Mehr Fahrradfahrer in Sachsen tödlich verunglückt

In den ersten sechs Monaten starben schon so viele wie im gesamten Vorjahr. Viele schwere Unfälle passieren an Kreuzungen. Eine Personengruppe sticht dabei heraus.

Eine Gefahrenquelle für Fahrradfahrer sind rechtsabbiegende Autos. Viele schwere Unfälle mit Radfahrern passieren an Kreuzungen.

Von Christian Mathea

In diesem Jahr hat es bereits bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr tödlich verunglückte Fahrradfahrer gegeben als im gesamten Jahr 2017. Damals gab es insgesamt 19 Todesopfer. Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes Sachsen waren es im laufenden Jahr bis Juni bereits 19 Tote. Seitdem kamen weitere Unfälle dazu. So ist in der Dresdner Altstadt Mitte August eine Fahrradfahrerin tödlich verunglückt. Sie war gegen eine plötzlich geöffnete Autotür geprallt, gestürzt und wurde anschließend von einem Auto überrollt.

Auffallend ist, dass sieben Todesopfer über 75 Jahre alt waren. 2017 waren nur vier Tote in dieser Altersgruppe. Mit der zunehmenden Nutzung von Pedelecs, die gerade bei Älteren beliebt sind, hat das nur bedingt zu tun. Nur ein Pedelecfahrer kam in diesem Jahr bisher ums Leben, im vergangenen Jahr waren es drei. Noch ist unklar, wie es zu den Häufungen kommt. "Jede Einordnung ist hier spekulativ", erklärte das Sächsische Innenministerium. Ein Ansatz seien die Witterungsbedingungen. Es sei zu beobachten, dass der Radverkehr im Winter nur wenig abflaute. Außerdem nehme der Radverkehr generell stark zu.

Fakt ist: Viele schwere Unfälle mit Radfahrern passieren an Kreuzungen. "Besonders beim Rechtsabbiegen wird es oft gefährlich. Hier vernachlässigen viele Autofahrer den Schulterblick - und viele Radfahrer unterschätzen den toten Winkel", sagt Floriane Lewer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Weitere Unfallursachen seien plötzlich geöffnete Autotüren und Hindernisse auf Radwegen.

Laut Statistischem Landesamt sind 42 Prozent der Verkehrsunfälle mit Personenschaden (3932 im Jahr 2017) von Radfahrern selbst verschuldet. Gründe dafür sind zu schnelles Fahren, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, Alkohol und die verbotswidrige Benutzung anderer Straßenteile. "Riskant ist, als Radfahrer den Gehweg oder den Radweg in der falschen Richtung zu benutzen, dann rechnen Autofahrer nicht mit Radverkehr", bestätigt Lewer. Für höhere Sicherheit fordert der ADFC mehr Platz für Fahrradfahrer, vor allem breitere Fahrradspuren. Zudem könnten technische Hilfsmittel - wie elektronische Abbiegeassistenten für Lkw - helfen, Unfälle zu verhindern.

Beim ADAC ist man ähnlicher Meinung. Auch durch die Zunahme von schnellen E-Bikes stelle sich die Frage, ob die heutige Rad-Verkehrsinfrastruktur den Anforderungen noch gerecht wird, sagt Stefan Gerwens, Ressortleiter Verkehr. Er spricht sich für geschützte Radwege aus, die durch die Abgrenzung von Fahrbahn und Radfahrstreifen über Randsteine, Poller oder Blumenkübel das Überfahren von Radfahrstreifen durch Autos verhindern.

Bisher 88 Verkehrstote

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sind insgesamt 88 Menschen bei Verkehrsunfällen in Sachsen ums Leben gekommen. Das waren 16 mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders gestiegen sind die Unfallzahlen mit tödlich verletzten Fahrradfahrern und Fußgängern. Im Landkreis Zwickau gab es in diesem Zeitraum zehn Tote, im Erzgebirge neun, in Mittelsachsen vier und in Chemnitz und im Vogtlandkreis zwei.

2017 gab es 147 Todesopfer. Die meisten Unfalltoten waren in der Altersgruppe der ab 75-Jährigen (32) zu verzeichnen, gefolgt von den 45- bis 55-Jährigen (28). Auch unter den 88 Opfern dieses Jahres waren die meisten (31) 75 Jahre und älter. (fp)

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