Nach 29 Jahren: Tatverdächtiger im Mordfall Heike Wunderlich festgenommen

Plauen/Zwickau. In einem ungelösten Mordfall aus DDR-Zeiten im Vogtland ist nach 29 Jahren ein dringend Tatverdächtiger festgenommen worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Zwickau. Dem 60 Jahre alten Mann aus Gera wird zur Last gelegt, am 9. April 1987 die 18-jährige Heike Wunderlich aus Altensalz bei Plauen erdrosselt und missbraucht zu haben. Der Mann sitzt seit 16. März in Untersuchungshaft, musste aber zunächst wegen seines Gesundheitszustandes ins Haftkrankenhaus nach Leipzig verlegt werden. Er wohnte zur Tatzeit in Plauen und war später nach Thüringen umgezogen.

Auf die Spur des Tatverdächtigen kamen die Ermittler durch DNA-Analysen. Als sich das Gewaltverbrechen 1987 ereignete, gab es diese Möglichkeiten zur Bestimmung des unverwechselbaren genetischen Fingerabdrucks von Tätern noch nicht. Deshalb waren die Ermittlungen auch nach mehr als zwei Jahren 1989 zunächst eingestellt worden.

Etwa zehn Jahre später liefen sie wieder an. Im Jahr 2000 schickte die Polizei die am Tatort sichergestellten, wohlverwahrten Spurenträger an das Landeskriminalamt (LKA) in Dresden. Es sollte prüfen, ob sich noch DNA-Spuren finden. Das Ergebnis war zunächst nicht befriedigend. Weil aber seither die Untersuchungsmethoden ständig verfeinert wurden, gaben auch die Zwickauer Ermittler die Hoffnung nie auf.

Jetzt konnten Sachverständige des LKA eine bislang unbekannte DNA-Spur extrahieren. Sie gaben sie in die DNA-Datei des Bundeskriminalamtes ein und bekamen bereits nach wenigen Stunden einen Treffer angezeigt. Der genetische Fingerabdruck passte zu einem Mann, der wegen anderer Taten in der bundesweiten Straftäterdatei erfasst war. Das Amtsgericht Zwickau erließ aufgrund des dringenden Tatverdachts Haftbefehl.

Bisher gibt es von dem Mann kein Geständnis. Nach seiner Festnahme sagte er, dass er Heike Wunderlich nicht gekannt habe. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Holger Illing spricht bei der DNA-Spur von einer "hundertprozentig sicheren Spur", die auch gerichtsverwertbar sei. Frank Wunderlich, der jüngere Bruder des Opfer, zeigte sich zum ersten Mal seit vielen Jahren zuversichtlich: "Ich hoffe, dass vor allem die Eltern endlich Ruhe finden, auch wenn wir vielleicht nicht bis ins letzte Detail erfahren, was damals passiert ist."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    MarcoII
    07.04.2016

    Kompliment! Verbrechen wie dies auch nach fast 30 Jahren nicht zu den Akten zu legen zeigt Biss.
    Die Zeit zurück drehen kann keiner, aber jetzt bekommen die Tatsachen ein Gesicht. Und manche Geschichte vielleicht ein schließendes Kapitel.



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