Linke vertrauen auf bewährtes Personal

Bei der Aufstellung ihrer Kandidatenliste für die Bundestagswahl befolgt Sachsens Linke mehrere Wünsche aus Berlin. Aber es gibt auch Verlierer.

Glauchau.

Täve Schur war zwar nicht persönlich da. Aber als Sachsens Linke am Samstag in Glauchau ihre Kandidatenliste für die Bundestagswahl aufstellte, war der Ex-Radweltmeister trotzdem präsent. Auf einem Foto an einer Stellwand trug der 86-Jährige einen gelben Zettel mit dem Satz: "Wir unterstützen André Hahn für den nächsten Bundestag!" Mit Täves Hilfe kam der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion locker auf Listenplatz 2. Hahn setzte sich mit 56,6 Prozent recht deutlich gegen Linke-Bundesvize Axel Troost durch. In seiner Bewerbungsrede hatte Hahn auch an die Schlagzeilen um die letztlich gescheiterte Aufnahme von Schur in die "Hall of Fame" der Sporthilfe erinnert und resümiert: "Der Kalte Krieg lässt dort wirklich grüßen."

Friedlich ging es in Glauchau nur auf Platz 1 zu, für den Sachsens Linke-Spitze vorab Bundeschefin Katja Kipping vorgeschlagen hatte. Ansonsten gab es auf allen aussichtsreichen Listenplätzen Kampfkandidaturen. Platz 3 gewann Parteivize Caren Lay, Platz 4 der Chemnitzer Michael Leutert. Platz 5 eroberte die zuvor gegen Lay noch gescheiterte Fraktionsvize Sabine Zimmermann, Platz 6 der zuvor erst Hahn und dann Leutert unterlegene Troost.

Die ersten sechs Plätze gelten als sicher. Alle Inhaber sitzen bereits im Bundestag, Kipping, Leutert, Troost und Zimmermann schon seit 2005. Mit der Wahl entsprachen die 200 Delegierten letztlich auch den lange vor der Versammlung von Linke-Landeschef Rico Gebhardt bekannt gemachten Wünschen aus der Partei- und Fraktionsspitze in Berlin.

Während Kipping, deren 84,8 Prozent deutlich besser als 2013 (79,9 Prozent) waren, sich für ihre Vize Lay und Troost stark gemacht hatte, baten die Bundestagsfraktionschefs um Rückhalt für Leutert (Wunsch von Dietmar Bartsch) und Zimmermann (Wunsch von Sahra Wagenknecht). Erst auf Platz 7 kam die 2013 noch auf Platz 3 gestartete Ost-Koordinatorin der Bundestagsfraktion, Susanna Karawanskij, ein. Ihr Fraktionskollege Jörn Wunderlich aus Limbach-Oberfrohna verzichtete nach Niederlagen gegen Leutert und Troost auf eine Kandidatur - womit der nächsten Linksfraktion wohl kein Jurist mehr angehört. Platz 8 holte der Kandidat der Linksjugend, der 29-jährige Tilman Loos. Mit 100 zu 90 Stimmen setzte er sich gegen den vom linken Liebknecht-Kreis unterstützten Sören Pellmann durch. Als Leipziger Direktkandidat hatte Pellmann Loos noch besiegen können.

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