. "Das Handyverbot hat sich bewährt. Manchmal muss man Mut haben im Leben", sagt Engelhardt. (mit em/mb/dpa)

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3Kommentare
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  • 3
    0
    Zeitungss
    05.08.2018

    Die haben schon Probleme, wissen es nur nicht. Und Google hat dazu auch nichts im Nähkästchen. Wenn es so weitergeht, können alle bestens mit dieser Technik umgehen, haben aber 3 Rechtschreibfehler im eigenen Namen und soweit sind wir davon gar nicht entfernt.

  • 2
    1
    vomdorf
    05.08.2018

    Nein, wir haben keine anderen Probleme....

    Handyverbot an der Schule und gut ist´s. Man muss nicht alles sofort googeln, man kann erstens auch mal in ein (Lehr-) Buch schauen und zweitens sich die überaus wichtige Information zu Hause holen.

  • 4
    0
    Tokru
    04.08.2018

    Ich hatte immer gedacht, es gibt ganz andere Probleme die das Kultusministerium zu lösen hätte.



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