Nabu schlägt sich auf Seite der Rotwild-Bewahrer

Der Streit um die Jagd beschäftigt nicht nur den Naturschutzbund. In Kürze muss auch der Landtag Position beziehen.

Dresden.

Es ist eine Auseinandersetzung, die kein Ende findet: Seit vier Jahren tobt ein Streit zwischen dem landeseigenen Sachsenforst und einer Gruppe von Jägern, Naturschützern und Bürgern um die Art und Weise der Jagd vor allem aufs Rotwild. Über eine zweite Petition, die seit gut einem Jahr in Dresden liegt, wird am 28. März der Petitionsausschuss des Landtages entscheiden. In der Petition, die mehrere Hegegemeinschaften eingereicht haben, verlangen mehr als 4000 Unterzeichner einen artgerechteren Umgang mit Wild und eine Reform der Jagdbehördenstruktur. So werden etwa eine Begrenzung der Jagdzeit, staatlich finanzierte Wildtiermanagementpläne und mit allen Beteiligten abgestimmte Abschusspläne gefordert. Eine erste Massenpetition mit über 8000 Unterschriften hatte der Landtag 2016 abgelehnt.

Und nun? Der Petitionsausschuss, der analog dem Wahlergebnis besetzt ist, scheint nicht auf einen Nenner zu kommen. Die beiden Berichterstatter, die Landtagsabgeordneten Andreas Heinz (CDU) und Kathrin Kagelmann (Linke), werden dem Gremium jeweils einen eigenen Abschlussbericht vorlegen. Während Kagelmann die Staatsregierung zum Handeln bewegen will, wird der CDU-Mann dem Ausschuss eher empfehlen, die Petition abzulehnen. Wald gehe vor Wild, sagte Heinz unlängst der "Freien Presse". Ein Satz, der die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Punkt bringt. Denn Sachsenforst hatte stets erklärt, dass zu viel Wild da ist, und dies mit Schäl- und Verbissschäden an Bäumen begründet. Um Schäden einzudämmen, wurde das Rotwild verstärkt ins Visier genommen.

Unterstützung hatte der Staatsbetrieb noch Ende 2018 von sieben Natur- und Waldschutzverbänden erhalten, die sich in einem Brief an Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) gewandt hatten. Besorgt äußerten sie sich darin, dass bei einer Beibehaltung der Wildbestandsdichte der Umbau der Wälder nicht zu schaffen sei. Unterschrieben hatte den Brief auch der Landeschef des Naturschutzbundes (Nabu), Bernd Heinitz. Doch bei den Mitgliedern im Erzgebirge kam das nicht gut an. Inzwischen hat der Nabu Sachsen seine Unterschrift zurückgezogen. Der Brief werde den Intentionen des Nabu nicht gerecht, heißt es. "Es ist an der Zeit, nach zukunftsträchtigen Lösungen zu suchen, die dem Rothirsch - einer vorwiegend tagaktiven und das Offenland bewohnenden Art - wieder ein einigermaßen artgerechtes Leben gestatten", erklärt Heinitz heute.

Auch beim Landesjagdverband sorgt man sich um den Erhalt des Rotwildbestandes. Nach einem ersten Gespräch mit Vertretern von Ministerium und Sachsenforst hatte man noch von ersten Schritten der Annäherung gesprochen. Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Es gebe keine Signale von Sachsenforst, dass sich etwas ändern könne, sagte Vize-Präsident Wilhelm Bernstein. Was die Petition angeht, so wird es wohl zu einer "Kampfabstimmung" über die beiden Berichte kommen - Ausgang offen. Karsten Bergner, einer der Initiatoren der Petition, will den Kopf aber auch bei einer Ablehnung nicht in den Sand stecken: Man werde dann öffentlichkeitswirksam seinen Unmut kund tun, meinte er. mit rickh

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