Motivation statt Mathe: Betriebe suchen Sozialkompetenz

Lieber Motivation als Mathe: Für die Besetzung von Lehrstellen machen Betriebe in Sachsen Abstriche bei schulischen Leistungen und setzen mehr auf soziale Fähigkeiten. Dennoch sind weiterhin Ausbildungsplätze en masse frei.

Chemnitz (dpa/sn) - Bei der Suche nach Lehrlingen drücken die Verantwortlichen in den sächsischen Betrieben mit Blick auf die schulischen Leistungen immer öfter ein Auge zu. Nach Einschätzung der Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern (IHK) im Freistaat achteten die Unternehmen zunehmend auf die sozialen Kompetenzen der Bewerber. «Entscheidend ist nicht mehr ganz so die Zensur», sagte der Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, Frank Wagner, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zum sächsischen Ausbildungsmarkt.

Nach Einschätzung der IHKs gibt es auf dem Gebiet der Sozialkompetenz die größten Defizite. Gefordert seien Motivation, Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und ordentliches Auftreten, sagte Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz. Dort müsste von den Ausbildern der größte Aufwand betrieben werden. «Da ist es einfacher - auch wenn es schmerzt - die Grundrechenarten beizubringen», erklärte er. Deswegen wünsche sich die Industrie auch eine Beibehaltung der Kopfnoten.

Trotz der Abstriche bei den schulischen Ergebnissen haben nicht alle Schulabgänger eine Lehrstelle gefunden. Dabei gibt es in Sachsen auch gut einen Monat nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch mehr freie Lehrstellen als Bewerber. Ende September gab es noch mehr als 1700 unbesetzte Ausbildungsplätze, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit. Demgegenüber habe es zum gleichen Zeitpunkt gut 930 unversorgte Bewerber gegeben.

Gemeinsam mit den Betrieben werde man alles daransetzen, für jeden Bewerber ein passendes Angebot zu finden, sagte Klaus-Peter Hansen, Leiter der Regionaldirektion. «Wir lassen keinen links liegen», betonte er.

Als Gründe dafür, dass noch immer statistisch knapp zwei Lehrstellen pro Bewerber zur Verfügung stehen, nannte Hansen drei Gründe: Die Ausbildungsplätze seien den Jugendlichen zu weit vom Wohnort entfernt, es würde nicht alle Berufe in gleichen Maße nachgefragt und nicht immer sind die Bewerber für ihren Wunschberuf geeignet.

Im Zeitraum von Oktober 2018 bis September 2019 waren den Angaben zufolge knapp 21 600 freie Ausbildungsplätze bei den Arbeitsagenturen gemeldet. 21 100 Jugendliche hätten mit Unterstützung von Berufsberatern eine Lehrstelle gesucht. Sieben von zehn Jugendlichen würden diese Hilfe in Anspruch nehmen. Gleichzeitig wenden sich bei der Suche nach Azubis drei Viertel der Betriebe an die Arbeitsagenturen.

Eine differenzierte Bilanz zum Ausbildungsmarkt zogen die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammer. Die IHKs verzeichneten gut 11 400 neue Ausbildungsverhältnisse und damit 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei der Handwerkskammer hingegen gab es ein Plus von 1,6 Prozent auf mehr als 5400 Lehrverträgen.

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