Leipziger Zoodirektor: Wir sind Arche Noah für bedrohte Arten

Es gibt ein erstes Foto der neuen Löwenbabys. Auch bei den Elefanten steht wieder Nachwuchs an. Leipzigs Zoo sieht sich 20 Jahre nach Beginn der neuen Zeitrechnung weit vorangekommen - und das auf dem richtigen Weg.

Leipzig.

Bisher kümmert sich Mama Kigali fürsorglich um ihre Kleinen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ihren letzten Wurf im August hatte die Löwin zum Fressen gern - wörtlich. Nach wenigen Tagen verspeiste die Löwin die beiden Jungen - zum Entsetzen der Tierpfleger. Doch alsbald war sie wieder trächtig, brachte nun drei Löwen-Mädchen und zwei Löwen-Jungen zur Welt. Die ersten kritischen Tage, teilte Zoodirektor Jörg Junhold jüngst mit, sind überstanden.

Nun hat der Zoo ein erstes Foto des Wurfs veröffentlicht. Für Junhold sind die fünf Ausdruck dafür, dass sich der Zoo auf dem richtigen Weg befindet. Und auf diesem Weg weit vorangekommen ist. Letzteres jedenfalls erklärte der Direktor gestern bei der Vorstellung der aktuellen Bilanz. 20 Jahre ist es nun her, dass der Stadtrat den Masterplan Zoo der Zukunft absegnete - und so dafür sorgte, dass der Leipziger Zoo sein Gesicht grundlegend veränderte, zum Vorbild für die Branche wurde. Auf einer europaweiten Rangliste landet Leipzig seit Jahren auf Platz 2, muss nur dem Tiergarten Schönbrunn in Wien Vortritt lassen.

Als wegweisend gelten Projekte wie die Kiwara-Savanne, der Menschenaffen-Bereich Pongoland, die Tropenwelt Gondwanaland. Dazu wurden viele weitere Gehege neu errichtet oder modernisiert. Junhold: "Zoos im 21. Jahrhundert sind kein Selbstzweck, sondern sind generationsübergreifende Bildungsstätte, Arche Noah für bedrohte Arten sowie Natur- und Artenschützer direkt in den natürlichen Lebensräumen."

Dass sich Besucher so für biologische Vielfalt sensibilisieren lassen, zeigt sich für Junhold auch am Artenschutz-Euro. Den können Besucher freiwillig leisten. 2019 spendeten sie 703.000 Euro. Damit werden etwa Zuchtstationen für bedrohte Affenarten in Vietnam, für Nasenfrösche in Chile und Waldschafe auf Sulawesi unterstützt.

Rückschläge gab es auch, so den schlagzeilenträchtigen Ausbruch zweier Löwen 2016, den einer der beiden mit dem Leben bezahlte. Im September 2019 musste der acht Monate alte Elefantenbulle Bên Lòng eingeschläfert werden. Die Mutter hatte ihn nicht angenommen, die Ersatznahrung nahm er nicht ausreichend auf. Dennoch hält der Zoo an der Elefantenzucht fest. Für die trächtige Elefantenkuh Rani könnte es Anfang Februar soweit sein. "Wir haben mal das Glück verdient bei den Elefanten", sagt Junhold. Vorwürfe der Tierschutzorganisation Peta, wonach sich Elefanten in Zoos nicht natürlich fortpflanzen und künstlich befruchtet werden müssen, weisen die Leipziger als unwahr zurück. "Rani ist von Voi Nam gedeckt worden", so eine Sprecherin. "Auch die anderen Trächtigkeiten bei uns waren natürliche Deckakte." Daneben treibt der Zoo den Masterplan Zoo der Zukunft weiter voran. Derzeit bekommt das Aquarium ein neues Innenleben mit neuer Gestaltung, neuen Becken und einem neuen Rundgang. Die Kosten betragen elf Millionen Euro, Eröffnung ist für 2021 vorgesehen. Noch ab diesem Jahr soll - für stolze 25 Millionen Euro - auch der komplett neue Bereich "Feuerland" für Robben und Humboldtpinguine entstehen  - 360-Grad-Tunnel inklusive.

All das schlägt sich in den Besucherzahlen nieder. 32 Millionen Besucher wurden seit dem Jahr 2000 gezählt. 2019 waren es allein 1,8 Millionen. Bleibt Löwin Kigali so fürsorglich und kommt Elefantenkuh Rani glücklich nieder, dürften es 2020 kaum weniger werden. (mit dpa)

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    MuellerF
    10.01.2020

    "Arche Noah für bedrohte Arten"

    Da lügen die Zoos sich selbst & den Besuchern ein Stück weit in die Tasche, wenn sie so etwas undifferenziert behaupten - zumindest viele der dort präsentierten Säugetierarten hätten in freier Wildbahn keine Chance, weil sie überlebenswichtige Verhaltensweisen in menschlicher Obhut gar nicht oder nur ungenügend erlernen konnten( zB das Jagdverhalten der Löwen). Und wie sieht es denn mit Zahlen zu tatsächlich versuchter & erfolgreicher Auswilderung von Zootieren aus, die obige Behauptung belegen könnten, speziell auch in Leipzig?



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