Lockerungen wie in Thüringen? Sachsen wartet Pfingsten für Entscheidung über Corona-Regeln ab

Das Infektionsgeschehen hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt. Über das weitere Vorgehen wird im Freistaat aber erst später entschieden.

Dresden (dpa/sn) - Das neue Coronavirus wird in Sachsen derzeit nur noch vereinzelt nachgewiesen. Am Sonntag wurden nach einer Übersicht des Sozialministeriums zehn neue Fälle gemeldet. Seit Beginn der Pandemie haben sich demnach 5228 Menschen angesteckt, rund 4710 von ihnen gelten inzwischen wieder als genesen. Über einen Wegfall der landesweit gültigen Corona-Schutzvorschriften wird in Sachsen aber noch nicht nachgedacht. Entsprechende Pläne hegt das Nachbarbundesland Thüringen. Sachsen wolle zunächst noch Pfingsten abwarten, sagte Regierungssprecher Ralph Schreiber am Sonntag.

Von den zehn Kreisen und drei kreisfreien Städten in Sachsen meldeten nur noch der Vogtlandkreis (plus sieben) und der Kreis Zwickau (plus drei) neue Nachweise. Zudem starb im Kreis Zwickau ein weiterer Corona-Patient, so dass die Zahl der Todesfälle in Sachsen auf insgesamt 204 stieg. Die Sterberate liegt bei 3,9 Prozent.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kündigte am Wochenende weitreichende Lockerungen an. Vom 6. Juni an will er auf allgemeine, landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften verzichten. Stattdessen sollten regionale Maßnahmen abhängig vom Infektionsverlauf getroffen werden.

«Wir haben immer gesagt, dass wir zunächst das Geschehen an Himmelfahrt und zu Pfingsten beobachten wollen», sagte der sächsische Regierungssprecher Schreiber. Erst danach solle entschieden werden, wie es mit den Corona-Regeln weitergehe. Die derzeitige Verordnung des Freistaates gilt bis zum 5. Juni.

In anderen Bundesländern wurden am Wochenende auffällige Häufungen von Coronafällen gemeldet - in Hessen nach einem Gottesdienst und in Niedersachsen nach einem Restaurant-Besuch. Aus dem Fall in einem Lokal in Ostfriesland lassen sich nach Einschätzung des sächsischen Branchenverbands aber keine Rückschlüsse für die gesamte Branche ziehen. «Das ist ein Beispiel, das nicht repräsentativ ist für alle Regionen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen, Axel Klein, am Sonntag. Zudem müsse in dem Fall erst noch überprüft werden, ob sich die Gäste an die Corona-Regeln gehalten haben.

In Sachsen habe er bisher den Eindruck gewonnen, dass die Wiederöffnung der Gastronomie gut laufe, sagte Klein. «Wir haben Hygienekonzepte, die funktionieren.» Selbst am Himmelfahrtstag, der auch dem Branchenverband im Vorfeld Sorgen gemacht habe, habe das Abstandhalten «im Großen und Ganzen» gut geklappt.

Der FDP-Politiker Torsten Herbst forderte unterdessen eine Ausweitung der Corona-Tests für Beschäftigte in Kitas, Pflegeheimen und medizinischen Bereichen. «Sachsen muss sofort ein Programm starten, das ausnahmslos alle Risikogruppen regelmäßig testet», sagte der Dresdner Bundestagsabgeordnete. Es sei grob fahrlässig, die Lockerung des öffentlichen Lebens nicht mit einer Aufstockung von Tests abzusichern.

 

 

 

 

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11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    8
    MuellerF
    25.05.2020

    @Peggy: Corona IST aber NICHT Grippe! Haben Sie die letzten Wochen geschlafen oder warum wissen Sie das noch nicht?

  • 5
    7
    MuellerF
    25.05.2020

    @Peggy: Eine Grippe hat aber in der Regel keine Spätfolgen, wie sie bei Corona auftreten können, es sei denn, man kuriert sie nicht aus.
    Dass auch eine Grippe kein Spaß ist, ist schon klar.

  • 8
    7
    gelöschter Nutzer
    25.05.2020

    Distel....: vielleicht fragen Sie mal einen der vielen tausend grippekranken im jahr wie es denen geht? Und fährt man da alles in grund und boden? Und da muss ich noch nicht mal auf die AfD verweisen geschweige der CDUSPDFDPGRÜNEN.

  • 6
    3
    AliceAndreas
    25.05.2020

    @Distelblüte

    Ich will Corona nicht verharmlosen! Mir ist bewusst wie gefährlich das alles ist und wie schlimm der Verlauf sein kann. Auch nicht mit anderen Krankheiten vergleichen (war nur im Bezug auf den Beitrag von MüllerF).

    Mir geht es nur darum ... seit vielen Wochen ist das ganze so weit im Griff das wir wieder ein normales Leben führen können - natürlich mit Verstand!

    An 80.000 im Stadion oder beim Konzert denkt dabei sicher keiner.

  • 3
    10
    gelöschter Nutzer
    25.05.2020

    @AliceAndreas: Sie schreiben "aber scheinbar hat Corona wohl mehr Ähnlichkeit mit einer Grippe als mit Aids. "
    Vielleicht möchten Sie auf der Facebookseite von Lars Franke, afd, nachlesen, wie sich eine Covid-19-Erkrankung auch nach der Genesung anfühlt, und welche Schlüsse Herr Franke in Bezug auf die allwöchentlichen Demos zieht.
    (Unfassbar. Ich habe auf einen afd-Politiker verwiesen.)

  • 3
    5
    MuellerF
    25.05.2020

    @AAndreas: Nach einer Vermutung klang Ihr vorheriger Kommentar nicht, sondern nach einer Voraussage, von der Sie mit Sicherheit glauben, dass sie so eintreffen wird: "ich kann nix dafür das es nun mal bis Winter weg ist."

    "Ich bin kein Fachmann - aber scheinbar hat Corona wohl mehr Ähnlichkeit mit einer Grippe als mit Aids."

    Betreffs der Symptome, ja, teilweise. Saisonal wie Grippe scheint es aber nicht zu sein, nach allem was man weiß.
    Die Saisonalität bei Grippe hat ja mit winterlichen Wetterverhältnissen zu tun, Corona breitet sich aber auch dort aus, wo es keinen meteorolgischen Winter wie bei uns gibt (Tropen, Subtropen).

  • 4
    3
    AliceAndreas
    25.05.2020

    @MüllerF

    Ich bin kein Fachmann - aber scheinbar hat Corona wohl mehr Ähnlichkeit mit einer Grippe als mit Aids.

    Und tatsächlich VERMUTE ich, das uns der Frühling geholfen hat Corona einzudämmen, und genau so VERMUTE ich, dass sich sowohl Ausbreitung als auch Krankheitsverlauf im Winter wieder verschlimmern.

  • 5
    7
    MuellerF
    25.05.2020

    @AAndreas: Nicht jeder Virus ist saisonal, auch wenn SIe sich das offenbar bei Corona so vorstellen! Oder haben Sie schon mal von der HIV- oder Ebola-Saison gehört?

  • 3
    14
    Hinterfragt
    24.05.2020

    Nun @Quatschkopf, Sie sind also ein sehr aufmerksamer Bürger...

  • 11
    15
    AliceAndreas
    24.05.2020

    Einfach mal die Statistiken anschauen, akzeptieren das Corona seit fast 1,5 Monaten aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist - und diverse Maßnahmen wie Mundschutz und Personenbeschränkung zurück nehmen.

    Ich weiß, gibt reichlich rote Daumen - aber ich kann nix dafür das es nun mal bis Winter weg ist.

  • 29
    14
    quatschkopf
    24.05.2020

    Also zu Himmelfahrt hatte ich zahlreiche Verstöße beobachtet und das obwohl ich nur etwa 2 Stunden unterwegs war. Aufgrund der kaum vorhandenen infizierten wird das aber wenig Auswirkungen haben. Einen Effekt kann man eh erst 2 bis 3 Wochen nachher sehen. Nach den Lockerungen sollte man deshalb schon mindestens 2 Wochen warten bevor man neue Entscheidungen trifft. Klar wünsche ich mir auch eine Aufhebung der Kontaktbeschränkung. Wer wünscht sich das nicht. Ob lokale Einschränkungen anstatt landesweiter Maßnahmen funktionieren werden muss sich zeigen.