Landesregierung fragt Betriebe um Rat für neues Berufsschulnetz

Ab kommender Woche geht es um die besten Standorte der Zukunft. Löst die neue Koalition ein Versprechen der alten ein?

Gemessen an den eigenen Ankündigungen hätte Sachsens Landespolitik schon längst weiter sein müssen. "Die Berufsschulzentren werden wir zu eigenverantwortlichen Kompetenzzentren weiterentwickeln", hieß es bereits im Koalitionsvertrag 2014. Darin versprachen CDU und SPD nicht nur, "für eine ausreichende Zahl qualifizierter Lehrkräfte" an Berufsschulen zu sorgen, sondern auch, die Planung des Schulnetzes "in Verantwortung des Kultusministeriums in Abstimmung mit den Schulträgern und Partnern der dualen Ausbildung konzipieren" zu wollen.

Eine Landtagswahl später liegt dieses Konzept immer noch nicht vor. Immerhin gibt es inzwischen einen Fahrplan: Kammern und Regierung schlossen im Frühjahr einen "Pakt für duale Ausbildung", der für Anfang 2020 einen Vorschlag über das neue Schulnetz verspricht.

Den Schlüssel zum Erfolg soll eine dreiwöchige Online-Umfrage vom 25. November bis zum 13. Dezember mit rund 20.000 Teilnehmern liefern - darunter neben den Schulträgern auch alle sächsischen Betriebe, die gegenwärtig dual ausbilden. Im Auftrag des Kultusministeriums bittet das Zentrum für sozialwissenschaftliche Methoden der TU Dresden um Einschätzungen zur Qualität der Ausbildung, zu Mobilität und Unterbringung sowie zu Leitlinien der Schulnetzplanung, wie Ministeriumssprecher Dirk Reelfs mitteilt. Abgestimmt worden sei der Fragebogen auch mit den kommunalen Spitzenverbänden.

Schon einmal hatte die Regierung die direkt Betroffenen über eine groß angelegte Online-Umfrage einbezogen. Als es 2018 um die Kita-Betreuung ging, wurden Erzieher und Eltern befragt. Bei der Berufsschulumfrage bleiben die Auszubildenden außen vor - anders als von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im März angekündigt.

Zur Begründung auf den Verzicht heißt es, dass die Betriebe sicher auch im Interesse der Azubis antworten. Bei der Planung gehe es um langfristige Schulstrukturen, während Azubis nur zwei bis drei Jahre im System seien. Zudem sei eine Aufstockung der Umfrage-Teilnehmerzahl nicht möglich, wenn der Planungsprozess wie geplant 2020 abgeschlossen werden soll. Auch so könne das nur dann gelingen, wenn die gewünschte Datengrundlage unmittelbar nach Abschluss der Regierungsbildung der aktuell noch verhandelnden Kenia-Parteien vorliegt. Organisation und Auswertung der Umfrage seien deshalb "ein extrem ehrgeiziges Projekt", sagt Reelfs.

Eile tut derweil auch aus Sicht der Wirtschaft Not. Sachsens Handwerkstagspräsident Roland Ermer erwartet im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD eine "klare Aussage", ab wann der zentrale Berufsschulnetzplan "praktisch greifen" werde. Allen Beteiligten ist klar, dass sich die Zahl der bisher 61 Beruflichen Schulzentren mit knapp 4000 Lehrern verringern wird. Dies könnte auch zwischen Landräten zu Konflikten führen. Ermer hätte weniger Probleme mit Internatsunterbringungen als mit falschen Prioritäten bei der Standortauswahl. Dabei dürfe der ländliche Raum keinesfalls vernachlässigt werden, warnt er. "Die S-Bahn fährt nicht nur von Bautzen nach Dresden, sondern auch von Dresden nach Bautzen."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...