KV-Chef beklagt Verunsicherung nach Spahn-Aussagen

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Dresden (dpa/sn) - Aussagen des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) zur Limitierung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer haben aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) zur massiven Verunsicherung von Patienten geführt. «Viele Menschen, die jetzt eine Booster-Impfung wollen, bestehen auf Biontech, weil sie damit ihre Grundimmunisierung erhielten und das Vakzin von Moderna nun als minderwertig ansehen», sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Klaus Heckemann der Deutschen Presse- Agentur in Dresden. Das sei nach der zwischenzeitlichen Absage an den Astrazeneca-Impfstoff bereits die zweite «Kommunikationskatastrophe» der Politik.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von Biontech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommt. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was vermieden werden müsse.

Später sicherte Spahn zu, dass ein Großteil der Booster-Impfungen mit dem von vielen Bürgern bevorzugten Impfstoff von Biontech erfolgen könne. Über Moderna sagte er: «Manche impfende Ärzte sagen: Biontech ist der Mercedes unter den Impfstoffen und Moderna ist der Rolls Royce.» Beides sind mRNA-Impfstoffe.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für die Auffrischungsimpfung generell einen mRNA-Impfstoff. Wenn möglich, soll es derselbe Wirkstoff sein wie bei der Grundimmunisierung, so das Robert Koch-Institut. Sei dieser nicht verfügbar, könne auch der jeweils andere eingesetzt werden. Lediglich für Personen unter 30 Jahren wird ausschließlich Biontech empfohlen, weil in dieser Altersgruppe bei Moderna das Risiko für bestimmte Herzentzündungen leicht erhöht ist.

Heckemann selber impft unabhängig der Diskussion in seiner eigenen Praxis prinzipiell «über Kreuz»: Wer bei der Grundimmunisierung Impfdosen von Biontech erhielt, wird bei der Auffrischung mit Moderna-Impfstoff versorgt. Diese Kombination ist auch in einem Positionspapier der Sächsischen Impfkommission aufgeführt.

Nach Darstellung des KV-Vorstandsvorsitzenden könnten Vorbehalte gegen Moderna nun den Verlauf der Impfkampagne in Sachsen bremsen - gerade dort, wo es besonders viel Nachholbedarf beim Impfen gibt. Denn im Freistaat seien nur 57,8 Prozent komplett geimpft.

Zugleich sprach sich der KV-Chef dafür aus, die von vielen für sicherer gehaltenen Totimpfstoffe gegen Covid-19 schneller zuzulassen. «Eine Pandemie bekämpft man nicht, indem man immer nur Dienst nach Vorschrift macht.» Viele Impfunwillige hätten keine Vorbehalte gegen Totimpfstoffe, wie sie auch gegen viele andere Erkrankungen als Covid-19 eingesetzt werden.

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