Landwirte in Sachsen entdecken die Blumenwiesen

Weil der Fördertopf für Blühstreifen aufgebraucht ist, legen erste Bauern auf eigene Kosten Wiesen an. Der Umweltminister fordert mehr Engagement - auch von den Bürgern.

Großschirma.

Noch ist nicht viel zu sehen auf dem Feld in Langhennersdorf bei Freiberg, auf dem Gunther Zschommler erstmals eine Blühmischung gesät hat. Der Acker, der zum Blühstreifen wird, ist noch "nackig", hier und da sprießen aber schon Pflänzchen. Perser- und Alexandriner-Klee sollen hier wachsen, ebenso Sonnenblumen, Sommerwicken, Borretsch und Berzelia. In voller Blüte wird der Acker erst im Sommer stehen, schätzt der Landwirt ein, der im Nachbarort Großschirma seinen Hof hat. Und das ist auch so gewollt: "Wir brauchen Blühbänder über die ganze Vegetationsperiode hinweg", sagte Manfred Uhlemann, Hauptgeschäftsführer beim Landesbauernverband. Der Bauernverband hatte den Freitag zu seinem bundesweiten Aktionstag "Wir machen das Land bunter" erklärt.

Zschommler hat den 1,25 Hektar großen Schlag auf eigene Kosten aus der Bewirtschaftung genommen und das Saatgut finanziert. Er steht damit nicht allein da. Nach Aufrufen des Verbandes an die Bürger, sich als Bienenpaten an der Finanzierung der Blühflächen zu beteiligen, haben mehrere Betriebe in der Region Flächen angelegt - ohne dass dafür Fördergeld fließt. Doch das Patenschaftsmodell funktioniere nur richtig in Stadtnähe, in dörflichen Regionen sei es schwierig. Auch bei Zschommler blieb die Resonanz aus, nur ein älterer Herr meldete sich.

Sachsens Landwirtschafts- und Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), der sich Zschommlers Blühfläche anschaute, forderte die Sachsen auf, sich stärker zu engagieren: "Ich wünsche mir noch mehr solcher Projekte!" Dem Thema Artenschutz müsse man sich stellen, das gehe aber nur im Miteinander. In der Landwirtschaft gebe es sicher noch Punkte, wo nachgesteuert werden müsse, es habe sich aber in den letzten Jahren auch schon viel getan.

Das Land selbst unterstützt auch mithilfe von EU-Geld das Anlegen solcher Blühstreifen. Rund 11.000 Hektar auf 2700 Flächen werden gefördert. Die Betriebe erhalten 831 bzw. 835 Euro je Hektar für eine ein- oder mehrjährige Fläche. Doch derzeit ist der Fördertopf ausgeschöpft.

Der Minister betonte, dass auch Privatleute aktiv etwas tun könnten für den Artenschutz. Er verwies auf das Projekt "Puppenstuben gesucht - Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge", bei dem man die Pflege einer Wiese übernehmen kann. Das wird dann im Internet dokumentiert. Das Interesse sei riesengroß, so Schmidt. Rund 300 Meldungen für solche Wiesen sind registriert. Das Ministerium schätzt, dass dies in Summe eine mittlere zweistellige Hektarzahl ausmache. Schmidt kündigte zudem ein Insektenschutzkonzept an. Es werde zusammen mit Interessengruppen aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen erarbeitet. Es gehe darum, deutlich zu machen, "was schon läuft und was noch machbar ist". Im Juni soll das "Handlungskonzept Insektenvielfalt" vorgestellt werden.

Sachsens Grüne warfen Schmidt derweil vor, zu wenig zu tun. "Guten Morgen, Herr Umweltminister! Ich freue mich, dass Sie nun den engen Zusammenhang von Artenschutz und Landwirtschaft erkannt haben", erklärte der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Wolfram Günther. Es brauche aber keine Appelle ans Gewissen der Landwirte, sondern Programme für mehrjährige Blühstreifen, die einen Anreiz böten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die aktuelle Förderpraxis führe dazu, dass auf einem Großteil der Flächen mit dem Ende der Blühperiode die Blühflächen wieder entfernt und damit die Lebensräume für Insekten zerstört würden.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Interessierte
    18.05.2019

    Das sieht schön aus , das sieht man kaum noch ....
    Da gab es doch mal den Film , da ging es irgendwie um Menschenfleisch und um Kekse und die ´Oberen´ aßen nur noch die Erdbeermarmelade und vor dem Sterben sah man zum ´einschlafen` einen Wald-Tier-Film ...
    Die Frau Diestel/Blackadder weiß sicherlich , welchen ich meine ...

  • 4
    0
    DTRFC2005
    18.05.2019

    In diesem Zusammenhang wünschte ich mir ein Umdenken bei vielen älteren Kleingärtnern, denen ein akurates Beet und die ebenso auf den Millimeter genau beschnittene Hecke lieber ist, als die Natur in ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren.



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