Landwirtschaftsminister appelliert gegen Hamsterkäufe

Im Edeka-Logistikzentrum herrscht Hochbetrieb. Wegen der Coronavirus-Krise muss ein ungeplanter erhöhter Bedarf in Supermärkten gedeckt werden. Versorgungsengpässe soll es nicht geben. Minister Günther appelliert zu bedarfsgerechtem Einkauf.

Berbersdorf (dpa) - Das Toilettenpapier steht versandfertig in Rollcontainern und auf Paletten. «Es ist alles da», sagt Ulrich Günther, Betriebsleiter im Zentrallager der Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen in Berbersdorf (Landkreis Mittelsachsen). Leere Regale wie zuletzt in Supermärkten gibt es hier nicht. Die Coronavirus-Krise hat aber auch Auswirkungen auf das hochmoderne Logistikzentrum. «Wir haben derzeit einen Bedarf wie an Weihnachten und Ostern zusammen», sagt der Geschäftsführende Vorstand Rainer Kämpgen.

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther lässt sich an diesem Mittwoch die Abläufe erklären. «Ich bin der Versorgungsminister», sagt der Grünen-Politiker. Deswegen habe er sich mit eigenen Augen davon überzeugen wollen, dass die Versorgung für die Menschen gesichert sei. «Wenn es zu Versorgungsengpässen kommt, dann nur, weil über den Bedarf eingekauft wurde», stellt er klar.

Günther nutzt die Gelegenheit und appelliert einmal mehr, Hamsterkäufe zu unterlassen. «Das Plädoyer ist, nicht mehr zu kaufen als man braucht und verbraucht, um nicht Notlagen zu schaffen, die es nicht gibt», sagt er eindringlich. Alles andere sei ein unsolidarisches Verhalten. «Optisch machen wir uns eine Notsituation, die es gar nicht gibt», betont Günther.

In den riesigen Hallen mit einer Fläche von 49 000 Quadratmetern gleich neben der Autobahn A4 herrscht Hochbetrieb. Lkw fahren an der einen Seite an die Entladerampen, auf der anderen Seite verlassen beladene Trucks wieder das Gelände - durchschnittlich 600 bis 700 Lkw-Bewegungen pro Tag. 2019 wurden in Berbersdorf laut Unternehmensangaben mit 49 Millionen Verpackungseinheiten (Colli) 542 Millionen Euro umgesetzt.

Rund 380 Mitarbeiter sind in dem Logistikzentrum beschäftigt. Wegen der hohen Nachfrage wird in Berbersdorf zurzeit auch samstags bis 22 Uhr statt wie normal bis 14 Uhr gearbeitet. «Wir haben keine Knappheitssituation», beteuert Kämpgen. Es gehe nur um das Problem der logistischen Abwicklung.

Am Mittwoch herrschte am Grenzübergang zu Polen in Ludwigsdorf (Kreis Görlitz) auf der Autobahn A4 ein Stau von bis zu 60 Kilometern Länge. Auch die Lieferanten für und aus Berbersdorf steckten dort fest. «Im Moment haben wir deswegen Schwierigkeiten, die Märkte im Raum Görlitz zu beliefern», bestätigt Kämpgen.

H-Milch, Toilettenpapier, Suppen mit Gemüse, Küchenrollen - das sind zurzeit die Renner. «Im Moment ist es das Doppelte von den Normalmengen», sagt Betriebsleiter Günther. Insgesamt werden vier Sortimente unterschieden: Trocken, Feinkost, Tiefkühl sowie Obst und Gemüse. «Die Mengen sind in allen vier Sortimenten angestiegen», berichtet er. «Die Ware ist da, und sie kommt weiter», sagt er beschwichtigend.

Frank Ziegler weiß um die Nöte in den Läden vor Ort aus erster Hand. Er ist Mitinhaber zweier Märkte in Chemnitz und Brand-Erbisdorf (Mittelsachsen). «Wir führen Diskussionen darüber, warum Kunden nur einmal Toilettenpapier bekommen», berichtet er. Das koste Zeit und Nerven. «Wenn jeder im Verhältnis kauft, hätten wir keine Probleme.»

Ihn plagt wie auch andere Einzelhändler, dass er nicht genügend Personal hat, um die Regale schnell genug wieder zu bestücken. «Die Mitarbeiter fehlen», sagt er. Ziegler wünscht sich, dass die Menschen die ganze Woche zum Einkaufen nutzen und nicht nur die Zeit kurz vor dem Wochenende. «Wir leben in harten Zeiten, aber gemeinsam ist das schaffbar», verkündet er zuversichtlich.


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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
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    Einspruch
    19.03.2020

    Doch, heute gab es etwas Klopapier im Markt um die Ecke. Wir haben nur eine Packung gekauft, weil es eben alle war und wir nicht hamstern wollen. Aber es stürzte sich ausgerechnet die Risikogruppe panisch auf uns und fragte, wo, wo liegt es? Ist noch was da? Ausgerechnet die Gefährdetsten lassen jeden Anstand und Abstand vermissen und drängeln sich todesmutig anderen auf und hauchen einen an. Selbst wenn man um etwas Zurückhaltung bittet, weil es einem zu aufdringlich und unangenehm auch ohne Virus ist, lassen die nicht locker. Wahrscheinlich ist Klopapier ab einem gewissen Alter das einzig wichtigste. Liebe Rentner, lasst euch was bringen und bleibt zu Hause, rennt nicht den ganzen Tag durch Läden, wegen Euch wird doch der ganze Zirkus (hauptsächlich), veranstaltet. Für den Notfall tut es auch der Waschlappen. Und alle Einkäufer, (-innen), hackt nicht auf den Verkäuferinnen rum und haltet mal Abstand.

  • 3
    0
    ChWtr
    19.03.2020

    Jeverfanchemnitz: irgendwann sollte das Toilettenpapier in den Hamsterbauten so angereichert sein, dass kein Platz mehr vorhanden ist. Erst dann gibt es wieder ausreichend Papier. Wenn der Markt (das Stille Örtchen) gesättigt ist, ist zu wünschen, dass endlich Vernunft einzieht. Zieht Vernunft ein? Oder sind wir jetzt alle Italiener wegen der Unmengen an Nudeln und Spaghetti?

  • 3
    0
    jeverfanchemnitz
    19.03.2020

    Die Welt wird immer dümmer. Bevor man etwas tut sollte man doch nachdenken. Das geschieht offensichtlich immer weniger. Nachmachen, nachplappern, und das auf ungeprüften Quellen meist auf irgend einem Bildschirm. Der Kopf wird immer weniger eingeschalten. Hauptsache ich. Und das insbesondere im überalterten Chemnitz. Heute in keinem Laden im Heckert mehr Toipa zu kriegen. Nicht zu fassen.

  • 8
    0
    Hinterfragt
    19.03.2020

    Ich finde es so was von asozial, dass es noch immer Leute gibt, die nur ans eigene Wohlbefinden denken.
    Da werden über den Tag die Regale leer gekauft und die, welche das Leben am laufen halten, sehen am Abend, wenn diese erst in den Supermarkt kommen, nur noch leere Regale.

    Man fragt sich, warum dieses asoziale Verhalten?
    Haben sich diese Leute z.B. den Hintern übers Jahr sonst mit der Hand abgewischt, dann sonst gab es immer Klopapier.

    Es ist erschreckend, die Leute, welche sich zurückhalten und wirklich nur den Bedarf einkauften und einkaufen, sind nun die "angearschten"!