Leerstand in Sachsen nimmt zu - Sanierte Platten sollen fallen

Die Landesregierung fordert den verstärkten Abbruch auch renovierter Plattenbauten. Die kommunalen Wohnungsunternehmen wehren sich.

16Kommentare

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    Interessierte
    25.02.2015

    Hier sind doch die Fotos mit der Palmstraße ...

    Vor zehn Jahren hat Liebmann in der Chemnitzer Palmstraße auf dem Sonnenberg ein altes Gründerzeitgebäude ersteigert, fünf Stock hoch, mit schönen Gauben, Fassadenschmuck, verzierten Gesimsen.

    Zuvor hatte es Investoren gehört. 250.000 D-Mark hatten die für den maroden Kasten, auf dessen Dach "Bäume" wuchsen, 1999 hingelegt.

    Doch dann kamen Bagger, rissen Eckhäuser weg, schlugen Lücken. Allein seit 2000 sind - rund 70 Gründerzeitgebäude - mit 764 Wohnungen auf dem Sonnenberg gefallen.

    80 Prozent davon gehörten dem größten Chemnitzer Hausbesitzer, der kommunalen Wohnungsgesellschaft GGG.
    Die GGG hat nach der Wende viele ihrer Altbauten sich selbst überlassen - oder eingeebnet

    ( und warum machen die nichts ???

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    gelöschter Nutzer
    28.07.2014

    "Unabhängig davon hat die Einwohnerentwicklung nicht unbedingt damit zu tun wo bei der Stadtentwicklung/Sanierung von Gebäuden und Wohngebieten der Schwerpunkte gesetzt werden. Die Stadtentwicklung sollte vom Zentrum/Stadtkern ausgehen und nach außen fortsetzen."
    -- Das ist ja alles richtig, nur eine nicht umsetzbare Forderung. Wenn die Leute zahlreich und mehrheitlich in ihrem angestammten Wohngebieten bleiben wollen, wird das die Politik (zum Glück) nicht verhindern können. Politiker, die die Menschen indirekt zum Umzug zwingen wollen, werden ganz schnell abgewählt. Dieses Vorhaben wäre ganz schnell vom Tisch.

    "Desweiteren war die Einwohnerentwicklung über einen langen Zeitraum absehbar."
    -- Auch das ist richtig. Die meisten Renovierungen begannen aber in den frühen 90er-Jahren. Als langsam klar wurde wohin sich der Osten entwickelt, war das meiste schon saniert. So klar, wie Sie schreiben, war die Entwicklung des Ostens meiner Meinung nach lange nicht. Man ging ziemlich lange davon aus, dass sich der Osten erholt, bzw. die Politik wollte diesen Eindruck erwecken. (Die Leute wären stutzig geworden, wenn man ihnen 1994 gesagt hätte: "Ziehen Sie bitte in die Innenstadt, wir reißen das hier ab, in zehn Jahren leben in Chemnitz nämlich deutlich weniger Menschen.") An die Tatsache, dass die abgewanderte Bevölkerung nicht mehr zurück kommt und der Osten wirtschaftlich auf lange Zeit schwächer sein wird als der Westen, haben wir uns erst Ende der 90er wirklich gewöhnt und seit dem wird auch anders gearbeitet. Nun wird abgerissen; und zwar die leeren Gebäude, weil man auch heute die Leute nicht aus ihren Wohnungen vertreiben kann, wenn sie nicht wollen. Die meisten leben offensichtlich lieber in einer ruhigen Wohnung im Grünen, am Stadtrand, auch wenn es hinter einer Plattenbau-Fassade ist, und nicht hinter einer Gründerzeitwand, vor der eine laute Straße entlangführt aber der nächste Baum 500m entfernt steht.
    Die Politik muss sich da andere Lösungen ausdenken.

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    gelöschter Nutzer
    27.07.2014

    an 744909: Sehr gut die Ursachen der Probleme des Sonnenbergs genannt: Zu wenig grün, schlechte Nahversorgung und zusätzlich wahrscheinlich auch der Straßenlärm. -> Gegenmaßnahmen wünschenswert, weil es durchaus ein schickes Wohnviertel sein könnte.

    Ich wohne in einem innenstadtnahen Gebiet. Meine Ansichten rühren daher, dass ich an ästhetischer Architektur und einer urbanen Stadt interessiert bin, woran es in Chemnitz aber großteils fehlt.

    Desweiteren war die Einwohnerentwicklung über einen langen Zeitraum absehbar. Trotzdem wurden weiter fröhlich Platten saniert. Unabhängig davon hat die Einwohnerentwicklung nicht unbedingt damit zu tun wo bei der Stadtentwicklung/Sanierung von Gebäuden und Wohngebieten der Schwerpunkte gesetzt werden. Die Stadtentwicklung sollte vom Zentrum/Stadtkern ausgehen und nach außen fortsetzen..

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    gelöschter Nutzer
    07.07.2014

    @kauzvonhier: "Der Kassberg gilt immer als Vorzeigeviertel, obwohl er prinzipiell eine ähnliche Bebauung wie der Sonnenberg aufweist." - Der Unterschied liegt da wohl im Detail. Wenn ich die grüne und baumreiche West- und Barbarossastraße mit der baumlosen und trostlosen Fürstenstraße vergleiche, weiß ich, warum die Leute auf den Kaßberg ziehen.

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    gelöschter Nutzer
    07.07.2014

    @kauzvonhier: "Ein Grundproblem ist, dass nach der Wende viel zu viele Plattenbauten am Stadtrand saniert wurden, sodass es heute ein ÜBERANGEBOT solcher Wohnungen gibt. " - Das wissen Sie jetzt! Um 1995, und da wurden die meisten Platten saniert bzw. die Sanierung geplant, also vor 20(!) Jahren, wusste noch keiner, dass die Städte im Osten derart schrumpfen würden. Rückblickend ist man immer schlauer. Wenn die GGG und die anderen Großvermieter damals gewusst hätten, dass sie zu viele Häuser renovieren, hätten sie das niemals gemacht. Renovierungen kosten nämlich viel Geld, auch wenn es damals großzügige Zuschüsse gab. Man ging aber davon aus, dass der Osten 20 Jahre nach der Wende auf Westniveau sein wird, die Städte sich wieder füllen und die Wohnungen gebraucht werden. Man hat einfach unter völlig anderen Voraussetzungen geplant. Rückblickend war das zwar falsch; aber die Zukunft kennt nun mal keiner.

    "Der Kaßberg gilt immer als Vorzeigeviertel, obwohl er prinzipiell eine ähnliche Bebauung wie der Sonnenberg aufweist." - Der Kaßberg hat, zumindest wenn man durchfährt eine deutlich angenehmere Atmosphäre. Der Sonnenberg ist mittlerweile so was von tot und verkommen; das kann man auch kaum reparieren. Dort zieht keiner hin, der nicht muss. Wohnungen gibt es in Chemnitz genug, in deutlich attraktiverer Umgebung. Nur weil der Sonnenberg näher am Zentrum liegt, als beispielsweise Gablenz, wird er für Mieter nicht attraktiv. Die Häuser mögen größtenteils zwar alt sein, die meisten sind aber auch architektonisch kaum von Wert - Chemnitz war schon keine reiche Stadt, als das alles gebaut wurde. Da wird man vieles einfach abreißen müssen - oder es fällt in 20 Jahren von allein zusammen (siehe Marmorpalast). Man kann nicht den Brühl, den Sonneberg usw. Wiederbeleben ohne Menschen. (Der Brühl wäre für die Stadt wahrscheinlich auch wichtiger.) Da ist es billiger eine Zufahrtsstraße nach zB.: Gablenz zu erhalten und den Rest der Natur zu überlassen.

    Die Innenstädte vieler größerer Städte sind auch nicht belebt, weil dort so viele wohnen würden. Sie sind belebt, weil die Leute dorthin zur Arbeit gehen und es abends Kneipen gibt und Veranstaltungen (über die sich die Leute dann wieder beschweren würden, wenn sie dort wohnen). Was sollte einen hindern aus dem Heckert oder Gablenz dorthin zu gehen; das dauert keine 15 Minuten (auch mit der CVAG nicht). Vom Sonnenberg ist man auch nicht schneller in der Innenstadt und urbane Züge hat der Sonnenberg auch nicht mehr. Kaum Läden, schlechte Nahversorgung, über zu viele Jahre zu viele Einkommensschwache auf einen Haufen, usw.. Wer soll dahin ziehen und warum soll man das auf Krampf retten und vor allem: Mit welchem Geld?

    Wohnen Sie eigentlich in der Innenstadt oder in einem der "tollen" innenstadtnahen Gebiete? Meist wohnen Leute, die die Platte loshaben wollen und die Leute in schlechte innenstadtnahe Wohngegenden zwingen wollen, erstaunlicherweise in einem netten kleinen Häuschen, ganz am Stadtrand, in Ruhe und im Grünen.

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    Pixelghost
    06.07.2014

    Dreckige Wände, abgelagerte Möbel oder ein wöchentlich versauter und nicht benutzbarer Fahrstuhl - das alles wollen private Vermieter nicht. Und Mieter in diesen Häusern auch nicht.

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    Pixelghost
    05.07.2014

    Also ich wohne in einer Platte. In meinem Umfeld wohnen hauptsächlich alte Menschen und sozial Schwache. Keiner dieser Leute könnte sich den Innenstadtwohnraum leisten.
    Dazu kommt, dass Rentner Ruhe haben wollen und keine Belebung vor der Haustür - oder dem Fenster.

    Wie also sollte das gehen?

    Ich suche selbst nach einer neuen Wohnung, weil mich das Gequalme aus den unteren Etagen verrückt macht, aber selbst wenn man weg will und es auch bezahlen könnte ist das nicht soooo einfach. Und Innenstadt?

    Auf der anderen Seite wohne ich sehr weit oben und sehe die ganze Stadt. Diesen Blick kann man mir woanders gar nicht bieten.
    Meine Frau arbeitet in einer sozialen Einrichtung im Wohngebiet und wir bräuchten ein 2. Fahrzeug, weil meine Bereitschaftsdienste und ihre verschobenen Arbeitszeiten nicht zusammen passen und der ÖNV absolut keine Alternative ist. Und zwei Stellplätze in der Innenstadt?

    Da spielen viele Faktoren eine Rolle und Leute, die die konkret Situation nicht direkt vor der Nase haben sollten bitte nicht so überheblich sein und darüber urteilen.

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    gelöschter Nutzer
    04.07.2014

    Zu der Stadtrandpolitik kommt natürlich noch, dass wir so nie urbane, belebte Innenstadtbereiche haben werden..

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    gelöschter Nutzer
    04.07.2014

    Dieses Thema regt mich jedesmal auf. Chemnitzer Stadtentwicklung. Wobei Zwickau eher noch ein Vorbild für Chemnitz ist.

    Ein Grundproblem ist, dass nach der Wende viel zu viele Plattenbauten am Stadtrand saniert wurden, sodass es heute ein ÜBERANGEBOT solcher Wohnungen gibt. WIEVIELE Plattenbauwohnungen stehen denn bitte schön leer, weil keiner reinziehen will? Wurde vielleicht nicht einfach mal am Bedarf vorbeisaniert? Das zweite Problem ist eben die Stadtrandlage: Je mehr sich eine Stadt auf ihre Stadtränder "verlagert" desto mehr KOSTEN für Neubau und Unterhalt von Infrastruktur entstehen einer Stadt, obwohl bestehende innerstädtische Infrastruktur effektiver genutzt werden könnte (Straßen, ÖPNV, Anschlüsse für sämtliche "Medien" wie Elektro, Kanalisation, Wasser, Telekom usw.)


    Weiterhin glaube auch ich dass es auf dem Sonnenberg nicht die Altbauten selbst sind, die das Viertel etwas unbeliebt machen sondern eher soziale Probleme und andere Details die im Artikel schon genannt wurden (Verkehrslärm, wenig Grün, ..). Der Kassberg gilt immer als Vorzeigeviertel, obwohl er prinzipiell eine ähnliche Bebauung wie der Sonnenberg aufweist..

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    PeKa
    03.07.2014

    Ich glaube der Hauptgrund, warum viele Chemnitzer nicht auf dem Sonneberg wohnen wollen, sind nicht die Bausubstanz oder der Charakter der Gegend, sondern die Klientel. Welcher vernünftige Mensch, der etwas auf sich hält, will denn mit einem Schläger aus der rechten oder der Hooligan-Szene Tür an Tür wohnen? Wenn dem das Logo, das du an deinem Auto kleben hast, nicht passt, dann tritt der dir die Wohnungstür ein. Ich selbst habe mal auf dem Sonnenberg gewohnt, und zwar in der Nähe des Lessingplatzes. Zum Glück ist mir nie etwas passiert, aber eine einfache Umgebung ist das nicht.

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    gelöschter Nutzer
    03.07.2014

    @ichbingegenalles: "Wer will den dort wohnen, der einige Mindestansprüche geltend machen will ? Die Verfasser bisheriger Kommentare bestimmt nicht." - Haben Sie die bisherigen Kommentare gelesen? Nicht einer hat sich bis jetzt dafür ausgesprochen, die Plattenbauten zugunsten der Hütten auf dem Sonnenberg abzureisen. Den Satz verstehe ich daher nicht so ganz. Er klingt etwas nach einem Vorwurf, man würde die alten Häuser dringend erhalten, dann aber nicht dort wohnen wollen.

    @Peka: Ich glaube nicht, dass das überhaupt so ablaufen wird. Kein Gesetz kann die Wohnungsgesellschaften zwingen ihre (noch) lukrativen Plattenbauten abzureisen und die Mieter privaten Anbietern in die Hände zu treiben. Dazu haben die Wohnungsgesellschaften auch kommunal viel zu starken Einfluss. Ohne die GGG ginge z.B. in Chemnitz nur noch relativ wenig (Geldgeber für vieles, wenn auch in der Kritik). Forcierter Abriss der Platten, die ein Großteil der Einnahmequellen darstellen, werden die nicht hinnehmen.

    Außerdem, wenn es nur noch teuren Wohnraum gibt, bedeutet das auch, das die Stadt deutlich höhere Ausgaben für Mietzuschüsse zu entrichten hat, da sich der Satz an den Vergleichsmieten orientiert - Chemnitz und fast alle ostdeutschen Kommunen sind nahe an der Pleite (spätestens wenn der Soli ausgelaufen ist), das wird also nicht durchsetzbar sein.

    Der Mieter entscheidet außerdem, wo er wohnen will und deshalb ist auch der Sonnenberg deutlich leerer als die grünen DDR-Plattenbausiedlungen in Gablenz und im Flemminggebiet. In dem Punkt hat "ichbingegenalles" im Grunde Recht. Große Teile des Sonnenbergs kann man ohne Probleme zum Wald umfunktionieren - das ist auch kein Verlust für die Stadt. Dort ist auch kaum wertvolle Architektur zu finden. Gründerzeithäuser in besserem Zustand gibt es ausreichend auf dem Kaßberg.

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    PeKa
    02.07.2014

    "Während die Zahl der jüngeren einkommensschwachen Haushalte (unter 65 Jahre) rückläufig ist, erhöht sich die der älteren (eine Person mindestens 65 Jahre) von 49.000 auf 124.000."

    Das ist im Moment so, dass jüngere Leute relativ gut Arbeit finden und sich deshalb preisinternsivere Wohnungen leisten können. Aber woher wollen wir wissen, dass das in fünf, zehn oder zwanzig Jahren auch noch so sein wird? Was ist, wenn es eines Tages nur noch teure Wohnungen am Markt gibt und die Arbeitslosigkeit wegen einer erneuten Wirtschaftskrise vor dem Hintergrund einer hohen Altersarmut rasant ansteigt? Wohin ziehen dann diese Arbeitslosen um? Ich befürchte, hier machen Staat, Kommunen, Oberbürgermeister und Städtetag wiedermal die Rechnung ohne den Wirt! Oder aber man ist mittlerweise so fies geworden, dass man auf eine schleichende Vernichtung der sozial Schwachen aus ist, und zwar mittels Entzug von lebensnotwendigen Grundlagen, zu denen auch Wohnraum gehört.

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    02.07.2014

    Alles Schwachsinn. Der Sonnenberg gehört großflächig abgerissen . Was ist schon dran an diesem Viertel ??? Ein paar schön hergerichtete Häuser, als Baudenkmal klassifiziert und in der Summe alles abbruchreife Buden. Insgesamt ein Schandfleck.
    Wer will den dort wohnen, der einige Mindestansprüche geltend machen will ? Die Verfasser bisheriger Kommentare bestimmt nicht.
    Der Abriss kostet zwar einiges aber mittelfristig wird sich das auszahlen. Kosten für Unterhaltung und wartung der ges .Infrastruktur für Leerstand entfallen. Es kann eine tolle innerstädtische Erholungs- und Freizeitfläche geschaffen werden (wenn nicht grade der Stadtrat dabei entscheidet, sondern kompetente Fachleute)
    Und wenn abgerissen wird, dann gleich das in Bau befindliche Fußballstadion mit, dort wird eh kein Blumentopf gewonnen.

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    contoso
    02.07.2014

    Warum soll auf Kosten der Allgemeinheit der Gewinn der privaten Vermieter gefördert werden?
    Warum sanierten Wohnraum zerstören und die Mietpreise treiben?
    Hier wird unter dem Deckmantel der Stadtentwicklung Lobbypolitik allererster Güte betrieben!

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    KatharinaWeyandt
    02.07.2014

    Wer etwas zu den Graffiti auf dem Sonnenberg lesen will http://www.sonnenberg-online.de/5997/unsere-lieblingsfarbe-ist-bunt/ Für das Eckhaus gibt es übrigens konkrete Pläne.

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    gelöschter Nutzer
    02.07.2014

    "Für den hohen Leerstand in Privatbesitz macht er [Linke] eine verfehlte Stadtumbau-Politik verantwortlich." - Ja, Herr Linke, sie haben offenbar noch nicht bemerkt, das wir nicht mehr in einem Land leben, in dem der Staat oder vermögende Immobilienbesitzer die Menschen dorthin zwangsumsiedeln können, wo es ihnen genehm wäre. So lange die bösen Plattenbausiedlungen noch gut bewohnt und für die Menschen offensichtlich attraktiver sind als ihre privat vermieteten Wohnungen in der Innenstadt, können sie mit dem Fuß aufstampfen, wie sie wollen. Keiner kann verlangen, dass komplett bewohnte Plattenbauten abgerissen werden, damit Privatbesitzer Profit machen und als Nebeneffekt die Wohnungsgenossenschaften (die in der Stadt so manches bewegt haben) pleite gehen und einige Menschen sich die Miete gar nicht mehr leisten können.

    "Das ist absurd, dass ein Privateigentümer sein Vermögen vernichten soll" - Herr Link hat die Marktwirtschaft auch irgendwie nicht verstanden. Der Wert einer Immobilie bemisst sich aus der Lage und der realen Nachfrage. Die kann man nicht erzeugen, indem man Leute, die sich bewusst für eine Alternative entschieden haben, mit Hilfe des Staates aus ihrem Wohnumfeld vertreibt. Wenn irgendwelche Privateigentümer Häuser kaufen, die überhaupt nicht gefragt sind, wird nicht "Vermögen" vernichtet, man nennt das einfach Fehlinvestition und dafür ist in der Marktwirtschaft jeder selbst verantwortlich. (Dieser Aspekt unseres Wirtschafssystems wird immer gern vergessen. Marktwirtschaft ist immer nur toll, wenn man Kohle scheffeln kann. Aber wehe es klappt nicht. Dann soll der Staat doch bitte lenkend eingreifen und möglichst noch die Verluste ausgleichen.) Wenn die Wohnungen wirklich so viel attraktiver als die DDR-Platten wären, würden sich auch Mieter finden.

    Außerdem hat sich in den 90er Jahren, als die meisten Plattenbauten saniert wurden (also auch schon wieder vor ca. 15 Jahren), noch kaum einer (weder Privatbesitzer noch Politiker) vorstellen können, dass die Städte im Osten dauerhaft ausbluten. Man glaubte damals das sei ein Übergangsproblem. Die Sanierung zu vieler Wohnungen jetzt im Nachhinein zu kritisieren ist unsinnig, da man damals einfach davon ausging, dass diese Wohnungen bald wieder benötigt werden. Das Leben ist nicht immer planbar. Eine Zwangsumsiedlung aus den äußeren Stadtgebieten in die Innenstädte hätte man damals (so kurz nach dem Ende der Diktatur) übrigens noch weniger umgesetzt können als heute.

    Die Plattenbauten können langfristig nur abgebaut werden, wenn die Menschen einen echten Grund haben in die Stadt zu ziehen. Wer im bösen DDR-Wohngebiet viel Grünfläche, wenige Autos, eine gute Nahversorgung, Parkplätze usw. (z.B.: Gablenz, Flemminggebiet, ...) vorfindet, der muss in der Innenstadt erst einmal etwas besseres geboten bekommen - sonst zieht keiner um. Mit Zwangsmaßnahmen, die eigentlich nur zu Gunsten einiger Immobilienbesitzern und zu Lasten der Menschen und Wohnungsgesellschaften gehen würden, wird das nicht funktionieren. Kein Mensch bleibt in einer Stadt leben, in der die Wohnungsdiktatur ausbricht. Da müssen andere Ideen her um dieses Problem zu lösen.



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