Mehr rechte Hassgewalt: Sachsen im Osten nicht allein

Ist Sachsen wirklich - wie so oft beschrieben - eine Hochburg rechtsextremer Hassgewalt? Dieser Frage sind Dresdner Wissenschaftler im Auftrag der Integrationsministerin nachgegangen.

Dresden (dpa/sn) - Fremdenfeindlich motivierte Gewalt hat in Sachsen während der vergangenen Jahre zugenommen und ist besonders im Zuge des Flüchtlingsandrangs im Jahr 2015 sprunghaft gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie über «Rechte Hassgewalt in Sachsen», die am Montag am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden vorgestellt wurde. Diese Gewaltform ist demnach vor allem ein städtisches Problem mit älter werdenden Tätern. Das Durchschnittsalter stieg im Untersuchungszeitraum auf 30 Jahre.

«Hassgewalt ist offenbar keine Jugendsünde mehr, sondern wird in weiteren Gesellschaftsschichten salonfähig», sagte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), die die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte. Die Erkenntnisse sollen helfen, Präventions- und Beratungsangebote in Sachsen weiterzuentwickeln. «So lange in Sachsen noch Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion oder ihres Engagements für eine offene, engagierte Zivilgesellschaft angegriffen werden, ist unsere Arbeit noch nicht getan», sagte Köpping. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte jüngst im evangelischen Pressedienst den Rechtsextremismus zum «größten Problem» in Sachsen.

Richtete sich bis 2013 rechte Gewalt vor allem gegen Polizei und politische Gegner, rückten seitdem immer öfter Ausländer und Asylbewerber in den Fokus. Wurden 2011 noch rund 20 solcher Taten zur Anzeige gebracht, waren es 2015 bereits 120. Extremismusforscher Uwe Backes schreibt der sogenannten Flüchtlingskrise eine «Sogwirkung» zu. In der Zeit seien Personen radikalisiert worden, die normalerweise nicht gewalttätig geworden wären, hieß es.

Die Studie beleuchtet den Zeitraum zwischen 2011 und 2016, in den auch das Erstarken der Pegida-Bewegung und das Wirken der rechtsextremen Terror-Vereinigung «Gruppe Freital» fielen. Für die Studie werteten die Forscher unter anderem Daten der Kriminalitätsstatistik sowie Polizei- und Justizakten aus, führten Täter- und Opferinterviews und untersuchten auch die Rolle der sozialen Medien für die rechtsextreme Mobilisierung.

Organisierte Rechtsextremisten haben laut Backes die «Anti-Asyl-Stimmung» verstärkt und zu einer Eskalation beigetragen. Im Internet und rechten Szene-Medien dominierten die Feindbilder des «kriminellen Ausländers» und des «Asylbetrügers.»

Die Studie zeigt aber auch, dass Sachsen nur im Vergleich zu den westlichen Bundesländern als «Hochburg» rechter Gewalt gelten kann. Innerhalb der östlichen Länder rage Sachsen keineswegs heraus, so Backes. So kamen etwa zu Beginn der Erhebung 2011 im Westen auf 100 000 Einwohner statistisch 0,7 rechtsextreme Straftaten - im Osten lag der Wert bei 2,2. Sachsen rangierte auf Platz drei hinter Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

In den Ostländern stiegen die Zahlen während der Erhebung deutlich an: So wurden 2015 in Sachsen 5,3 rechte Gewaltdelikte pro 100 000 Einwohnern registriert. Mehr waren es nur in Mecklenburg-Vorpommern mit 5,9.

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14Kommentare
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    SimpleMan
    17.04.2019

    @Malleo Wir richten den Focus nach rechts, weil es in dem Artikel um Rechtsextremismus geht. Ich kommentiere auch keinen Artikel zur Stadtentwicklung mit einem Kommentar zur Wasserqualität der Badeseen. Im übrigen, wenn jemand zu unterschiedlichen Themen immer das Gleiche postet, scheint es mit der Differenziertheit nicht sehr weit zu sein.

  • 3
    5
    Malleo
    16.04.2019

    Simple..
    Ich schreibe nicht, um mit Ihnen Schnittmengen teilen zu wollen.
    Was ich zu Extremismus bemerkte, ist Ihnen entgangen?
    Sie und noch einige weitere richten den Focus auf rechts.Das ist ihr gutes Recht.
    Leider ist das nur eine Form des Extremismus.
    Das zu akzeptieren, scheint einigen aber Schmerzen zu bereiten, vor allem, wenn der Echoraum mal gelüftet wird.

  • 5
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    SimpleMan
    16.04.2019

    @Malleo Das Islamisten antisemitsch eingestellt sind, haben hier alle gewusst. Es gibt wahrscheinlich auch keinen Kommentarschreiber, der sagen würde, mit Migration sind keine Probleme verbunden. Unterscheiden tun wir uns in der Bewertung der Probleme und in den möglichen Wegen zur Lösung bestehender Probleme. Aber was hat das eigentlich mit dem Thema dieses Artikels zu tun? Ich habe von Ihnen hier noch nichts zu rechten Hass, zu Rassismus, zu rechter Gewalt gelesen, die immerhin, nimmt man die niedrigste Zahl, 88 Todesopfer in Deutschland seit 1990 gefordert hat.

  • 2
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    Malleo
    16.04.2019

    Das HAIT forscht zum rechten Milieu, der Kulturbund Sachsen "gräbt ganz tief unten rechts" und beide werden fündig.
    Frau Köpping darf das alles präsentieren und Teilnehmer im Forum sehen sich bestätigt, was sie ja schon lange wussten.
    Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, jede Form von Extremismus, die den demokratischen Konsens dieser Gesellschaft gefährdet, gilt es zu wehren.
    Dafür stehen auskömmlich Gesetze zur Verfügung.
    Damit aber die Beifallsstürme zu o.g. Forschungsergebnissen gedämpft bleiben, spendiere ich einen kleinen Verfassungsschutzhinweis. In seiner aktuellen Broschüre hält er den Islamismus für gefährlicher als Rechts- und Linksextremismus, wenn es um Antisemitismus geht.
    Das überrascht natürlich im Kontext mit dem Zuzug von mehr als 1 Mio. Muslimen in dieses Land überhaupt nicht, wo man doch nur an positive Effekte glauben soll, die uns die nach KGE "geschenkten Menschen" bringen.
    Ob das unsere jüdischen Mitbürger auch so sehen?
    Um denjenigen gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Kritik an Israel und Juden bei Muslimen nicht gleichgesetzt sehen möchten, hier das wörtliche Zitat:
    "Allen islamistischen Organisationen ist gemein, dass sie kaum zwischen dem Staat Israel und dem jüdischen Volk unterscheiden, weder sprachlich noch inhaltlich."
    Ich bin sehr gespannt, ob dieser Bericht des Verfassungsschutzes in den Medien thematisiert wird oder der moralisierende Haltungsjournalismus ihn ausblendet.
    Der Chefredakteur der "Jüdischen Rundschau" hat sich am 7.2.19 auch recht klar positioniert, was den Verfassungsbericht einmal mehr stützt.
    Wie wird wohl AM mit solchen Erkenntnissen umgehen?
    Aussitzen und die Repräsentationslücken weiter vergrößern? Das Problem ignorieren und in den Modus wohlige Stagnation schalten?

  • 2
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    Blackadder
    16.04.2019

    @Freigeist:"Stimmt Franzismarcus@ ,das Problem ist nicht rechts ,sondern rechtsradikal bis neofaschistisch ."

    Ich für meinen Teil habe keine Lust, bei braun noch die verschiedenen Schattierungen zu unterscheiden.

  • 3
    3
    Malleo
    16.04.2019

    Distel...
    Und mir gefallen jene besonders, die schwarz, vermummt, Steine und Brandsätze werfen, im Block marschieren und die Polizei hassen.
    Deren politische Agenta endet wie alle Diktaturen mit...mus.

  • 2
    2
    Malleo
    16.04.2019

    black..
    Meine erste Entgegnung hat einen Administrator wohl nicht gefallen, obwohl ich gerade an einem Wahlplakat des MP vorbeifuhr.
    "Die Sachsen sollten ihre Meinung sagen.."
    Für Sie zum Mitschreiben.
    Ich sprach von Zuwanderern und nicht nur von denen, die Sie als Flüchtlinge bezeichnen.
    Noch was, mir fallen zu Ihrer Aufzählung noch ein paar Leute ein, die die Polizei mit
    MEM bezeichnen.

  • 5
    2
    Freigeist14
    16.04.2019

    Stimmt Franzismarcus@ ,das Problem ist nicht rechts ,sondern rechtsradikal bis neofaschistisch .

  • 3
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    Distelblüte
    16.04.2019

    @Franziskamarkus: Ihr letzter Satz ist einfach nur falsch. Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass sich sehr viele Menschen auch in Sachsen (und in jedem Fall bundesweit) von rechten Gewalttätern gestört und bedroht fühlen? Dass die Studie das Augenmerk auf eine wirklich langfristige Entwicklung rechter Straftaten legt, muss Ihnen nicht gefallen, es bildet aber die Realität ab. Und nein, rechts ist nicht die Mehrheit, wie bisher bei Pegida und Co vermutet wurde.

  • 3
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    Blackadder
    16.04.2019

    @malleo: Ihnen sage ich es auch nochmal: Zuwanderer sind nicht nur Flüchtlinge, sondern z.B. auch EU-Bürger, die sich hier niederlassen, Russen zum Beispiel oder Polen.

  • 4
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    SimpleMan
    16.04.2019

    @Malleo Oh, wie dramatisch das klingt. " ... Im Bereich Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, wo mindestens ein Zuwanderer beteiligt war. Das ist ein Anstieg von 105 % gegenüber 2017. ..." Wenn Sie in Spanien, die Herkunft von Opfer von deutschen Staatsbürger untersuchen, dann werden Sie einfach feststellen, dass die meisten Spanier sind, weil in Spanien mehr Spanier leben als Deutsche.

  • 4
    4
    Franziskamarcus
    15.04.2019

    Boah, echt jetzt, es geht kein Tag ohne irgendeine Demo gegen rechts, irgend eine Studie gegen recht, irgenwas mit rechts, ein Fahrradtag mit rechts hier, rechts da,rechts rechts bla. Sorry, es Nervt nur noch!!Und nein, das Problem ist nicht rechts.

  • 2
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    Malleo
    15.04.2019

    Das HAIT forscht.
    Man hat herausgefunden, dass die Feindbilder des "kriminellen Ausländers" und des "Asylbetrügers" dominieren.(Sachsen ist in dieser Studie 3. Sieger im Osten)
    In der kürzlich veröffentlichten PKS des Bundeskriminalamtes zur „Kriminalität im Kontext der Zuwanderung“ wird folgendes Lagebild dargestellt, abseits der Delikte der Haus- und Hofganoven.
    Im Jahr 2018 wurden in dieser Republik 1,025 Millionen Opfer von Gewalttaten gegen das Leben und die weiteren Kriminalitätsfelder.(ff.)begangen.
    Die vom BKA präsentierten Fallkonstellationen zeigen ein erschreckendes Bild.
    Im Bereich Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, wo mindestens ein Zuwanderer beteiligt war. Das ist ein Anstieg von 105 % gegenüber 2017.
    102 Personen wurden getötet.
    Im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind 3261 Deutsche zum Opfer geworden mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer, eine Steigerung um 21%.
    Um es noch einmal zu verdeutlichen.
    Das BKA Lagebild zeigt 33 Asylbewerber und Flüchtlinge, die Opfer von mindestens einem Deutschen wurden und 230 deutsche Opfer von Zuwanderern.
    Bei den Sexualstraftaten liegt dieses Verhältnis bei 89 zu 3261!
    Bemerkenswert ist auch, dass 2018 „nur“ 18 % der Fälle, wo Flüchtlinge Opfer einer Straftat wurden, ein Deutscher als Täter in Frage kam.
    Lässt sich daraus nicht ableiten, dass in 82% der Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge diese von anderen Ausländern begangen werden?
    Spricht das nicht für einen (gewollt) verengten Blick auf die gern von Politik und Medien zelebrierte Ausländerfeindlichkeit „der Deutschen“?
    Bestätigen diese Zahlen nicht die „gefühlten Wahrnehmungen“ ?
    Gehen solche Fakten bei den Studien des HAIT auch ein?
    Man darf Zweifel anmelden.

  • 2
    2
    Distelblüte
    15.04.2019

    Einen sehr viel ausführlicheren Artikel dazu ist beim MDR zu finden:
    https://www.mdr.de/sachsen/politik/studie-rechte-hassgewalt-sachsen-100.html



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