Landesbischof Carsten Rentzing kündigt Rückzug an

Schon bei seinem Amtsantritt halten viele den Theologen für erzkonservativ und rückwärtsgewandt. Nun zieht der der Bischof Konsequenzen aus seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung.

Dresden (dpa/sn) - Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing will nach der Debatte um seine Person sein Amt niederlegen. Das teilte das Landeskirchenamt am Freitag mit. Rentzing war wegen seiner Mitgliedschaft in einer Landsmannschaft in die Kritik geraten. Die aktuelle Diskussion sei nicht nur für ihn persönlich, sondern für die gesamte Kirche eine Belastung. «Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen», kündigte der 52-Jährige an, der seit 2015 Landesbischof ist.

In einem Interview mit der «Sächsischen Zeitung» hatte der als konservativ geltende Rentzing die Mitgliedschaft in der schlagenden Verbindung öffentlich gemacht, die seit seiner Studentenzeit in Frankfurt am Main bestehe. Er betonte, kein aktives Mitglied mehr der «Alten Prager Landsmannschaft Hercynia» zu sein. «Ich trage diesen Teil meiner Biografie ganz bewusst nicht offen vor mir her, aber ich stehe dazu, dass es ein Abschnitt in meinem Leben war, den ich nicht verleugnen kann und will», so Rentzing später.

Nach Bekanntwerden der Mitgliedschaft hatten Christen eine Online-Petition gestartet und eine Distanzierung gefordert. Die Petition haben bisher mehr als 800 Menschen unterschrieben, unter anderem Andreas Dohrn, Pfarrer der Peterskirche in Leipzig.

Der frühere Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, forderte einen Rücktritt in Kürze. Rentzing müsse die Konsequenzen aus einer Vertrauenskrise ziehen, in die er die Landeskirche gesteuert habe. Wolff sprach von einer «Beheimatung in rechten Kreisen». Wolff forderte mit dem Rückzug Rentzings auch eine Neuausrichtung der evangelischen Landeskirche.

Bereits bei seinem Amtsantritt taten sich viele Pfarrer in Sachsen schwer mit dem Landesbischof. Er gilt wegen seiner ablehnenden Haltung zur Homosexualität als erzkonservativ und rückwärtsgewandt. Der 1967 in Berlin-Spandau geborene Rentzing kam erst als Erwachsener zum Glauben. Nach dem Studium in Berlin, Frankfurt am Main und Oberursel kam Rentzing 1999 nach Sachsen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
25Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    Distelblüte
    17.10.2019

    @Jemand: Ich würde sagen, ein bisschen von beidem. Die Wahlentscheidung war mit einer Stimme Mehrheit unglaublich knapp. Ich ( und hoffentlich auch die meisten anderen) müssen aber Herrn Rentzing zugestehen, dass er nicht mehr derselbe ist wie vor 30 Jahren. Das sagen auch die Petitionssteller von "Nächstenliebe verlangt Klarheit", die deshalb klare Worte von ihm fordern. Dies hat Herr Rentzing bisher nicht ausreichend getan. Ich hoffe darauf, dass er es nach seinem Urlaub tut.

    @Malleo: Ich weiß um die Gegenpetition. Sie wurde anonym erstellt auf einer Plattform, deren Betreiber ebenfalls anonym bleiben wollen. Deren Text erklärt nicht viel, er wirft mehr Fragen auf. Wer hat die Petition gestartet? Wer unterschrieb sie? (Bei Change.org ist das transparent) Weshalb wird ein Opfermythos konstruiert? Wem nützt es?

  • 2
    1
    Jemand
    17.10.2019

    Distelblüte: "Diese Texte sind der Grund, weshalb Herr Rentzing seinen Rücktritt angeboten hat. Er hat sich bis heute nicht ausreichend und glaubwürdig von dessen Inhalten distanziert."

    Da stellt sich mir wieder die Frage, wie dieser Mann in der Kirche so hoch kommen konnte. Sie hatten geantwortet, weil nicht Glaube, sondern Macht dabei eine größere Rolle spielt. Ich denke aber beides hängt zusammen. Interessant wäre: Hat Rentzing es WEGEN oder nur TROTZ seiner stark konservativen, evangelikalen (Glaubens-)Ausrichtung in der Kirche so weit nach oben geschafft?

  • 1
    3
    Distelblüte
    16.10.2019

    @Malleo: Kein Mensch ist unfehlbar, und auch kein geistlicher Führer wie Luther, Rentzing oder Parzany sollte auf ein Podest gehoben werden, ohne ihn kritisch zu hinterfragen.
    Herr Rentzing weiß das mittlerweile, doch seine Unterstützer, die ihm helfen wollen, möchten unbedingt zu einem großen Mann aufschauen. Das Führerprinzip lässt grüßen. Schauen Sie sich den heutigen Beitrag im Sachsenspiegel in der Mediathek dazu an.

  • 5
    4
    Malleo
    16.10.2019

    distel…
    Schmeißen Sie die Schriften Luthers auch auf den Scheiterhaufen?
    (Türkenbriefe!)

  • 1
    1
    Malleo
    16.10.2019

    distel..
    Es gibt eine Petition für den Verbleib des Bischofs.
    Hier ist sie mit paar Sichtweisen, die Ihnen Antworten geben.
    https://www.citizengo.org/de/pt/174331-fuer-den-verbleib-von-sachsens-landesbischof-dr-carsten-rentzing-im-amt?tcid%3d61117423

  • 3
    4
    Distelblüte
    16.10.2019

    Malleo: Meinen Sie solche Texte Rentzings wie diese hier:

    "In einer Reihe von Aufsätzen drückt er seine Verachtung für die liberale Demokratie aus und vertritt ein autoritär-elitäres und völkisches Staatsverständnis. So schreibt Rentzing, der damals Theologie und Philosophie studierte: "Dass ein Staat, (...) in dem Feigheit vor Tapferkeit, Selbstverwirklichung vor Freiheit, Leben vor Ehre gilt, dem Untergang geweiht ist, dürfte kaum bezweifelt werden."

    Die demokratische Staatsverfassung lege "auf die Freisetzung großer Persönlichkeiten keinen großen Wert. An die Stelle der einsamen Entscheidungen großer Männer setzt man vielfältige Beratungen und Mehrheitsentscheidungen, die letztlich die Nivellierung der Geister fördert". Das demokratische System vermenge "die jeweils klassischen Entartungsformen".

    Rentzing bestreitet zudem die universale Gültigkeit von Menschenrechten und Rechtsstaat: "Die neuzeitliche Frage nach den Menschenrechten ist unprotestantisch", schreibt er 1991 in einem Aufsatz über "Protestantismus und Konservativismus"." ?
    Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/bischof-rentzing-101.html

    Ich habe nur einen Auszug aus dem Artikel kopiert, es gibt im Original noch mehr Zitate. Diese sind übrigens echt. Gefunden wurden sie im Archiv der Deutschern Bibliothek in Frankfurt/M., die zur Archivierung aller deutschen Druckerzeugnisse verpflichtet ist.

    Diese Texte sind der Grund, weshalb Herr Rentzing seinen Rücktritt angeboten hat. Er hat sich bis heute nicht ausreichend und glaubwürdig von dessen Inhalten distanziert.

  • 2
    1
    Jemand
    16.10.2019

    Malleo, was wollen Sie damit sagen?

  • 3
    6
    Malleo
    16.10.2019

    Jemand...
    Was glauben Sie, was alles in der Zeitung steht- und wohlwollend weggelassen wird!

  • 2
    5
    Malleo
    16.10.2019

    distel…
    Ich kenne eine ganze Riege von Politikern in Berlin oder auch hohen Dienern im Vatikan, die keinen Zahnarzt kennen.
    Manche, wie AKK, gehen zwar in eine Werkstatt, um ein Loch zu füllen, nehmen aber kein Werkzeug mit.
    Das schmerzt sehr viele Grundrechtsträger so sehr, dass sie sich einen anderen Zahnarzt aussuchen!
    Das schmerz Sie wiederum, oder?

  • 3
    1
    Jemand
    16.10.2019

    Distelblüte: "Allerdings ist nicht jeder Christ mit konservativen Glaubensvorstellungen ein neuer Rechter. "

    Das stimmt, aber wie Sie auch richtig erwähnen gibt es Schnittstellen und der Übergang ist nahtlos, also schwer auszumachen.

    Distelblüte: "Die Kirche kann das nutzen, um sich zu erneuern und sich klarer als bisher gegen Pegida und Co abzugrenzen."

    Und auch gegen Evangelikale, denn deren (Glaubens-)Ansichten sind nicht mit einem liberalen, aufgeklärten Christentum - welches die Kirche ja angeblich vertritt - vereinbar.

  • 1
    5
    Interessierte
    16.10.2019

    Der läuft doch nicht so richtig mit , der ist doch sehr konservativ , nischwahr ?

  • 3
    3
    Distelblüte
    16.10.2019

    @Jemand: Die sächsische Landeskirche ist besonders mitgliederstark, ca 750.000 Mitglieder, das entspricht ca. 18% der Bevölkerung. Den Begriff Bibelgürtel in Anlehnung an die evangelikalen Christen in den USA, die zu einem Gutteil den Mann im Weißen Haus an der Macht halten, verwende ich auch, wil er ebenso passt. Allerdings ist ncht jeder Christ mit konservativen Glaubensvorstellungen ein neuer Rechter. Aber die afd nutzt gerne die vorhandenen Schnittstellen aus wie das streng hierarchisch geprägte Gemeindeleben, tradtionell patriarchale Familienbilder, an denen nicht gerüttelt werden darf, die Tendenz, sich als Opfer linker Mächte zu betrachten (da wird auch über ehem. BürgerrechtlerInnen der DDR agitiert) usw.
    Rentzings Angebot zum Rücktritt hat ein kleines Kirchenbeben ausgelöst. Die Kirche kann das nutzen, um sich zu erneuern und sich klarer als bisher gegen Pegida und Co abzugrenzen.

  • 1
    1
    Jemand
    16.10.2019

    Distelblüte, könnte einem ja auch egal sein, wenn unsere Gesellschaft dieser Kirche nicht Haufen Geld in den Rachen schmeißen würde. So aber unterstützt die Gesellschaft praktisch, daß "ewiggestrige" (wie Sie es verharmlosend bezeichnen) Macht und Einfluss haben.
    Sachsen wird immer vorgeworfen, besonders rechts zu sein. Falls der Vorwurf stimmt, wäre es mal interessant, inwiefern da der in Sachsen vorhandene Bibelgürtel eine Rolle spielt (dort sind ja Evangelikale mit rechter Tendenz wie Rentzing gut unterwegs).

  • 3
    3
    Distelblüte
    16.10.2019

    @Nemand: Auch in der Evangelischen Landeskirche gibt es ewiggestrige alte, weiße Männer. Ein Bischofsamt zu besetzen ist eine Frage der Macht, nicht des Glaubens.

  • 4
    2
    Jemand
    16.10.2019

    Malleo: Was wird eigentlich Dr. Renzing vorgeworfen?

    Das ist doch in den Medien ersichtlich...?

    Was meiner Meinung nach leider nicht deutlich genug kritisiert wird: Wie konnte so ein Hardliner wie Rentzing, er ist in der evangelikalen Ecke anzusiedeln, so eine hohe Funktion in einer sich aufgeklärt und liberal gebenden Kirche erlangen?

  • 3
    6
    Distelblüte
    15.10.2019

    @Malleo: Ja, ich kenne den Vers und seinen Kontext. So wie er hier benutzt wird, ist es daneben. Zu Rentzing und allen, die einer ahnlichen Situation sind, passt dieser Vers aus dem 1. Brief des Johannes 1, 8.9: "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
    Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er (Gott) treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit."

    Oder um es mit einen profanen Beispiel zu sagen: hast du einen kariösen Zahn und gehst nicht zum Zahnarzt, um ihn reinigen und das Loch füllen zu lassen, so wird er bei jedem Bissen mehr schmerzen. Der Schmerz wird erst weg sein, wenn die Ursache dafür behandelt worden ist.

  • 7
    5
    Malleo
    15.10.2019

    distel
    Sie sind natürlich ohne Sünde, also werfen Sie den ersten Stein.
    Wo das steht wissen Sie sicher.
    Haben Sie außer Hinweisen zu Paulus auch noch substantielle Argumente vorzubringen?
    Und ob es Ihnen reicht, interessiert mich wie umfallender Sack mit Reis in China.

  • 4
    11
    Distelblüte
    15.10.2019

    @Malleo: Es reicht. Ihre Relativierungsversuche sind einfach nur extrem peinlich.
    Herr rentzing hat keinesfalls über konservative Werte nachgedacht, sondern für eine rechtsnationale Zeitschrift, die auch Reichsbürger-Interessen bediente, etliche beschämende Texte geschrieben, die ihm heute aus guten Gründen sehr peinlich sind. Leider hat er bis jetzt noch keine deutliche Distanzierung ausgesprochen.
    Da in den erzkonservativen Ortsgemeinden bereits fleißig an einer Märtyrergeschichte a la Paulus (dem Apostel, der vor seinem Erweckungserlebnis und der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ein glühender Eiferer Christenverfolger war) gestrickt wird, möchte ich dazu folgendes ergänzen: Rentzing ist kein Paulus. Im Gegensatz zu Paulus, der in seinen Briefen (nachzulesen im Neuen Testament) quasi bei jedem Gemeindebesuch offen auf seine Vergangenheit hinwies und damit deutlich machte, wie sehr das Evangelium Lebenswege und Menschen verändern kann, hat Rentzing nicht nur seine Vergangenheit geheim gehalten, sondern erst nachdem es unausweichlich war, nur das zugegeben, was sich nicht mehr leugnen ließ.
    Jetzt so zu tun, als wäre eine große Verschwörung im Gange, ist ignorant.

  • 9
    6
    Malleo
    15.10.2019

    Ich kenne "einige" Vorgänge in der katholichen Kirche, die strafrechtlich relevant sind und sich wie folgt beschreiben lassen:
    "Unter den Talaren ein Puff seit 1000 Jahren."
    Konsequenzen? Keine!
    Was wird eigentlich Dr. Renzing vorgeworfen?
    Vor vielen Jahren hat er über konservative Werte nachgedacht.Und?
    Verboten?
    Joschka Fischer, der Straßenschläger aus den 70 er Jahren:
    " Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen"
    (Pflasterstrand 1982)
    Für den Lobby- Rotweintrinker Konsequenzen?
    Auch für die grün- linke Fraktion gibt es Archive!

  • 9
    1
    Jemand
    15.10.2019

    Hallo Zeitungs, keine Zustimmung zu bekommen stört mich nicht.
    Ich muss aber noch mal richtig stellen: mir ging es in meinem Kommentar nicht um die Kirchensteuer (trotzdem bin ich Ihrer Meinung, dass es nicht i. O. ist, dass der Staat sie für die Kirchen eintreibt). Mir geht es um die Staatsleistungen - also um Geld, was die Kirchen von der öffentlichen Hand geschenkt bekommen. Die Evangelischen Kirchen erhielten allein 2018 fast 29 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen. Von 1993 bis 2019 waren es über 520 Millionen Euro. (Quelle: Antwort der Sächsischen Staatsregierung auf eine große Anfrage der Fraktion DIE LINKE, Seite 40).

  • 6
    4
    Zeitungss
    14.10.2019

    @Jemand: Der Staat als Steuereintreiber für die Kirche, dieses Thema geht hier gar nicht. Ich bin in diesem Zusammenhang hier schon mehrfach kläglich gescheitert, wenn ich auf diesen Zustand auch nur am Rande hingewiesen habe. Erwarten Sie also keine Zustimmung für ihre Feststellung.

  • 14
    5
    Jemand
    14.10.2019

    Tauchsieder: "Jetzt hat die Politik die Kirche erreicht."
    Politik und Kirche waren nie getrennt.
    Der eigentliche Skandal ist, dass der Freistaat Sachsen auch das Bischofsgehalt dieses rechtslastigen Bischofs in Höhe von 8.663,25 Euro über die sogenannten Staatsleistungen mitfinanziert.

  • 12
    9
    Distelblüte
    14.10.2019

    @Franz Udo: Welchen Inhalt die Texte haben, das ist Ihnen bewusst?
    Das ist nichts, was man mal ebenso zur Seite wischen kann. Gut, dass es öffentlich gemacht wurde. Der Rücktritt des Bischofs war die richtige Konsequenz, die ich und Sie und alle anderen respektieren sollten.
    Jetzt kann, wenn die Gemüter etwas abgekühlt sind, ein Neubeginn stattfinden. Auch für Herrn Rentzing.

  • 12
    11
    Tauchsieder
    14.10.2019

    Jetzt hat die Politik die Kirche erreicht. Ich bin auf den ersten roten Bischof gespannt, dabei meine ich nicht seine "Tracht".
    Mal sehen, was das Leben alles noch so bringt.

  • 12
    9
    franzudo2013
    14.10.2019

    Die Moralisten in der Landeskirche merken gar nicht, was sie tun. Sie machen die Kirche ueberfluessig. Ein ähnlicher Prozess wie in der SPD.
    Alle sind Menschen, alle sind fehlbar, alle haben ihre Stärken.
    Sie wie die Veganer dafür sorgen, dass es keine Tiere/ Haustiere mehr braucht, so sorgen die Selbstgerechten dafür, dass es keine Landeskirche mehr braucht.



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