Linke peilt Dreikampf und Direktmandate an

Spitzenkandidat Rico Gebhardt gibt ehrgeizige Ziele aus - und fordert von den Genossen eine andere Einstellung.

Radebeul.

Für Rico Gebhardt geht der Wahlkampf deutlich besser los als vor fünf Jahren. Schon damals hatte sich der Landtagsfraktionschef als einziger Kandidat um die Spitzenkandidatur der Linken beworben, aber von einem Parteitag nur kümmerliche 64,4 Prozent erhalten. Dieses Mal gab es ein anderes Verfahren. Erstmals wurde ein Mitgliederentscheid angesetzt, an dem in etwa jeder zweite der rund 8000 Genossen im Landesverband teilnahm. Wieder war Gebhardt der einzige Kandidat, erhielt aber dieses Mal 88,7 Prozent der gültigen Stimmen.

Zur Erinnerung an den für Linke-Verhältnisse alles andere als selbstverständlichen Wert erhielt Gebhardt auf dem Landesparteitag am Samstag in Radebeul von Landeschefin Antje Feiks die "88,7 %" auch noch mal als gerahmtes Bild. Zuvor hatte sich der inzwischen 55-Jährige in einer gut halbstündigen Rede nicht nur für den Rückhalt bedankt, sondern gleich noch durchaus ehrgeizige Ziele ausgegeben.

So forderte er die Basis auf, mit ihm gemeinsam nächstes Jahr "um das beste Wahlergebnis zu kämpfen, was wir jemals gehabt haben". Der bisherige Rekordwert des Landesverbandes sind 23,6 Prozent aus dem Jahr 2004 - damals noch als PDS mit Peter Porsch als Spitzenkandidat gegen Ministerpräsident und CDU-Chef Georg Milbradt. Als Landesgeschäftsführer war Gebhardt schon damals am Wahlkampf beteiligt.

Vom 18,9-Prozent-Ergebnis bei der Landtagswahl 2014 wie auch von den 17 bis 19 Prozent in den zuletzt erhobenen Meinungsumfragen ist der Spitzenwert vor 15 Jahren ein ganzes Stück entfernt. Dazu kommt, dass die Partei, die seit 1999 die zweitstärkste Kraft hinter der Regierungspartei CDU ist, den Umfragen zufolge inzwischen nur noch an dritter Stelle liegt - überholt von der AfD. "Wer sagt denn, dass wir den zweiten Platz schon verloren haben?", fragte Gebhardt in Radebeul. "Lasst uns aufstehen vom Sofa, rausgehen und die Verhältnisse zum Tanzen bringen." Er brachte den Delegierten auch in Erinnerung, dass CDU und PDS 1994 noch um mehr als 40 Prozentpunkte auseinanderlagen, während es nach den letzten Umfragen nur noch zehn bis zwölf Prozentpunkte sind.

Kurz vor dem Parteitag hatte Bundeschefin Katja Kipping einen Dreikampf mit CDU und AfD ausgerufen. Diese Konstellation eröffnet der Linken nach Ansicht von Gebhardt gute Aussichten auf Direktmandate. 2014 hatte nur Juliane Nagel im Leipziger Süden für die Linke einen der 60 Wahlkreise erobert. Gebhardt geht für 2019 von mehr Gewinnern aus, auch in Leipzig. Mehrere prominente CDU-Politiker seien auf der Suche nach einem für sie "sicheren" Wahlkreis wegen der Linken bereits aus der Stadt geflüchtet - eine Anspielung auf Leipzigs Polizeichef Bernd Merbitz und Justizminister Sebastian Gemkow, die sich von der Union lieber in Nordsachsen aufstellen ließen.

Der Landesparteitag beschloss zudem die Schwerpunkte für den Wahlkampf. Auch dazu war die Basis befragt worden. Sie hatte die Wahl aus 15 Thesen. Die acht mit der höchsten Zustimmung wurden nun vom Parteitag bestätigt. Dazu gehören überall bezahlbarer Wohnraum, Bildung ohne Barrieren, Stopp des Klimawandels und konsequenter Kampf gegen Menschenverachtung. "Wer es schwer hat, verdient Solidarität und nicht Hass", sagte Parteichefin Antje Feiks. Auch sie unterstrich, dass es für Sachsens Linke am 1. September 2019 "mindestens um Platz 2" gehe.

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