Lehrermangel: Jeder dritte Bewerber springt ab

Erneut wurde der Bedarf an neuen Pädagogen in Südwestsachsen zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres nur zur Hälfte gedeckt. Warum?

Dresden.

"Nein, meine Damen und Herren, so wird die Sache nicht laufen." Mit diesen Worten wandte sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in seiner Regierungserklärung vor fünfeinhalb Wochen im Landtag an "die jungen Leute", die als Lehrer unbedingt in eine Großstadt wollen. "Es kann nicht sein, dass all jene, die in Leipzig oder Dresden ihr Lehramtsstudium beginnen, am Ende damit rechnen, dass sie auch in Dresden oder Leipzig arbeiten werden." Die Politik müsse "durchsetzen", dass die jungen Absolventen in den ländlichen Raum gingen, wo es "exzellente Bedingungen" für sie gebe.

Gemessen daran fällt die am Freitag über den Blog des Kultusministeriums verbreitete Bilanz der aktuellen Einstellungsrunde eher mau aus. Der Abgleich mit der ursprünglichen Bewerberverteilung zeigt, dass die Lücken in den Mangelregionen groß bleiben - und dass ein Großteil der auf einen der beiden sächsischen Ballungsräume fokussierten Bewerber sich von den "Alternativ-Angeboten für den ländlichen Raum" nicht überzeugen ließ.

Dass jeder Interessent mit regulärem Lehrerabschluss ein Job-Angebot erhielt, hatte das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) auch dieses Mal versprochen. Wer sich von den knapp 650 Bewerbern für einen Job im ländlichen Raum interessierte, konnte in den meisten Fällen bereits vor Weihnachten mit einer Zusage rechnen.

Trotzdem blieb nun in den Mangelregionen fast jede zweite ausgeschriebene Lehrerstelle unbesetzt. Außerhalb der Großräume Leipzig und Dresden war Personal für 382 Stellen gesucht worden - von denen nur 196 besetzt werden konnten. Behilflich gewesen sein dürften dabei auch knapp 60 Ex-Referendare, die sich für einen 1000-Euro-Extra-Zuschlag im Vorbereitungsdienst zu einem längeren Verbleib in einer Bedarfsregion verpflichtet hatten.

Allein im Raum Chemnitz sind derzeit noch 94 Stellen unbesetzt. In Ostsachsen betrifft das 56 Stellen. Die ursprünglichen Bewerberzahlen hatten für beide Lasub-Bezirke noch größere Lücken erwarten lassen. Geholfen hat, dass 17 Bewerber von einer der Großstädte auf die Region Chemnitz und 7 Bewerber auf den Raum Bautzen umschwenkten.

Chemnitz könnte zudem auch von "Überläufern" aus Zwickau profitiert haben, wo die Anzahl der Einstellungen genauso wie in Leipzig und Dresden hinter den Bewerbern zurückbleibt. Mit vorherigen Absagen hatte das Lasub noch Ende der vergangenen Woche kurzfristige Einladungen für Bewerbungsgespräche in dieser Woche begründet. Bei 14 Bewerbern stehe die Rückmeldung bisher noch aus, hieß es.

Damit ist von den ursprünglich knapp 650 Bewerbern letztlich jeder dritte abgesprungen - so wie vor einem Jahr. Neu an Sachsens Schulen unterrichten nun zudem 149 Seiteneinsteiger. Sie waren bereits im November eingestellt worden und hatten seitdem eine dreimonatige Qualifizierung durchlaufen.


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