Mehr Menge, gesunde Trauben: Gute Ernte bei Sachsens Winzern

Nicht so heiß und nicht ganz so trocken wie 2018: Das Wetter hat den Erzeugern in die Hände gespielt. Werden die Weine besser als im Vorjahr? Die Erwartungen sind hoch.

Radebeul/Meißen.

Der Großteil der Trauben ist im Keller, Sachsens Winzer setzen nun zum Endspurt an: "Über 80 Prozent der Weinberge im Anbaugebiet sind abgeerntet. Die Hauptlese wird zum Wochenende abgeschlossen sein", sagte Michael Thomas, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen. Er zeigte sich insgesamt zufrieden. "Wir sind ganz gut durchs Jahr gekommen. Es war nicht so extrem trocken und heiß wie im Vorjahr, wir hatten ein bisschen mehr Niederschlag." Das war offenbar nicht nur für die Qualität der Trauben dienlich, auch die Erntemenge fällt entsprechend hoch aus. Laut einer Ernteschätzung, die das Deutsche Weininstitut (DWI) am Freitag veröffentlichte, wird mit 27.000 Hektolitern gerechnet, das wären sechs Prozent mehr als im Vorjahr und rund ein Drittel mehr als im zehnjährigen Mittel.

"Es sieht sehr gut aus. Es hat zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge geregnet. Wir sind zufrieden mit Menge und Qualität, hatten sehr aromatisches Lesegut", sagte Martin Junge, Pressesprecher im Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul. Man sei nun in den letzten Zügen - zu lesen ist noch Riesling in der Steillage sowie Blaufränkisch. Bis Mitte Oktober soll alles drin sein, lautet der Plan.

Auch bei Schloss Proschwitz in Meißen ist man "fast durch mit der Ernte". Nur noch ein paar Hektar mit Traminer, Riesling sowie ein wenig Spätburgunder und Dornfelder müssten noch gelesen werden. Alexandra Prinzessin zur Lippe zog ein positives Fazit. Die Trauben seien sehr gesund gewesen. Und durch die gegenüber dem Vorjahr etwas kühleren Nächte hätten die Beeren mehr Säure, "sodass wir sehr schöne Qualitäten erwarten", sagte sie. "Jetzt müssen wir aber die Hufe schwingen, das Wetter wird unbeständig." Einen Wermutstropfen musste man hier jedoch schlucken: Ein lokaler Hagelschlag hatte eine Anlage getroffen. Etwa die Hälfte des Weißburgunders, der für das Große Gewächs - einen der Top-Weine - vorgesehen war, fehle nun, so zur Lippe. Wenn das Wetter mitspielt, könnte die Lese Ende kommender Woche beendet sein. "Wir werden aber noch fünf Reihen Traminer hängen lassen und schauen, ob wir edelsüßen Wein machen können."

Der Meißner Winzer Martin Schwarz hat noch Riesling und etwas Weißburgunder hängen. Das sei aber alles reif. Er hofft, am Wochenende fertig zu werden. Das Lesegut sei bisher sehr homogen und gesund gewesen. "Die Qualität ist sehr gut, ich bin sehr zufrieden." Nur beim Riesling müsse man inzwischen ein wenig "pulen", um faule Beeren herauszupicken. Die Trauben seien aber sehr aromatisch. Seine Einschätzung über alle Sorten hinweg: 2019 sei fast noch besser als 2018. "Es könnte ein vielversprechender Jahrgang werden."

Der Pillnitzer Winzer Klaus Zimmerling hat 60 Prozent der Ernte im Keller. Der Riesling ist noch offen. "Der braucht noch ein bisschen. Da gehen wir jetzt nur durch und schneiden faule Trauben heraus", so Zimmerling. Er denkt, dass es "ein ordentlicher Jahrgang wird, auf jeden Fall besser als 2018". Dieses Jahr habe man einen guten Mai mit Niederschlägen gehabt, das habe für Wuchskraft gesorgt. Im Sommer habe es Hitzepausen gegeben, und auch zur Lese sei es nicht so heiß gewesen. "Die Ausgangsbedingungen waren besser als im Vorjahr."

Thomas Herrlich, Inhaber des Meißner Weinguts Vincenz Richter, sieht den 2019er-Jahrgang gleichauf mit 2018, "wenn nicht noch einen Tick besser". Die etwas längere Reifezeit in diesem Jahr - 2018 hatte die Lese so früh begonnen wie noch nie - werde sich wohl positiv auf die Aromenausbildung auswirken, schätzte er ein. Ein Fünftel seiner Weinberge sind noch nicht abgeerntet - Riesling und Spätburgunder hängen noch. Nächste Woche soll die Lese weitergehen. Es dränge aber nichts. Beim Riesling sei man bei der Lesezeit dem langjährigen Mittel um zehn Tage voraus, so Herrlich.

Auch in den anderen deutschen Anbaugebieten wird mit einem zügigen Ende gerechnet. Die Ernte neige sich aufgrund einer guten Traubenreife und der feuchten Herbstwitterung bereits früher als erwartet dem Ende zu, so das DWI. Die Winzer seien mit der Qualität zufrieden, sagte DWI-Sprecher Ernst Büscher. Bei der Menge gebe es jedoch regionale Unterschiede. Bundesweit wird mit 8,6 Millionen Hektolitern gerechnet - 17 Prozent weniger als 2018. Mit einem Minus von 19 Prozent erwarteten die Erzeuger in Saale-Unstrut die größten Ertragsrückgänge. Aber auch in Franken, in Württemberg und an der Ahr wird mit kleineren Mengen gerechnet. Zu der Ertragsminderung haben laut DWI vor allem das zweite trockene Jahr, aber auch Sonnenbrandschäden an den Trauben sowie regional begrenzte Hagelschläge geführt.

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