Landtagswahl 2019: Blaues Ostsachsen, schwarzes Westsachsen?

Laut einer aktuellen Prognose würde die Union nur 30 der 60 Wahlkreise holen - und 26 an die AfD verlieren

Dresden.

In den 1990er-Jahren war es noch ganz einfach: Wen Sachsens CDU erst einmal als Direktkandidaten aufgestellt hatte, dem war der Platz im Landtag sicher. 1990, 1994 und 1999 gewannen ausnahmslos alle Kandidaten der Union ihre Wahlkreise - zum Leidwesen der chancenlosen Konkurrenz.

Bei den darauffolgenden drei Landtagswahlen änderte sich das Bild nur geringfügig: 2004 verlor die CDU vier der 60 Wahlkreise an die damalige PDS und einen an die SPD. 2009 verteidigte die neue Linke zwei Wahlkreise - in Chemnitz und Leipzig. 2014 reichte es noch für einen im Leipziger Süden - alle anderen 59 sind seitdem wieder in CDU-Hand.

Ein Zustand, der sich zumindest einer neuen Prognose zufolge 2019 in einem hierzulande unbekannten Ausmaß ändern könnte. Nach einer Analyse der Internetplattform "Wahlkreisprognose.de" liegt die Union derzeit in 30 Wahlkreisen vorn. 26-mal ist die AfD in Führung, viermal die Linke. "Wahlkreisprognose.de" greift dafür nicht auf eigene Erhebungen zurück, sondern vertraut einem Berechnungsverfahren, das neben demoskopischen Trends und historischen Wahlergebnissen auch Extradaten von Meinungsforschungsinstituten sowie die Sozialstruktur berücksichtigt.

"Wir gehen davon aus, dass sich die Zugewinne der AfD zur Bundestagswahl auch bei der Landtagswahl bemerkbar machen werden. Dazu kommt, dass seitdem der bundesweite Trend für die AfD nach oben zeigt, der für die Union aber nach unten", sagt Valentin Blumert.

Der 23-Jährige ist der Gründer von "Wahlkreisprognose.de" und eigentlich Germanistik-Student, arbeitet aber nebenbei für ein Meinungsforschungsinstitut. Seine Auswertungen bietet er seit Frühjahr 2017 an, seine Zielgruppe sind vor allem Parteien und Kandidaten.

Die sind in Sachsen für 2019 bislang noch gar nicht aufgestellt worden - ob ein seriöser Wahlkreistrend da überhaupt möglich ist? Blumert bejaht das: "Hinter dem sogenannten Kandidateneffekt steckt oftmals ein Mythos. Dass ein Kandidat überdurchschnittlich viel besser abschneidet als seine Partei, kommt auch bundesweit kaum vor." Was er hingegen wirklich zum jetzigen Zeitpunkt für unmöglich hält, ist eine Aussage zu Frauke Petrys Blauer Partei. "Die ist für uns ein herausfordernder Faktor - da fehlen uns einfach die Umfragewerte." Aber auch grundsätzlich gelte, dass die Mehrheitsverhältnisse in den meisten sächsischen Wahlkreisen "extrem knapp" seien.

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17Kommentare
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  • 8
    3
    Freigeist14
    17.08.2018

    Blackadder@ auch wenn Gauland beim Thema "Rente " rumgestampelt hat -die AFD hat sehr wohl ein Rentenkonzept. Nur wird man da erstaunlich einsilbig,damit der Wähler nicht so zuhört . Meuthen sprach klar vom Ausbau der privaten Vorsorge -dem Kniefall vor der Finanzwirtschaft. Denn wenn sich jeder selbst hilft ist allen geholfen.Neoliberale Politik ,die das Solidarprinzip weiter aushöhlen soll.

  • 4
    4
    franzudo2013
    17.08.2018

    Die sächsische Union, insbesondere Herr Kretschmer, sind aktiv und sehen meiner Wahrnehmung nach den Ernst der Lage. Allerdings kommen aus Berlin taeglich schwere Fouls und ausserdem müssen sie noch einen versetzungsgefaehrdeten Koalitionspartner mitschleppen. Das kostet Kraft, die am Ende fehlen kann.

  • 3
    3
    franzudo2013
    17.08.2018

    Demokratietheoretisch sind mir Meinungsäußerungen und Demonstrationen lieber als gelenkte und abgeschirmte Diskussionsrunden der Kanzlerin.
    Die Anderen ... regieren gerade, direkt und indirekt, da sind die Ergebnisse sichtbar. Ob man das Konzept nennt, wenn einfach rentenversicherungsfremde Leistungen mit vollen Händen verteilt werden, darüber lässt sich streiten .....

  • 5
    5
    Blackadder
    17.08.2018

    @franzudo: Einfach zurückfrage: Und die anderen? ändert nichts daran, dass die AfD als einzige Partei kein Rentenkonzept hat. Oder irgendwelche zukunftsfähigen Ideen für andere Probleme. Die anderen Parteien haben das durchaus, dazu muss man halt mal in die Programme schauen.

    Zudem hat die sächsische CDU eine Koalition mit der Linkspartei kategorisch ausgeschlossen. Sie behaupten also Unwahrheiten.

    Man hat ja in Dresden gestern gesehen, dass es für die besorgten Bürger einfacher ist "Volksfahrräder" zu brüllen und Buttersäure zu werfen als wirklich konstruktiv zu diskutieren.

  • 9
    3
    franzudo2013
    17.08.2018

    @blackadder: um Lösungen zu finden, muss man zuerst das Problem erkennen. Die CDU will mit den Linken koalieren, damit sie um jeden Preis an der Macht bleibt. Wozu braucht jemand Macht, der Probleme ausblendet, nichts gestalten kann und will. Welche Ideen haben Sie?

  • 5
    7
    Blackadder
    17.08.2018

    @franzudo: Und was kann die AfD bei den Problemen, die Sie aufzählen, leisten?

    (Soli, BER, Energiewende, Feststellung von Alter und Identitäten, Renten...),

    Energiewende: Klimaschutz gibt es nicht!!!
    Renten: haben wir kein Konzept!!!

    Zum Rest wüsste ich auch nicht, was die AfD da tun sollte?! Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren....

  • 15
    10
    franzudo2013
    16.08.2018

    Auch Westsachsen wird noch blau werden, denn ein Ende der katastrophalen Merkel - Politik ist nicht erkennbar. Dieser Staat macht sich lächerlich. Selbst nichts auf die Reihe bringen (Soli, BER, Energiewende, Feststellung von Alter und Identitäten, Renten...), aber in der halben Welt Fluchtursachen bekämpfen wollen. Da lachen ja die Hühner!

  • 11
    16
    SimpleMan
    16.08.2018

    @acjw Welcher Schaden ist Ihnen konkret durch die Politik von CDU, SPD, Linke und Grüne entstanden? Ist das eine Wahlempfehlung für die FDP?

  • 14
    8
    30april
    16.08.2018

    Richtig, UK13: "...frage ich mich was abwertend sein soll wenn man geltendes Recht praktiziert,nämlich eine konsequente Abschiebung von nicht Schutzbedürftigen und kriminellen Ausländern."
    So war am Di der FP zu entnehmen, dass in Chemnitz 1/3 der Sexualstraftaten von Ausländern (Anteil 7,6%) und 2/3 von Deutschen (Anteil also 92,4%) kommt. Dies ergibt eine um das mehr als 6-fache höhere Ausländerkriminalität bei Sexualstraftaten !!!
    Und was die Gesamtkriminalität in Zwickau betrifft - siehe gestrige FP -, so glaubt der Polizeisprecher erklären zu müssen:
    "Der Polizeistatistik zufolge sind aber Asylbewerber für den größten Teil der Straftaten gar nicht verantwortlich. "Bei nur einem Viertel der Taten haben wir es mit nicht-deutschen Tatverdächtigen zu tun", sagt Wurdak. In drei von vier Fällen sei der Übeltäter deutsch."
    Aber lt. Zwickau-Statistik wohnen nur 5,4% Ausländer in Zwickau.
    Und nun rechnet mal: 5,4% sind für 25% der Verbrechen zuständig - und 94,6% für 75%.
    Insofern ist die Polizeiaussage ein regelrechtes Veralbern der Zwickauer.

  • 11
    11
    Freigeist14
    16.08.2018

    acwj @ wenn Sie schon mehr Geist erwarten ,warum verschweigen Sie ,in welchen Parteien die führenden Parteistrategen der AFD vorher A U C H Deutschland schwer und nachhaltig geschadet haben ? Oder wollen Sie hier das Märchen der unschuldigen Polit-Neulinge ,mit dem Herz am rechten Fleck, erzählen ?

  • 9
    11
    Freigeist14
    16.08.2018

    SimpleMan@ bringt es auf den Punkt : Auch ein UK13 weiß sehr wohl,welche randalierenden und vulgär krakeelenden "Wutbürger " Siegmar Gabriel meinte. Es erstaunt immer wieder : bei Thema Rente, fehlende Lehrer ,Abwanderung oder der Schere zwischen Arm und Reich - die Kommentare kann man an einer Hand abzählen.Doch beim Thema arme,unverstandene Bewahrer des Abendlandes wird es hier lebendig.

  • 16
    16
    acjw
    16.08.2018

    was wirklich erschreckend ist ?!
    Es heißt ja, der Sachse ist helle.
    Und dann muß man lesen, daß es in Sachsen immer noch Wahlkreise gibt, wo der "helle" Sachse diesen linksrotgrünen Einheitsbrei wählt.
    Klar ist es schwer einzugestehen, dass CDU, SPD, Linke und Grüne diesem, noch unserem Deutschland schwer und nachhaltig geschadet haben. Aber wenigstens vom Steuer zahlenden Wähler erwarte ich mehr Geist, um das zu begreifen und bei Wahlen abzustrafen.

  • 15
    13
    SimpleMan
    16.08.2018

    @UK13 Als "Pack" wurden die Randalierer von Heidenau durch Sigmar Gabriel bezeichent, welche mit Steinen und Flaschen Flüchtlinge und Polizisten angegriffen haben. Wenn Sie diese Bezeichnung nun, als AfD-Sympathisant, für alle AfD-Anhänger übertragen, dann scheinen Sie diese Form des Protestes nicht grundsätzlich abzulehen oder Sie fühlen sich mit den Steinewerfern verbunden.

  • 16
    13
    UK13
    16.08.2018

    @SimpleMan:zum einen wurden eben genau die Andersdenkenden und gegen die Verfehlungen der Regierung Protestierenden seitens ehemaliger Politiker als "Pack" und "Nazis"beschimpft zum anderen frage ich mich was abwertend sein soll wenn man geltendes Recht praktiziert,nämlich eine konsequente Abschiebung von nicht Schutzbedürftigen und kriminellen Ausländern.(so versprach es einst Frau Merkel)Und ja,ich freue mich auf die nächste Landtagswahl in Sachsen.....:-)

  • 21
    14
    SimpleMan
    16.08.2018

    @UK13 Die Hetze gegen alle Andersdenkenden, die Beschimpfung von Wählern als links-grün-versiffte Gestalten, abwertende Urteile gegen alle Ausländer als Wiederherstellung von Recht und Ordnung zu bezeichnen, ist wesentlich dreister.

  • 15
    29
    UK13
    16.08.2018

    @Blackadder,Bürgermeinung und Bürgerwille,nämlich den Wunsch sich von haarsträubender Politik zu trennen,Recht und Ordnung wieder herzustellen in einem Land welches sich zunehmend in Europa isoliert als rassistisch zu bezeichnen ist mehr als dreist.

  • 30
    23
    Blackadder
    16.08.2018

    Es ist wirklich traurig. 26 Direktmandate an eine Partei, bei der nach allem was in den Monaten seit der BTW passiert ist, wirklich niemand mehr zweifelt, dass es sich um eine rechtsextreme, rassistische Partei handelt, die dazu noch keinerlei Lösungen für die drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit anbietet.

    Wer das immer noch leugnet muss wirklich die letzten Monate komplett geschlafen haben. Eine kleine Auswahl an repräsentativen Zitaten hoher AfD Funktionäre findet sich auf www.wir-sind-afd.de - und diese Zitate zeichnen ein eindeutiges Bild der Partei. es sind ALLE hochrangigen AfD Parteifunktionäre dabei, es kann also keiner sagen, es seien Einzelmeinungen, denn das stimmt so nicht.

    Auch stimmt es nicht, dass nur Protestwähler die AfD wählen und denen die politische Ausrichtung egal ist. Eine neue Studie zeigt, dass sich AfD-Wähler nur in einem eizigen Punkt von Nicht-AfD-Wählern unterscheiden: der ausgeprägten Fremdenfeundlichkeit:

    http://www.belltower.news/artikel/afd-unterst%C3%BCtzerinnen-sind-nicht-abgeh%C3%A4ngt-sondern-rassistisch-14080

    "Abgehängt? Besorgt? Ernstzunehmende Ängste? Erklärungsversuche für den politischen Backlash in Form der AfD-Wähler*innenschaft gibt es viele. Eine Studie des German Socio-Economic Panels zeigt jedoch: AfD Wähler*innen unterscheiden sich primär nur in einer einzigen Eigenschaft von Nicht-AfD-Wähler*innen. Sie denken, dass Geflüchtete die deutsche Kultur untergraben und dass durch Zuwanderung die Kriminalität wächst. Kurz, sie sind rassistisch."

    Wer eine rassistische Partei wählt, unterstützt offen deren Weltbild. Es ist für mich erschütternd zu sehen, dass dies offenbar ein großer Teil der Sachsen tut.



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