Lotsen steuern bereits 12 000 Flugzeuge für Saarbrücken

Saarbrücken ist der erste internationale Flughafen Deutschlands, der keinen Lotsenbetrieb mehr vor Ort hat. Seit Anfang Dezember 2018 wird aus der Ferne in Leipzig gesteuert. Andere Airports werden folgen.

Saarbrücken/Leipzig (dpa) - Seit fast einem Jahr kontrollieren Fluglotsen in Leipzig aus der Ferne den Flugverkehr am Flughafen Saarbrücken. Das Konzept habe sich bewährt, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) mit Sitz im hessischen Langen der Deutschen Presse-Agentur. Bereits rund 12 000 Flugbewegungen in Saarbrücken seien seit der Umstellung Anfang Dezember 2018 von Leipzig aus gesteuert worden. «Die Kollegen haben sich gut an den Umgang mit dem neuen System gewöhnt», sagte der Sprecher.

Der Flughafen Saarbrücken ist der erste internationale Flughafen in Deutschland, der nicht mehr vom örtlichen Tower aus überwacht wird. Ein Modell, das Schule machen wird: Anfang 2021 solle der Flughafen Erfurt an das System («Remote Tower Control») angeschlossen werden, sagte der Sprecher. Derzeit liefen Planungen und Vorbereitungen dazu. Für Dresden solle in 2020 zunächst geprüft werden, wie das System für den Airport mit deutlich mehr Flugverkehr angepasst werden könnte. Ein Startdatum gebe es dort noch nicht.

Bei der Umstellung auf Fernsteuerung in Saarbrücken hatte es laut DFS einige «Kinderkrankheiten» gegeben, die aber auf die Sicherheit «keinerlei Einfluss» hatten. Die eingesetzten Infrarot-Kameras hätten sich als großes Plus erwiesen, um Flugzeuge vor allem bei Dunkelheit in weiter Entfernung erkennen zu können. Die Fluglotsen in Leipzig haben den Luftverkehr in gut 400 Kilometern Entfernung auch über schwenk- und neigbare Videokameras im Blick.

Welche Flughäfen nach Saarbrücken, Erfurt und Dresden künftig noch von Fluglotsen aus der Ferne kontrolliert werden könnten, dazu gibt es laut DFS zurzeit «keine konkreten Planungen». «Allerdings bleibt es unser Ziel, auch danach weitere Plätze remote (aus der Ferne) zu betreiben», sagte der Sprecher.

Die Entwicklung des Konzepts hat gut vier Jahre gedauert. Von der «Fernsteuerung» erwartet sich die Flugsicherung, dass sie durch das System ihr Personal effizienter und flexibler einsetzen kann. Das soll Kosten senken und die Produktivität erhöhen.

Die DFS überwacht den Flugverkehr im deutschen Luftraum in vier Kontrollzentralen. Außerdem ist sie an allen 16 internationalen Flughäfen in Deutschland vertreten, wo sie vom Tower aus die Starts und Landungen überwacht. Ausnahme: Saarbrücken.

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