Millionenschaden in Sachsen durch falsche Gewinnversprechen

International operierende Banden locken mit Autos und Bargeld. Experten warnen: Bürger sollen nicht in Vorkasse gehen.

Chemnitz.

In Sachsen sind seit 2012 über 2300 Personen Opfer von falschen Gewinnversprechen geworden. Zudem könne man bei dieser Art von Betrug von einer hohen Dunkelziffer ausgehen kann, sagte gestern Tom Bernhardt vom Landeskriminalamt Sachsen (LKA). Seinen Angaben zufolge belaufen sich allein im Freistaat die Schäden im Zusammenhang mit dubiosen Gewinnspielanrufen insgesamt auf über zwei Millionen Euro.

Die Verbraucherzentrale Sachsen und das LKA warnten deshalb gestern nachdrücklich vor dieser Betrugsmasche. Die ist immer gleich: Den Angerufenen wird ein Gewinn in Aussicht gestellt, den diese aber nur erhielten, wenn sie dafür in Vorkasse gingen. Doch dieser Gewinn hat niemals existiert, wie Kriminalpolizei und Verbraucherschützer einmütig betonen. Die Betrügereien funktionieren übrigens bundesweit. So berichtet das Bundeskriminalamt in Wiesbaden von 322.500 Geschädigten. Sprecherin Barbara Hübner bilanziert: "Der Schaden bei den Fällen, die uns bekannt sind, liegt bei knapp 50 Millionen Euro."

Die Betrugsmasche ist gleich, doch die Varianten sind vielfältig. So geben sich die Anrufer als Rechtsanwälte und Notare aus, um Seriosität vorzutäuschen. Sie stellen einen tollen Gewinn in Aussicht - entweder einen hohen Bargeldbetrag oder eine Luxuskarosse. Um ihn zu erhalten, sollen die vermeintlichen Gewinner lediglich im Voraus Gebühren, Steuern oder andere Kosten erstatten und diese per Post oder über Bargeldtransferdienstleister begleichen. Wer zahlt, ist sein Geld los und sieht niemals etwas vom versprochenen Gewinn.

Besonders im Visier der Gauner sind Senioren. Exemplarisch dafür steht der Fall eines damals 72-jährigen Chemnitzers, der bereits 2011 für einen angeblichen Gewinn eines Audi A5 für 53.500 Euro eine Gebühr von 1700 Euro auf ein Konto im Ausland überwies. Das Auto hat er laut Polizei nie erhalten, die überwiesene Summe jedoch verloren.

Allerdings ist es nicht immer einfach, die Anbieter dingfest zu machen. "Oft agieren sie von Callcentern im Ausland aus", sagt BKA-Sprecherin Hübner. "Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass die Taten überwiegend aus der Türkei begangen werden. Die Täter sprechen sehr gut deutsch, sind redegewandt und skrupellos", sagt LKA-Sprecher Bernhardt. Das BKA habe eine deutsch-türkische Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Aufklärung der Straftaten dieser international operierenden Tätergruppen beschäftigt.


Wie man bei Anrufen reagieren sollte

Gewinnspielverträge sind laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nur gültig, wenn sie schriftlich, per Fax oder E-Mail abgeschlossen wurden.

Wer seine Bankverbindung am Telefon herausgegeben hat und später unberechtigte Abbuchungen auf seinem Konto feststellt, sollte gegenüber dem Geldinstitut der Abbuchung widersprechen. Das kann ohne Angabe von Gründen innerhalb von acht Woche geschehen.

Wer nicht an einem Gewinnspiel teilgenommen hat und einen Anruf erhält, er habe gewonnen, sollte besser auflegen, so Experten.

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