Leuna: Investitionen und Forschung für neue Energiequelle

Ob neue Anlagen, Forschung für neue Energiequellen oder Cannabis für die Medizin. Am ostdeutschen Chemiestandort wird kräftig investiert.

Leuna (dpa) - Mehr als 50 Millionen Euro investiert die Standortgesellschaft von Leuna dieses Jahr, um die Infrastruktur des Chemiestandortes instand zu halten und zu erweitern. «Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um den bei uns angesiedelten Unternehmen weiteres Wachstum zu ermöglichen», sagte der Geschäftsführer der Infraleuna GmbH (Leuna/Saalekreis), Christof Günther. Angesichts der guten Konjunktur wollten etliche Firmen ihre Produktionsanlagen erweitern.

«Es wird ab diesem Jahr in Leuna so viel gebaut wie seit Jahren nicht mehr», sagte Günther. «Wir erwarten für die nächsten zwei Jahre Investitionen in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro», sagte der Chef der Standortgesellschaft. So hatte das französische Mineralölunternehmen Total angekündigt, 300 Millionen Euro in seine Raffinerie in Leuna zu investieren. Auch für andere Investoren sei der Standort attraktiv. So ist aktuell der Bau einer Anlage zur Herstellung von Cannabis für medizinische Zwecke durch die Firma Aurora Deutschland GmbH geplant. Zudem gibt es laut Günther Gespräche mit potenziellen Ansiedlern, etwa aus Finnland.

Infraleuna selbst bietet den Angaben zufolge als Betreiber des rund 1300 Hektar großen Areals Firmen in einem Verbundsystem Serviceleistungen für die chemische Industrie an. Dazu gehören die Energie- und Wasserversorgung, die Nutzung der Infrastruktur wie Rohrleitungen, Straßen, das Schienennetz, die Abwasserbehandlung, Werkschutz und -feuerwehr. «Damit können sich die Chemiefirmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren», erklärte der Chef der Infraleuna.

Eine günstige und verlässliche Energieversorgung sei dabei für Investoren ein ganz wichtiges Thema, zumal die chemische Industrie sehr viel Energie für ihre Produktionsabläufe benötige. In Leuna gibt es den Angaben zufolge seit Mitte der 1990er Jahre keine Kohlekraftwerke mehr, stattdessen werde Energie auf der Basis von Gas erzeugt. Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft arbeiten derzeit in Leuna daran, Wasserstoff als alternative Energiequelle mittels Elektrolyse zu gewinnen.

Nach Angaben von Günther wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 200 Millionen Euro aufgewendet, um die Infrastruktur am Standort zu modernisieren und auszubauen. Gut 100 Unternehmen aus zehn Nationen sind in dem Industriepark ansässig, darunter 40 Produktionsfirmen. Rund 10 000 Menschen arbeiten in Leuna. Zwölf Millionen Tonnen Güter werden im Jahr am Standort hergestellt. Dazu gehören chemische Grundstoffe, Spezialprodukte oder auch Kraftstoffe wie Benzin und Diesel in der Raffinerie.

Leuna ist den Angaben zufolge flächenmäßig der größte Chemiestandort in Deutschland. Nach 1990 wurde das Areal der früheren Leuna-Werke im Zuge des Strukturwandels der ostdeutschen Industrie mit Hilfe von Steuergeldern von Grund auf saniert. Damit einher ging am Standort mit 100-jähriger Industriegeschichte der Abriss von Anlagen sowie die Ansiedlung neuer Unternehmen wie der Linde AG oder des belgischen Faserproduzenten Domo. Der Standort gehört zu den größten Arbeitgebern in der ostdeutschen Chemie. Die Branche hat nach Angaben des Verbandes der Chemischen Industrie Landesverband Nordost (Berlin) in den neuen Ländern rund 330 Firmen - der chemisch-pharmazeutischen Industrie - mit 56 000 Beschäftigten.

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