"Man hätte eine klare Aussage für den Erhalt von Pödelwitz treffen können"

Jens Hausner wohnt in Pödelwitz, einem Dorf bei Leipzig, das der Braunkohle weichen soll. Oliver Hach sprach mit ihm über den Kohlekompromiss.

Freie Presse: Als Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" kämpfen Sie seit Jahren gegen die geplante Abbaggerung Ihres Heimatortes. Was bedeutet für Sie der Plan der Kohlekommission?

Jens Hausner: Wir haben hier vor unserer Tür den Tagebau "Vereinigtes Schleenhain" mit einer genehmigten Abbauzeit bis 2040. Pödelwitz bleibt in diesem Plan noch unangetastet. Jetzt reden wir über einen Kohleausstieg bis spätestens Ende 2038. Damit ist es noch unwahrscheinlicher geworden, dass der Ort überhaupt in Anspruch genommen werden muss.

Also hat diese Entscheidung Ihr Dorf gerettet?

Man hätte hier eine klare Aussage für den Erhalt von Pödelwitz treffen können. Stattdessen heißt es im Abschlussbericht nur, die Landesregierung solle mit den vom Tagebau betroffenen Menschen in einen Dialog treten. Wir brauchen hier aber keinen Dialog, sondern eine feste Zusage, dass unser Ort nicht weggebaggert wird. Diese Zusage ist nicht erfolgt, die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg haben das verhindert. Darum ist der Beschluss der Kommission für uns nicht akzeptabel.

Aber positiv aus Ihrer Sicht könnte doch sein, dass Sie wieder als Verhandlungspartner im Boot sind.

Was soll ich da noch verhandeln? Im September 2018 war ich in Halle zur Sitzung der Kohlekommission als Sachverständiger geladen. Dort habe ich bereits alles dargelegt und allen war klar, dass Pödelwitz nicht abgebaggert werden muss. Auch ein Experte des zuständigen Planungsverbandes erklärte dort, dass die Tagebauerweiterung unnötig ist.

Wie leben Sie heute in Pödelwitz?

Wir sind noch 26 von einst 130 Bewohnern. Wir haben ein aktives Dorfleben, treffen uns zu gemeinsamen Feiern, in unserer Kirche finden immer noch regelmäßig Gottesdienste statt. Bei der Lebensqualität gibt es für uns hier keine Abstriche, außer dass wir eben in diesem unplanbaren Schwebezustand leben müssen.

Wie geht es jetzt weiter?

Als Bürgerinitiative werden wir am Samstag mit einem Redebeitrag auf einer Demonstration in Leipzig auftreten. Mitte Februar fahren wir dann nach Nordrhein-Westfalen zu einem Treffen des bundesweiten Bündnisses "Alle Dörfer bleiben", um gemeinsam Strategien für den Erhalt aller Kohledörfer zu erarbeiten.

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