Liebe trotzt Pandemie: Heiraten in Zeiten der Corona-Krise

Standesämter und Hochzeits-Festsäle sind für Mai schon lange im Voraus ausgebucht. In diesem Jahr müssen Paare ihre Pläne allerdings häufig ändern, teils ist die Eheschließung nur mit Mund-Nase-Maske möglich. Doch auf das Eheversprechen selbst verzichten wenige.

Leipzig/Dresden (dpa/sn) - Tanz, große Festgesellschaften - in Zeiten von Corona unvorstellbar. Auch im Wonnemonat Mai, in dem üblicherweise viele Hochzeiten stattfinden. Eheschließungen sind nur im kleinsten Rahmen erlaubt. Dennoch wird in den Standesämtern in Sachsen geheiratet. Viele Paare halten an den Ursprungsterminen fest, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

«Alle Termine sind nach wie vor sehr gut nachgefragt», hieß es aus dem Standesamt in Leipzig. Sagt ein Paar ab, werde der Termin innerhalb kurzer Zeit neu vergeben. Die Standesbeamten beobachten, dass Brautpaare, die eigentlich in einer anderen Stadt heiraten wollten, dort abgewiesen werden und sich dann doch für eine Trauung in Leipzig entscheiden. Wegen Corona müssen die zehn Personen, die für den großen Trausaal zugelassen sind, jedoch Mund-Nase-Masken tragen. «Das Brautpaar kann die Bedeckung während des Ja-Worts abnehmen», heißt es auf der Internetseite der Stadt.

Absagen oder Verlegungen von Trauungen kamen dem Standesamt in Chemnitz nach eigenen Angaben nicht unter. Allerdings dürfen derzeit nur 15 Menschen während des Ja-Worts mit im Raum sein - inklusive Brautpaar.

In Görlitz sind zehn Menschen zur Eheschließung zugelassen. In der Stadt an der polnischen Grenze sagten einige Paare ab. Im April seien nur fünf von 25 geplanten Eheschließungen durchgeführt worden, hieß es vom Standesamt. Im Mai halten mehr Paare an ihren Plänen fest: 34 Trauungen von 41 angemeldeten sollen voraussichtlich stattfinden. Einige Paare hätten den Termin verschoben - meist auf die Sommer- oder Herbstmonate, einige auch auf kommendes Jahr, so die Behörde.

Auch im Dresdner Standesamt macht sich die Corona-Pandemie bemerkbar: Während im Januar und Februar noch mehr Eheschließungen als im Vorjahr stattfanden - im Februar waren es mit 133 sogar 43 Trauungen mehr als 2019 -, waren es im März und April deutlich weniger als im Jahr davor. Im April waren es mit 142 mehr als 40 Trauungen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dennoch: Laut Standesamt in der Landeshauptstadt sollen alle angemeldeten Eheschließungen von Mai bis September auch durchgeführt werden. Aktuell dürfen in den Räumen im Hauptsitz des Standesamtes je zehn Personen inklusive Brautpaar an der Trauung teilnehmen - durch Videokonferenzen sei es aber möglich, noch mehr Verwandte und Bekannte an dem wichtigen Moment teilhaben zu lassen. Diese Möglichkeit werde von den Paaren genutzt, hieß es vom Standesamt.

Während die Termine in den Standesämtern also vielerorts trotz Corona wahrgenommen werden, sieht die Lage bei extravaganten Hochzeitsorten anders aus: In der schwimmenden Veranstaltungsinsel Vineta im Störmthaler See bei Großpösna (Landkreis Leipzig) wurden nach Angaben der Betreiber im April alle Eheschließungen abgesagt. In den kommenden Wochen sollen demnach aber wieder einige Trauungen stattfinden. Statt wie sonst 40 können jedoch maximal 15 Gäste teilnehmen - Brautpaar inklusive. «Wir stellen die Stühle auf Abstand, setzen Menschen zusammen, die ohnehin zusammenleben», sagte Robert Heinzig von der Vineta. So reagiert das Team auf die Schutzmaßnahmen.

Die schwimmende Location südlich von Leipzig ist bei Paaren beliebt. Für gewöhnlich beginne die Terminvergabe für die kommende Saison im September des Vorjahres, bis Ende des Monats sei der Kalender für gewöhnlich zu 90 bis 95 Prozent voll. In der Corona-Zeit kommen jedoch immer wieder kurzfristige Absagen dazwischen.

«Die Hochzeit soll für Paare ein rundum schöner Tag werden», sagte Heinzig. Er habe Verständnis dafür, dass wegen der geänderten Bestimmung die geplante Traumhochzeit für einige so nicht umzusetzen sei. Auch deswegen könnten Paare, die aktuell unsicher sind, ihre Trauung schon jetzt komplett auf das kommende Jahr verschieben - noch ehe die neuen Termine für 2021 offiziell veröffentlicht werden.

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