Nach Frost-Nächten im Mai: 7500 Hektar Wald geschädigt

Ein so großes Ausmaß an Schäden durch Spätfrost hat der Sachsenforst noch nie registriert. Anders als bei Borkenkäfern und Stürmen sind auch Laubbäume stark betroffen.

Chemnitz.

Rückschlag für den Waldumbau in Sachsen: Der Nachtfrost im Mai in diesem Jahr hat dem Wald im Freistaat massiv zugesetzt. Das hat der Staatsbetrieb Sachsenforst jetzt mitgeteilt. Demnach wurden rund 7500 Hektar Wald geschädigt, 2000 Hektar davon allein im mittleren Erzgebirge. Die Rede ist von den größten Spätfrostschäden in Sachsens Wäldern in der vorliegenden Statistik. Das bisherige Maximum im Jahr 1991 lag bei knapp 2000 Hektar landesweit. Im Jahr 2019 waren der Mitteilung zufolge lediglich rund 320 Hektar Wald von Spätfrost gezeichnet gewesen.

Die betroffenen Bäume zeigen braun verfärbte Blätter oder Nadeln, frisch gebildete Triebe hängen leblos herab. Für die Forstleute bedeutetet die Lage eine zusätzliche Herausforderung. "Wir haben derzeit genug mit den Folgen von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäfer zu kämpfen", sagt Utz Hempfling, Landesforstpräsident und Geschäftsführer von Sachsenforst. "Der Spätfrost kommt zur Unzeit."

Während Borkenkäfer, Trockenheit und Stürme vor allem für Fichtenbestände problematisch werden, sind nun mit 88 Prozent vor allem Laubbäume wie etwa Rotbuchen betroffen. Also jene Bäume, mit denen der Sachsenforst eigentlich seine Wälder fit für den Klimawandel machen möchte. Auch die Weißtannen, von denen der Frost nun viele schädigte, spielen eigentlich eine gewichtige Rolle im Waldumbau.

Die Forstleute erklären sich das hohe Schadensausmaß unter anderem damit, dass für den Waldumbau in den letzten Jahren viele Laubbäume neu gepflanzt wurden. In jungen Jahren aber zeigen sich gerade diese besonders anfällig für die Minusgrade. Ob die betroffenen Bäume überleben, werde sich dem Sachsenforst zufolge in den nächsten Wochen herausstellen. "Die Bäume wurden unterschiedlich stark getroffen und besitzen auch eine unterschiedliche Fähigkeit, sich nach einem solchen Ereignis zu regenerieren", begründet Sprecherin Carolin Werthschütz. "Derzeit schätzen wir aber, dass die Mehrheit der betroffenen Bäume die Spätfrostschäden überlebt." Spannend für die Forstleute wird dabei auch, ob sie noch genügend Saatgut gewinnen können, um den Waldumbau weiter im gewünschten Ausmaß voranzutreiben. Steht nicht genügend Saatgut direkt aus einer Region zur Verfügung, darf zwar zugekauft werden - jedoch nach dem sogenannten Forstvermehrungsgutgesetz für jede Baumart nur aus vorab genau festgelegten Ersatzgebieten. Das soll die Qualität des Saatguts sichern und die genetische Vielfalt der Wälder erhalten.

Spätfröste treten insbesondere in sternenklaren, windstillen Nächten auf ebenen Freiflächen oder in Mulden auf. Dort kann sich kalte Luft sammeln. Diese Gefahr verringere auch der Klimawandel nicht, betont Hempfling. Im Gegenteil: "Hohe Temperaturen im zeitigen Frühjahr lassen die Bäume früh austreiben. Die Spätfröste treten aber weiterhin auch im späten Frühling auf. Das erhöht die Gefahr erheblich."

Um sie zu minimieren, nutzen die Experten verschiedene Strategien. Das kann beispielsweise eine Verjüngung unter dem Schutz älterer Bäume sein. Wo Borkenkäfer oder Stürme große Kahlflächen hinterlassen haben, werden Pionierbaumarten wie Espen oder Birken eingesetzt. Denen kann Spätfrost weniger anhaben. Aber 100 Prozent Sicherheit bietet all das nicht. Hempfling: "Aufgrund der sehr tiefen Temperaturen wurden in diesem Jahr auch Schäden innerhalb geschlossener Wälder beobachtet und auch ältere Waldbestände wurden geschädigt."

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